Ein stilisierter Wald nimmt derzeit im Untergeschoss des Naturmuseums Solothurn Gestalt an. Und es sind dutzende Waldkobolde, die dort im Geäst herumklettern, -hüpfen oder -wuseln. Sie kündigen die neue Sonderausstellung an, die am Donnerstag startet und bis 20. Oktober – man kann es erraten – dem Eichhörnchen die Bühne überlässt.

Und ja, einige mögen behaupten, die pelzigen Freunde vom Fichtenbaum nebenan zur Genüge zu kennen, sodass man sie nicht in Form ausgestopfter Präparate ansehen muss. Trotzdem, oder vielmehr gerade deswegen verspricht man sich beim Naturmuseum einen Besucheransturm; weil nämlich ebenso viele Eigenschaften des «Sciurus vulgaris» dem zweibeinigen Nachbarn weitgehend unbekannt sind. «Wir haben ein Monothema, das einfach zugänglich ist und doch einige Türen öffnet», bestätigt Museumspädagogin Joya Müller.

Natürlich enthält die Rezeptur der vom Naturmuseum Winterthur konzipierten Ausstellung eine weitere besonders erfolgsverheissende Zutat: den «Jö-Effekt», der Klein und Gross gleichermassen über die Schwelle des Naturmuseums lockt.

«Mit Sinnen erfahrbar»

Die Ausstellung beleuchtet multimedial und interaktiv die verschiedenen Aspekte im Leben eines europäischen Eichhörnchens. «Es gibt einiges zu lesen – aber auch vieles, das mit den Sinnen erlebbar ist», verrät Müller. Man erfährt, dass das Tierchen mit dem «Jö-Bonus» nicht nur ein Sammler von Samen und Nüssen ist, sondern zeitweise auch als frecher «flexitarischer» Räuber umherstreift, um Vogeleier zu stibitzen.

Immer mehr wird das Eichhörnchen ausserdem zum sogenannten Kulturfolger, wie Müller erklärt: «Es ist immer öfters in Parks und Gärten anzutreffen. Trotzdem bleibt es ein Wildtier, das nicht gefüttert werden sollte.» Durch sonnenbrillenähnliche, schärfende Linsen und einem ausgezeichneten Geruchssinn hat das Eichhörnchen nämlich kaum Schwierigkeiten, Nahrung aufzuspüren.

Die Hochseilakrobaten

Fragt man gerade Kinder nach dem markantesten Erkennungszeichen, so wird der buschige Schwanz genannt. Dieser ist mehr als nur Dekor: Er sorgt für die Balance beim Verweilen auf den Ästen, dient als Wärmeregulator und ist fürs Balzverhalten unabdingbar. Dann nämlich, wenn das Männchen damit gegen den Baum klopft, um dem Weibchen zu imponieren.

Oder beide lassen sich auf ein «Fangis» in den Baumwipfeln ein, was im Endeffekt auf dasselbe hinausläuft. Paarungszeit hin- oder her, «Hochseilakrobaten» sind die Eichhörnchen allemal. Die gelenkigen Hinterbeine, kombiniert mit ausgeprägten Krallen, ermöglichen es dem Sciurus vulgaris, sich sogar an senkrechten, glatten Baumstämmen festzuhalten.
Auch der Behausung, der Fortpflanzung oder den biologischen Verwandten wie dem Murmeltier, dem Gleithörnchen oder dem Biber wird grosszügig Platz eingeräumt.

Aber auch den zahlreichen Feinden: Zu ihnen zählen der Baummarder, die Aaskrähe, der Habicht, aber auch der Mensch: Heute durch den Verkehr, und lange Zeit auch durch den Verzehr.

Zudem bereitet Wildtier-Biologen in jüngerer Zeit auch ein Pockenvirus Sorgen, der mit dem in den USA heimischen Grauhörnchen auf den europäischen Kontinent gelangte und hiesige Eichhörnchen gefährdet. Diese sind im Gegensatz zum Grauhörnchen nicht immun. Von Italien her droht das Virus auch, sich in der Schweiz auszubreiten.

Jenseits der Museumsschwelle

Die neue Ausstellung ist eine Entdeckungsreise in den Lebensraum des flauschigen Waldkobolds. Eine, die aber ganz im Geiste des Naturmuseums nicht an der Schwelle nach draussen Halt macht, sondern gerade dort neu beginnt: Besucher schnappen im Museum Wissen auf, das sie als Entdecker in der «freien Wildbahn» anwenden können.

Und vielleicht rapportieren sie die neuen Entdeckungen im Sinne eines Austausches wieder ins Naturmuseum zurück – sich daran erinnernd, wie ein Fiepen oder Schnalzen des Eichhörnchens klingt, oder welche Spuren es hinterlässt. So besteht im Eingangsbereich auch die Möglichkeit, eigene Eichhörnchen-Beobachtungen auf einer Stadtkarte zu markieren.

Bereits seit Längerem existiert zudem die Online-Plattform www.wildenachbarn.ch, dem auch das Naturmuseum Solothurn angeschlossen ist. Dort können Spuren oder direkte Beobachtungen eingetragen werden. Mit dem Eichhörnchen hat der Laien-Naturforscher allemal ein faszinierendes Anschauungsobjekt.

Alle Veranstaltungen der Sonderausstellung: www.naturmuseum-so.ch