3,8 Mio. Franken «konservativ gerechnet» will die Rythalle AG in den nächsten Jahren in einen neuen Annexbau und die Sanierung der Reithalle selbst investieren. «Das ist eine grosszügige Kostenschätzung. Wir hoffen, mit 3 Mio. durchzukommen», so AG-Verwaltungspräsident Tobia Jakob vor 82 Aktionären. Eine entsprechende Bau-Voranfrage sei beim Stadtbauamt deponiert und man hoffe auf einen baldigen positiven Entscheid, damit «wir noch dieses Jahr das Baugesuch einreichen können».

Das Unterfangen ist insofern heikel, weil die Rythalle AG auf die bisherigen Mieter und dabei insbesondere die HESO Rücksicht nehmen muss. «Deshalb werden wir den ganzen Bauablauf in mehre Phasen unterteilen», betonte Jakob. Vorausgesetzt, die Baubewilligung erfolge wie angedacht, beginne man nächsten Mai mit dem Abbruch des bestehenden Anbaus hinter der Reithalle, im Juli/August dann mit der neu vorgesehenen Unterkellerung, «und die Errichtung des Rohbaus wäre dann nach der HESO 2019 vorgesehen». In einer dritten Phase würde dann die Sanierung der Reithalle selbst 2020 oder notfalls erst 2021 erfolgen.

Auslastung verbessern

Nach der Generalversammlung nahm dann Tobias Jakob noch konkreter Stellung zum gesamten Vorhaben. Eines stellte er gleich vorneweg klar: «Wir wollen die Auslastung der Reithalle vor allem unter der Woche verbessern, aber keineswegs einen Partytempel für die Wochenenden kreieren.» Dazu werde der neue Annexbau oder Pavillon, nutzbar als Foyer, mit einer Anrichteküche für den Catering-Betrieb ausgestattet. Auch soll er sein, was «theoretisch die Durchführung von zwei oder mehreren kleineren Anlässen erlaubt», erklärte der Verwaltungsratspräsident.

Selbstverständlich werde der Neubau auf die Bedürfnisse der HESO abgestützt, aber auch die jetzigen Mieter sollen damit bei der Stange gehalten werden. Als neue Zielgruppe sieht man bei der Rythalle AG insbesondere Ausrichter von Generalversammlungen, welche dann in separaten Räumen ihre Tagung und anschliessend einen Apéro durchführen könnten.

Im neuen Kellergeschoss unter dem Annexbau sollen Lagerräume und die WC-Anlagen entstehen, wobei oben eine Behinderten-Toilette vorgesehen ist. Neben Büroraum wird das Pavillon-Parterre auch noch einen Backstage-Bereich für auftretende Künstlerinnen und Künstler enthalten, denn «so was wird heute einfach verlangt», weiss Jakob. Selbstverständlich sind die Lagerräume im Keller und der Annexraum oberhalb mit einem Lift verbunden.

Vorhergehend zum komplexen Bauablauf habe man mit den jetzigen Mietern Rücksprache genommen, denn «eine Betriebspause können wir uns nicht leisten», betont Tobias Jakob.

«Tipptopp» unterwegs

Leisten kann sich die Rythalle AG allerdings die Investitionen durchaus, wenn man das Zahlenmaterial, präsentiert von Finanzchef Markus Boss, unter die Lupe nimmt. So steht die Reithalle mit nur noch 122'000 Franken in den Büchern und ist somit weitgehend abgeschrieben. Besonders erfreulich wertete Boss, dass Rückstellungen von 65 000 Franken aus dem laufenden Betriebsergebnis möglich geworden sind.

Das erkläre aber auch den Jahresgewinn von nur knapp 4000 Franken, der auf neue Rechnung vorgetragen wurde. Doch hat die AG neben ihrem Aktienkapital von 200'000 Franken ein beachtliches Eigenkapital von 965 000 Franken auf der hohen Kante vorzuweisen.

«Und bei der HESO sind wir tipptopp unterwegs», kam der Finanzchef auf die eigentliche Cashcow der Rythalle AG, die Herbstmesse Solothurn, zu sprechen. So belief sich der Ertrag aus den Standmieten im letzten Jahr auf 1,73 Mio. Franken, aufgerundet durch weitere HESO-Erträge sowie die Reithallenvermietung auf insgesamt gut 1,9 Mio. Franken. Die Bau- und Betriebskosten für die Herbstmesse belaufen sich auf knapp 1,1 Mio. Franken, dazu kommt ein Personalaufwand von 280'000 Franken. In der Rechnungsablage enthalten sind aber jeweils schon bezahlte Standmieten von rund 800'000 Franken.

Wortmeldungen gabs im Sonderschau-Zelt keine, auch nicht zum kurz gehaltenen Jahresbericht des VR-Präsidenten. Demnach habe sich die Vermietung der Reithalle im Rahmen des Vorjahres bewegt, während die HESO 2017 sehr erfolgreich verlaufen sei. «Nun gilt es, sich im schwieriger werdenden Umfeld zu behaupten», warf Tobias Jakob einen mahnenden Blick auf die vielerorts kriselnde Messelandschaft in der Schweiz.