Solothurn
«Es kann nicht so weitergehen!»: Kantonsschüler gehen für Klimaschutz auf die Strasse

Rund 300 Solothurner Kantonsschüler setzten am Freitagmorgen ein klares Statement. Sie forderten «system-change» statt «climate change». Mit lautstarken Parolen und Plakaten marschierten die Anhänger der «Climate-Strike»-Bewegung vom Hauptbahnhof Solothurn zum Rathaus.

Kathrin Wettstein
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Climate Strike am 18. Januar 2019 in Solothurn Grossaufmarsch: Um die 300 Jugendliche besammelten sich frühmorgens am Solothurner Bahnhof.
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 Grossaufmarsch am Bahnhof
Climate Strike Solothurn
 Initiantin Julia Hostettler in Aktion.
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 Vom Bahnhof gehts Richtung Kreuzackerbrücke.
Climate Strike Solothurn
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 Kurze Ansprachen bevor es über die Kreuzackerbrücke geht.
Climate Strike Solothurn
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Mit vielen Plakaten und Getöse über die Kreuzackerbrücke.
Climate Strike Solothurn
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 Den Kronenstutz hinauf.
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 Auf der St. Ursentreppe gibt es weitere Botschaften per Megafon.
Climate Strike Solothurn
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 Weitere Botschaften vor dem Rathaus.
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 Weitere Botschaften vor dem Rathaus.
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 Die «Veteranin» trifft den Nachwuchs: Marguerite Misteli im Gespräch mit jugendlichen Klima-Aktivistinnen.
 Die Medien sind auch vor Ort.
Climate Strike Solothurn
 Ein Demonstrant befestigt am Rathaus ein Plakat.

Climate Strike am 18. Januar 2019 in Solothurn Grossaufmarsch: Um die 300 Jugendliche besammelten sich frühmorgens am Solothurner Bahnhof.

Hanspeter Bärtschi

Bahnhofplatz Solothurn, 7.30 Uhr – rund 300 Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule sind versammelt. Anlass für die Grossversammlung am Freitagmorgen ist die rasant voranschreitende Klimaerwärmung. Vor einer Woche wurden die Jugendlichen per Whats-App aufgefordert, sich an der Kundgebung für das Klima zu beteiligen. Gerechnet hatten die Initianten vielleicht mit 50 Leuten. Was als 15-minütige Kundgebung angedacht war, endete am Freitag in einem lautstarken Protestmarsch durch die Stadt.

«Üsi Ärde stirbt – Climate Justice Now»

Die Streikenden zogen vom Bahnhofplatz über die Kreuzackerbrücke, vorbei an der St. Ursen Kathedrale bis vor das Solothurner Rathaus. Allen voran ein grosses Banner mit der Aufschrift «Üsi Ärde stirbt – Climate Justice Now», dicht gefolgt von lauten Parolen und Paukenschlägen.

Die Botschaft der Streikenden ist deutlich: Sie sorgen sich um ihre Zukunft und fordern sofortige Handlungsmassnahmen. Eine von ihnen ist Elena Ruffner aus Langendorf. Die 18-jährige Kantonsschülerin findet den Klimaschutz eine sehr wichtige Thematik. Sie erhofft sich durch die Protestbewegung politische Aufmerksamkeit. «Parlamentarier sollen nicht nur aufmerksam werden, sondern auch handeln», fordert sie.

Jeder kann einen Beitrag für ein grüneres Klima leisten

Die Mitorganisatorin des «Climate-Strike», Julia Hostettler, zeigte sich überwältigt. Der grosse Aufmarsch und die Beteiligung der Jugendlichen rührten sie sehr. Die Schülerinnen und Schüler haben realisiert, um was es geht – nämlich um nichts weniger als um die Zukunft unseres Planeten.

Zu ihnen gehört auch der 18-jährige Basil Wyss. Der Jugendliche aus Biberist ist besorgt und fordert sowohl die Regierung als auch die Gesellschaft zum Handeln auf. Jeder könne und solle seinen Beitrag für ein grüneres Klima leisten, meint er. Dies könne auch im kleineren Rahmen erfolgen, beispielsweise durch eine konsequente Abfalltrennung.

«Ich bin hoch erfreut, dass jetzt auch in Solothurn etwas geht»

Unter den Aktivisten waren nicht nur Kantonsschüler. Am Solothurner Protestmarsch lief auch eine altbekannte Klimawandel-Veteranin mit. Marguerite Misteli amtierte von 1991 bis 1995 als Nationalrätin der Grünen Partei. Heute setzt sich die Solothurner Gemeinderätin für die 2‘000 Watt Gesellschaft ein. «Ich bin hoch erfreut, dass jetzt auch in Solothurn etwas geht. Die Jugendlichen haben begriffen um was es geht: Um ihre Zukunft.»

«Climate Strike» Bewegung

Die «Climate Strike» Bewegung findet ihren Ursprung in Schweden. Die 15-jährige Greta Thunberg schwänzte letzten Sommer drei Wochen lang die Schule, um vor dem Parlament gegen die Klimapolitik zu demonstrieren. Noch immer fehlt sie jeden Freitag, um Politikern Beine zu machen. «Die Erwachsenen haben versagt. Sie sagen, der Klimawandel ist eine Bedrohung für uns alle, aber dann leben sie einfach weiter wie bisher. Wir müssen selbst aktiv werden», so die junge Umweltaktivistin. Während der Klimakonferenz in Kattowitz hat Greta Thunberg zu einem weltweiten Schulstreik am Freitag 18.1.2019 aufgerufen. Die Schülerin forderte dazu auf, sich vor Parlamenten oder Ratshäusern zu versammeln.

Zu Wort meldete sich zudem Delia Ferraro, eine 22-jährige Mutter. Sie macht sich Sorgen um die Zukunft ihrer 2-jährigen Tochter. Die bekümmerte Mutter fragt sich oft, was wohl in 50 Jahren sein wird.

«Es kann nicht so weitergehen wie es ist!», sagt auch der 18-jährige Noe Loosli. Der Kantonsschüler aus Zuchwil macht auf die globale Betroffenheit aufmerksam. Der Klimaschutz sei ein Thema, welches nicht nur die Schweiz tangiere. Des Weiteren kritisiert er die ablehnende Haltung der bürgerlichen und rechten Politiker. Er fordert mehr Offenheit und Mitwirkung ihrerseits: «Es geht sie ja genauso etwas an wie mich.»

Um 9 Uhr löste sich die Gruppe der Demonstrierenden langsam wieder auf. Im Gedächtnis bleiben die farbigen Plakate, der Aufruf, das beeindruckende Engagement der Jugendlichen und die Hoffnung auf Veränderung.