Solothurn

«Es ist sehr speziell keine Besucher zu haben»: Die Stadtmuseen nutzen die Publikumsfreie Zeit

Nach dem Lockdown geht es im Museum Blumenstein weiter mit der Ausstellung «Seife, Sex & Schokolade» (Archivbild)

Nach dem Lockdown geht es im Museum Blumenstein weiter mit der Ausstellung «Seife, Sex & Schokolade» (Archivbild)

Die Museen der Stadt Solothurn wissen sich während des Lockdowns zu beschäftigen. Bis zur Wiedereröffnung aber stehen noch einige Fragen offen.

Für die Museen zeichnet sich etwas Licht am Horizont ab: Gemäss dem Ausstiegsfahrplan des Bundesrates sollen ab dem 8. Juni auch Kulturinstitutionen wieder Besucher empfangen dürfen. Die Wiedereröffnung geschieht voraussichtlich unter bestimmten Hygiene- und Schutzmassnahmen. Wie das genau aussehen soll, steht allerdings noch offen. Den städtischen Museen stellen sich derzeit daher Fragen rund um die Umsetzung der Auflagen und die Durchführung des Jahresprogramms.

Im Naturmuseum beispielsweise würde bis am 1. Juni noch die Ausstellung über Hermeline und Mauswiesel laufen. Danach ist eine Sonderausstellung über die Hauskatze vorgesehen. Doch der Startzeitpunkt ist wegen der Corona-Krise ungewiss, sagt der Konservator des Naturmuseums, Thomas Briner. Die Ausstellung wird von einem anderen Museum ausgeliehen. Aber da auch dieses unmittelbar von den Folgen des Lockdowns betroffen ist, wird alles komplizierter. «Alle Museen stehen derzeit vor denselben Problemen», sagt Briner. Das Naturmuseum aber ist in der «glücklichen Lage», im Notfall die Hermelin- und Wieselausstellung zu verlängern. Es handle sich um eine eigene Sonderausstellung.  

Zurückhaltende Programmplanung

Anders sieht es beim Rahmenprogramm aus: Bis mindestens Anfang Juni sind alle Führungen, Vorträge, Kurse und Anlässe abgesagt. Das sind im Durchschnitt eine Schulklasse pro Tag und rund 3500 Besucher pro Monat, die bis zur Lockerung jeweils fehlen. Man werde versuchen einige der Veranstaltungen nach dem Lockdown nachzuholen, doch Genaueres kann Briner noch nicht sagen. «Wir sind sehr zurückhaltend mit der Planung der zweiten Jahreshälfte. Die Ungewissheit bereitet uns allen grosse Mühe», sagt er. Sicher ist einzig, dass das Museum vermehrt auf eigene Ressourcen zurückgreifen will: Statt Externe herbeizuziehen, werden die eigenen Fachleute referieren und Führungen leiten, um die Planung zu vereinfachen.

Trotz der ausfallenden Veranstaltungen und Führungen gehe ihnen die Arbeit nicht aus, versichert Briner. Während den vergangenen Wochen habe man sich Zeit für Tätigkeiten nehmen können, die im täglichen Betrieb nebenbei laufen, wie beispielsweise der Pflege der Sammlung oder der Museumspädagogik: Ein grosses Projekt sei derzeit, Unterrichtsmaterial für die Gesamtübersicht der Dauerausstellun herzustellen. Das gibt es bis anhin nur für Sonderausstellungen und Spezialthemen. Dennoch sei die Situation gewöhnungsbedürftig für das Museum: «Es ist sehr speziell keine Besucher zu haben», sagt er. Für sie als städtische Institution sei die vorübergehende Schliessung in erster Linie emotionaler und kein wirtschaftlicher Verlust. «Das Museum lebt von Berührungen und Interaktionen mit den Besuchern.»

Bis das wieder möglich ist, muss bis am 8. Juni ein Schutzkonzept her. Doch die Eigenheiten des Museums erschweren das: Es sei nicht einfach, bei vielen Besuchern die Abstandsregeln einzuhalten. Ein Ampelsystem mit begrenzter Anzahl an Besuchern könnte das Problem lösen, hofft Briner. Aber wie man die Hygienemassnahmen einhalten kann, darüber mache man sich noch Gedanken und tausche sich mit anderen Institutionen, auch aus dem Ausland aus: Denn die Ausstellungen des Museums verlangen vielerorts Interaktionen mit Gegenständen und Oberflächen, die nur schwer zu reinigen sind.

Bereit für die Wiedereröffnung

Dieses Problem hat das historische Museum Blumenstein weniger: «Wir sind glücklich, wenn wir wieder Besucher empfangen können», sagt Konservator, Erich Weber. Im Gegensatz zum Naturmuseum seien die Ausstellungen im historischen Museum mehrheitlich nicht zum Anfassen gedacht und ein Hygienekonzept sei ziemlich einfach umzusetzen. Auch Platz sei genügend vorhanden für die Besucher, solange keine Veranstaltungen stattfinden. Und diese sind laut dem Ausstiegsfahrplan des Bundesrats auch bei der Lockerung am 8. Juni noch nicht erlaubt. «Theoretisch wären wir bereits in der Lage, das Museum für einzelne Besucher zu öffnen.» Aber Besucher und Museum müssen sich noch etwas gedulden.

Das Blumenstein bleibt jedoch nicht gänzlich von der Krise verschont: Die Eröffnung der Apothekenausstellung im Alten Spital war diesen November vorgesehen. Die Arbeiten vor Ort mussten aber zum Schutz aller Beteiligten bis auf Weiteres sistiert werden. Das hat zur Folge, dass die beliebte Ausstellung «Seife, Sex & Schokolade», die bereits einmal verlängert wurde, nochmals bis Ende Jahr verlängert wird. Dank dem Lockdown aber konnten die Arbeiten an der Inventarisierung der Apotheke der Spitalschwestern intensiviert werden.

Die Neuzugänge erfassen rund 1500 Objekte. «Wir kommen gut voran und können einige Pendenzen abbauen», sagt Weber. Damit spricht er auch die «frei gewordenen Ressourcen» an. All jene, die nun wegen des Besucherausfalls keine Arbeit mehr im Museum haben, werden in die Inventarisierung und in die Pflege der Sammlung eingespannt. Das Museum sei derzeit vollständig mit diesen Arbeiten ausgelastet. «Normalerweise bleibt uns nur der Montag für solche Arbeiten. Aber nun können wir sie ohne Rücksicht auf das Publikum verrichten», sagt Weber. Der Lockdown komme ihnen daher fast schon gelegen. «Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen», sagt er.

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