Unweit des «Brüggli», das über den Dürrbach zum Rosegghof führt, wohnt Leonie Schwarzenbach mit ihren drei Kindern Mael (14), Ira (10) und Milo (5). Die alleinstehende Mutter lebt seit 15 Jahren im Dürrbachquartier, 5 davon am westlichen Ende der Amanz-Gressly-Strasse in einer luftigen Attikawohnung mit einem langgezogenen Balkon, wo es grünt und blüht und die diplomierte Behindertenbetreuerin bei klarer Sicht die Alpenkette erkennen kann. Mittelpunkt ist ein farbiges «Bänkli», auf dem sie zusammen mit ihren Kindern oft und gerne sitzt und zur Ruhe kommen kann.

Unten auf der grossen Wiese hat eine Nachbarin einen Tisch und einen Sonnenschirm aufgestellt, daneben steht ein aufgeblasenes Schwimmbecken und etwas weiter vorne ein Trampolin, das der Lebensfreude der Quartierkinder kaum Grenzen setzt. Spätestens jetzt kommt Leonie Schwarzenbach, die in der Weststadt aufgewachsen ist, ins Schwärmen. «Ich möchte nirgendwo anders wohnen als in diesem wunderschönen Quartier mit den ungewöhnlich grossen Grünflächen und den sympathischen, unkomplizierten und hilfsbereiten Menschen, bei denen ich mich aufgehoben fühle.»

Ein Frauenchat für Nachbarschaftshilfe

Erst kürzlich haben die Quartierbewohnerinnen einen Frauenchat ins Leben gerufen, der sich inzwischen grosser Beliebtheit erfreut. Dank diesem Kommunikationsmittel findet man in nächster Nähe in kürzester Zeit eine Lösung, falls man in Not ist oder sonst wie Hilfe braucht. Das geht vom Austausch eines Küchengeräts oder einer Nähmaschine bis hin zum Teilen eines im Moment nicht benutzten Autos oder Velos. Auch wer auf der Suche nach einer Kinderbetreuung ist, profitiert vom Nehmen und Geben.

Wenn Leonie Schwarzenbach zum Beispiel an einem lauen Sommerabend Lust auf Gemeinsamkeit hat, findet sie in einem der Gemeinschaftsgärten immer jemanden, der mit ihr eine Tasse Kaffee oder ein Bier trinkt. Oft stossen noch andere Quartierbewohner dazu, und nicht selten wird aus dem Kaffee oder Bier schliesslich auch ein Glas Wein. Einem vergnüglichen Abend steht nichts mehr im Weg. «Manchmal herrscht bei uns ein bisschen Campingstimmung», sagt die gesellige Frau und lacht. Apropos Gemeinschaftsgärten: nie und nimmer möchte sie die Naturgärten, in denen auch Tiere ihren Lebensraum finden, gegen eine sterile Gartenanlage eintauschen.

Seit sie im Dürrbachquartier wohnt, ist Leonie Schwarzenbach im sozialen Bereich tätig und arbeitet Teilzeit in einer Institution für Menschen mit einer Behinderung in Grenchen. Dorthin fährt sie jeden Tag mit dem Elektrobike. Noch in diesem Monat wird sie mit einer Zusatzausbildung zur Sozialpädagogin beginnen und ihr Arbeitspensum auf 80 Prozent erhöhen.

Nicht zuletzt dank ihrem Beruf hat sie gelernt, Menschen zu verstehen, soziale Kontakte zu knüpfen, Unstimmigkeiten auszutragen und Kompromisse zu finden. Wie überall gibt es auch im Dürrbachquartier Nachbarn, die nicht besonders kinderfreundlich sind. «In solchen Fällen ist es wichtig, miteinander zu reden», weiss Leonie Schwarzenbach aus Erfahrung. Denn: «Entscheidend ist, dass man es miteinander gut hat und ich dazu etwas beitragen kann.»

«Oh, das ist aber ein schönes Quartier»

Bestätigt in ihrer Liebe zum Quartier fühlt sie sich, wenn sie hie und da einen Spaziergänger oder einen Besucher sagen hört: «Oh, das ist aber ein schönes Quartier.» Doch das Quartier ist nicht nur schön, sondern die genossenschaftlichen Wohnungen, die zu Leonie Schwarzenbachs nächster Umgebung gehören, sind auch preisgünstig, was dazu führt, dass sie auch begehrt sind.

Inzwischen ist auch der 14-jährige Mael, der die Sekundarschule in der Schützenmatt besucht, dazugestossen. Ist auch er so tief verwurzelt im Dürrbachquartier wie seine Mutter, die sich einen anderen Wohnort nicht vorstellen kann? Er überlegt nicht lange: «Es ist das beste Quartier, das es je gegeben hat, und es ist megacool hier zu wohnen.» Mael weiss zudem: «Das sagt jeder, der hier wohnt.» Es besteht kein Zweifel: Auch die Kinder lieben die grossen Grünflächen, wo sie Fussball spielen und sich austoben können, sind glücklich, dass es so viele Spielgefährten gibt – und nette Nachbarn, die ihnen ermöglichen, ihre Kindheit auszukosten.