Solothurn

«Es ist der ideale Moment»: Geschäftsführerin der Quartierspielplätze verabschiedet sich

Guda Hess-Güdel verabschiedet sich als Geschäftsführerin der Solothurner Quartierspielplätze. Die 59-Jährige ist aber keineswegs «spielplatzmüde».

In den vergangenen 15 Jahren war sie das bekannte Gesicht der Quartierspielplätze «Güggi», «Villa 41» und «Tannenweg»: Guda Hess-Güdel, Geschäftsführerin und zudem Leiterin des Spielplatzes «Güggi». Doch die Jobbeschreibung greift zu kurz: Hess war Lernbegleiterin, Theaterintendantin, Mediatorin, Werkstattleiterin, Wundpflegerin, Feuerwehrfrau, Gartenberaterin und Bauinspektorin.

Dann nämlich, wenn sie «Güggi»-Besuchern bei kniffligen Schulaufgaben half, bei Zankereien schlichtete, bei Theaterszenen beriet, in der Bastelstube zum Rechten schaute, einem auf dem Baum gestrandeten Kletterer runterhalf, beim Eintopfen von Pflanzen assistierte, kleine «Bräschten» pflastertechnisch versorgte oder kindsgerechte Entwürfe für Holzhütten genehmigte. Ende November geht mit der Saison auch ihre Tätigkeit für die Quartierspielplätze zu Ende. Die 59-Jährige ist aber keineswegs «spielplatzmüde»: «Der Betrieb funktioniert heute so, wie ich mir das vorstelle – und dies ist der ideale Moment, um aufzuhören.»

Wie alles begann

Rückblende: Zwischen 1973 und 1976 wurden die drei Quartierspielplätze in Solothurn eingerichtet. Eine rege Bautätigkeit zu jener Zeit hatte vielerorts auch die Frage nach Freiräumen für die junge Generation aufgeworfen. 1982 folgte die Gründung des Vereins, durch den die drei Plätze unter ein gemeinsames Dach gebracht wurden. Die Stadt übernahm die Trägerschaft für den Betrieb. 2002 stiess Guda Hess zu den Quartierspielplätzen hinzu.

Heute umfasst das Stellenpensum total 200 Prozent, verteilt auf sechs Personen. Ihnen zur Seite stehen rund 30 Kindercoaches – ehrenamtliche Assistenten von der sechsten bis zur neunten Klasse. «Dank ihnen läuft vieles selbstständig ab, ohne dass wir gross eingreifen müssen», sagt Hess. Beispielsweise beim «Sinnesparcours», den die Coaches kürzlich im Alleingang auf die Beine stellten. Auch zahlreiche Eltern helfen beim Betrieb mit. Andernorts seien Mütter nach einer gewissen Zeit zu Hause oft wieder vom Berufsleben absorbiert. «Hier aber gehört Freiwilligenarbeit zum guten Ton. Viele Mütter und Väter packen an – ungefragt.»

Doch woher kommt ihre Freude an dieser Tätigkeit? Als Kind habe sie in der Vorstellung geschwelgt, Mutter von Kindern unterschiedlicher Hautfarbe zu sein. Diese offene Einstellung hat auch ihren beruflichen Weg vorgespurt: Nach einer Ausbildung an der Kunstgewerbeschule unterrichtete sie als Lehrerin für praktisch Bildungsfähige, bewohnte und bewirtschaftete zusammen mit ihrem Mann lange Zeit ein Bauernhaus im Emmental, führte ein Malatelier und alsbald eine Spielgruppe.

Auch auf dem politischen Parkett war Hess aktiv: Von 1996 bis 2006 sass sie im Berner Grossrat und vertrat als Sozialdemokratin und als erste Frau überhaupt aus dem Emmentaler Distrikt auch Anliegen der Landwirte. Auf der Suche nach einer beruflichen Beschäftigung fokussierte sie sich bald auf ausserkantonale Angebote, um Interessenkonflikte mit ihrer politischen Tätigkeit zu vermeiden. In Solothurn wurde sie fündig.

«Grundstimmung ist geblieben»

«Die Kinder sind heute verplanter als früher, was Unruhe schafft», sagt Guda Hess im Rückblick. Auf der anderen Seite setzen die Quartierspielplätze durch ihr Angebot einen ruhigen Gegenpol. «So konnten wir die Grundstimmung von früher ins Jetzt hinüberretten.» Und tatsächlich: Wer schon nur bei den jeweiligen Ferienaktionen einen Blick auf den Spielplatzbetrieb wirft, sieht zahlreiche Kinder und Jugendliche, die sich «offline» und abseits von Spielkonsolen zu beschäftigen wissen. «Tun tut gut» prangt als Leitspruch der Quartierspielplätze an den Wänden des «Güggi».

Doch die Zweckbestimmung geht über das Tun und das Guttun weit hinaus: «Wir wollen den Kindern eine Stimme sein und eine Stimme geben – auch gegenüber den Behörden» – Behörden, die auf diese Weise von den Ängsten, Bedürfnissen und Meinungen der Kinder erfahren. Hess erinnert sich an das «Ganz geheime Bankgeheimnis», bei dem Kinder goldene und schwarze Steine in Solothurn verteilten, um so die beliebtesten, aber auch die am wenigsten gemütlichen Ecken der Stadt zu markieren. Oder dann setzten sich die Teilnehmer der Ferienaktionen mit der Zukunft ihrer Stadt auseinander und nahmen für die Mitwirkung im Prozess der Ortsplanungsrevision ihre Schulwege unter die Lupe.

Ebenfalls für persönliche, jugendspezifische Themen hat es Raum auf den Spielplätzen. So habe man beispielsweise aufgrund familiärer Probleme Massnahmen einer Familienbegleitung einleiten können. Oder dann erlangten Kindercoaches bei ihrer Lehrstellensuche durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit den entscheidenden Bewerbungsvorsprung. «Wir versuchen, das Selbstwertgefühl zu fördern, indem wir die Kinder bei ihren Stärken abholen.» Und so habe sie auch schon das Lob hören dürfen, dass man bei den Ferienaktionen manchmal mehr lerne als in der Schule. Ebenso wurde ihr bewusst, dass man junge Menschen für fast alles begeistern könne – «auch Achtklässler für Basteln mit Filz».

«Spüre Dankbarkeit»

Vor einigen Wochen übergab nun Hess im Rahmen einer Erzählstunde den Zauberstab des «Güggi» an ihre bisherige Assistentin Milena Adamo, hier früher selbst Spielplatz-Kind. Geschäftsführerin über alle Spielplätze wird Monika Roth, die früher selbst den «Tannenweg» geleitet hatte. «Ich nehme viele tolle Erfahrungen, coole Sprüche, aber auch die gespürte Dankbarkeit mit», sagt Hess.

Dankbarkeit ist ihr von allen Seiten allemal sicher: Ein elfjähriger Bub beispielsweise meinte zum Abschied: «Merci, Guda, dafür, dass du dich bei der Stadt immer so für uns eingesetzt hast.»

Das Spielplatz-Motto «Tun tut gut» ist auch Hess selbst ins Gesicht geschrieben. Jetzt untätig werden wird sie nicht, denn den «Spielplatz» gebe es auch im privaten Umfeld: «Fünf Enkelkinder habe ich mittlerweile», sagt Guda Hess schmunzelnd.

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