Die Zentralbibliothek wächst und wächst. Jährlich stossen neue Bücher zur 250 Jahre alten Sammlung und immer mehr Personen nutzen das Angebot. «Ein Ende ist nicht absehbar», sagt Co-Direktorin Verena Bider. Trotz Internet und E-Books geht die Zahl der Bücher nicht zurück. Eine Million lagern inzwischen an der Bielstrasse, wo die räumliche Situation seit 1958 unverändert besteht.

Damals habe man grosszügig geplant, «aber man hat die Regale dann auch grosszügig gefüllt, denn in der Zeit vor dem Internet musste man sehr viel mehr vor Ort anbieten können», blickt Co-Direktorin Bider zurück. «Heute bringen wir unsere Bestände nur dank dem findigen Magazinchef überhaupt noch unter Dach.»

Jetzt geht die Bibliothek den Platzmangel mit zwei Projekten an. Im luzernischen Büron beteiligt sich die Zenti gemeinsam mit einigen der grössten Schweizer Bibliotheken an einer neuen, logistisch hochkomplexen Speicherbibliothek. Der Sauerstoffgehalt in den Räumen soll so tief sein, dass sich Mitarbeiter nicht länger als einen halben Tag drin aufhalten dürfen. Auch dem Brandschutz wird grosse Beachtung geschenkt.

Neue Schatzkammer in Solothurn

Zum Zweiten will der Kanton Solothurn im Garten vor dem bestehenden Gebäude in Solothurn ein unterirdisches, 3,8 Mio. Franken teures Magazin bauen.

Warum gleich zwei neue Magazine? Es handle sich um zwei ganz unterschiedliche Projekte, erklärt Co-Direktorin Bider. Auf der einen Seite ist der unterirdische Anbau in Solothurn. Er soll ab 2014 die wertvollsten und ältesten Werke beherbergen. Bider kann sich nicht vorstellen, diese auszulagern – geht es doch um einen historischen Bestand von europäischer Bedeutung. «Manchmal wird das in Solothurn vergessen.

Doch die Leute kommen von weit her, um sich die Bücher anzuschauen.» Derzeit sind die Lagerbedingungen nicht optimal: Im sogenannten Tresorraum, wo Kulturgüter ersten Ranges lagern, befindet sich ein Überlaufschacht für Notfälle. Die Luftfeuchtigkeit ist ein Dauerthema.

Am 23. September ist der Spatenstich. 450 Quadratmeter sollen Platz für 149 000 Bände schaffen. Die neuen unterirdischen Räume seien im Gesamtkonzept einer möglichen Erweiterung integriert, sagt Bider. Sollte wie geplant in zehn Jahren die Bibliothek um ein Stockwerk erhöht werden, wäre die Haustechnik schon vorbereitet.

Im Verbund mit den Grossen

Für andere Bücher ist der Bau im luzernischen Büron konzipiert. Dort sollen Bände hinkommen, die Verena Bider folgendermassen beschreibt: «Für die Nachwelt erhaltenswerte Bücher von mittlerer Aktualität, die nicht mehr häufig benutzt werden.» Diese werden künftig per Post nach Solothurn geliefert. Mit weniger als 100 Ausleihen pro Monat rechnet Bider. Hingegen werde der digitale Dokumentenlieferdienst eine bedeutende Nachfrage erzielen.

29 Mio. Franken kostet der Bau, über den das Luzerner Stimmvolk im November noch entscheidet. 3,1 Mio. Bücher sollen dort ab 2015 gelagert werden. Eine Erweiterung auf bis zu 14 Mio. Bücher wäre denkbar. Beteiligt sind auch die Aargauer Kantonsbibliothek, die Bibliotheken der Universitäten Luzern, Basel und Zürich sowie die Zentralbibliothek Zürich. Der Kanton Luzern ist nicht zuletzt wegen der desaströsen Lage in seiner Zentral- und Hochschulbibliothek auf den Bau angewiesen.

Betriebskosten: Noch nicht geklärt

Der Kanton Solothurn beteiligt sich nicht an den 29 Mio. Franken Baukosten. Kommt das Projekt zustande, fallen ab 2015 allerdings bis zu 200 000 Franken jährlich für den Betrieb an. Wie diese aufgefangen werden, ist laut Caesar Eberlin, Chef des Amtes für Kultur, noch nicht beschlossen. Die bisherige Leistungsvereinbarung mit der Zentralbibliothek laufe 2014 aus.

Demnächst wird diese neu verhandelt. Dann wird auch entschieden, ob der Kanton mehr bezahlt oder ob die Bibliothek den Betrag kompensieren muss. Verena Bider ist überzeugt, dass ein gemeinsames Lager günstiger kommt als die Lagerung in den einzelnen Bibliotheken. Übrigens habe man auch Industriebrachen in der Region in Betracht gezogen; die konservatorischen Bedingungen seien allerdings nirgends erfüllt gewesen.