Zuchwil
Es geht um die Fernwärme-Versorgung von 4000 Einfamilienhäusern

In der Kebag Zuchwil sieht man sich in Sachen Fernwärme für alle Eventualitäten gut gerüstet. Noch fehlt die zweite Hauptleitung von Zuchwil nach Solothurn. Direktor Markus Juchli schätzt aber, dass diese im kommenden Jahr gebaut werden kann.

Wolfgang Wagmann
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Kebag-Direktor Markus Juchli sieht keine Probleme bei der Fernwärmeversorgung von Solothurn.

Kebag-Direktor Markus Juchli sieht keine Probleme bei der Fernwärmeversorgung von Solothurn.

Hanspeter Bärtschi

Politisch warf die Fernwärme-Debatte in Solothurn hohe Wellen. Die Anschlusspflicht ans Fernwärmenetz stand in der Kritik bürgerlicher Gemeinderäte. Doch beim Lieferanten der Fernwärme, der Kebag in Zuchwil, sieht man zwei Dinge gelassen: Die Anschlusspflicht gebe es auch in anderen Schweizer Städten, und vor allem – die Versorgung mit Fernwärme sei gesichert. Kebag-Direktor Markus Juchli: «Seit 1993 gibt’s Fernwärme. 2007 haben wir unser Leitungsnetz an die Regio Energie Solothurn verkauft. Dies angesichts der Unsicherheiten mit den Grossabnehmern Scintilla und Sulzer.»

Anschlusspflicht: Zweifel bleiben

Heisse Diskussionen löste der Erschliessungsplan zur Fernwärme an der letzten Gemeinderatssitzung aus. Der CVP-Antrag, zwecks genaueren Abklärungen das Geschäft zurückzuweisen, da insbesondere die Anschlusspflicht für Privateigentümer von Liegenschaften zu hinterfragen sei, erntete harsche Kritik durch Stadtpräsident Kurt Fluri und die Ratslinke. Der am 19. Januar 2010 im Gemeinderat verabschiedete Masterplan Energie sei behördenverbindlich, man sei erstaunt, dass es jetzt zum Erschliessungsplan nochmals solche Diskussionen gebe. Diese Vorwürfe lässt CVP-Gemeinderat Peter Wyss nicht auf sich sitzen und förderte deshalb das Sitzungsprotokoll von 2010 zutage. Er legt den Finger vor allem auf zwei Passagen. So wird Stadtplaner Daniel Laubscher zitiert, der damals noch erklärt habe: «Für Private besteht jedoch keine Gesetzesverbindlichkeit, d.h., in einem Baubewilligungsverfahren existiert noch keine Verpflichtung, den Masterplan Energie umzusetzen.» Auch verweist Wyss darauf, dass der Masterplan im eigentlichen Sinn nicht genehmigt worden sei. Stehe doch im Protokoll: «Der vorliegende Masterplan Energie 2009 vom 15. April 2009 wird zur Kenntnis genommen.» Die Rückweisung des Erschliessungsplans wurde dennoch abgelehnt. (ww)

Unsicherheiten, die sich leider bewahrheitet hätten. Damals vereinbarte die Kebag mit der Regio Energie eine Gesamtliefermenge von 40,8 Megawatt. «Das entspricht ungefähr 4000 Einfamilienhäusern mit einem Heizbedarf von je 10 Kilowatt (kW).» 20 Megawatt des 120 Grad heissen Wassers, das nach der Beheizung der angeschlossenen Objekte noch zwischen 60 und 70 Grad warm nach Zuchwil zurückfliesst, können bereits über die bestehende Hauptleitung geliefert werden.

Reserven in der Rückhand

Noch fehlt eine geplante zweite Hauptleitung, die von Zuchwil aus Solothurn mit den restlichen 20 Megawatt versorgen soll. «Ich gehe aber davon aus, dass die Leitung nächstes Jahr gebaut werden kann», meint Markus Juchli. Dann sei der Plafond der Gesamtliefermenge erreicht. «Die Regio Energie Solothurn ist verpflichtet, das Leitungsnetz nur soweit auszubauen, dass die 40,8 Megawatt nicht überschritten werden.»

Die Kebag in Zahlen

Die Kebag in Zuchwil wurde 1976 in Betrieb genommen. Die Anlage verbrennt in den vier Ofenlinien jährlich 220 000 Tonnen Kehricht der 206 Berner und Solothurner Gemeinden. 155 davon sind die Aktionäre der Kebag. Die Nutzung der im Abfall enthaltenen Energie spart jährlich 10 Mio. Liter Heizöl oder 26 000 Tonnen CO2 ein. Der grösste Teil des gewonnenen Stroms wird neben der Eigenversorgung und jener der benachbarten ARA ins öffentliche Stromnetz eingespiesen, womit jährlich rund 40 000 Wohnungen mit Strom versorgt werden können. 25 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet die Kebag mit der Nutzung der im Abfall enthaltenen Energie. (ww)

Laut Juchli hoffe der Energieversorger in Solothurn, dass er bis 2020 der Kebag die Höchstliefermenge abnehmen könne. Dann aber sei das Ende der Fahnenstange in Sicht, «haben wir doch mit der AEK noch einen anderen Abnehmer für Fernwärme, der rund 5 Megawatt für die Versorgung in Luterbach und 7 für jene in Derendingen benötigt.»

Derzeit sei aber die fehlende zweite Hauptleitung kein Problem, erklärt der Kebag-Direktor weiter. Zumal das im Bau stehende Hybrid-Kraftwerk der Region Energie in der Aarmatt schon bis Ende Jahr über den dort installierten Notkessel bei Bedarf zusätzlich 5 bis 6 Megawatt Fernwärme abgeben könnte. Damit sei das Sicherheits-Backup bei einem Störfall sowie die Spitzenabdeckung in jedem Fall gewährleistet, versichert Markus Juchli.

Doppelt gemoppelt

Sollte es zu einem Zwischenfall in der Kebag selbst kommen, sei man im Übrigen mehrfach abgesichert. «Wir haben eine eigene, interne Stromversorgung, alle kritischen Elemente der Fernwärmeerzeugung sind doppelt vorhanden und wir verfügen über vier Ofenlinien.» Für die Fernwärmegrundversorgung reiche bereits die Energie einer Ofenlinie aus. Dank diesem autarken System sei man «deutlich besser abgesichert» als jedes einzeln beheizte Gebäude, das bei einem Stromausfall auch einen Ausfall der Heizung zu gewärtigen hat.

Einen weiteren Vorteil der Fernwärme sieht Markus Juchli aber auch beim Preis, wobei die Kebag selbst nur für den Wärmepreis verantwortlich ist: «Der Wärmepreis ist deutlich günstiger als Gas. Und er wird jährlich nur dem Landesindex der Konsumentenpreise angepasst. Sogar bei einer Minusteuerung.» Damit sei die Preisentwicklung bei der Fernwärme abschätzbar und transparent.