Samstagmittag, Kreuzackerplatz. Passanten schlendern vorbei, geniessen die frühsommerliche Wärme an der Aare – alles scheint wie gewohnt. Bis plötzlich ein lauter Beat die Ruhe durchbricht, eine grosse Gruppe Mädchen und junger Frauen sich formiert und mit rhythmischen Bewegungen zu tanzen beginnt. Ihre fröhliche Performance überrascht die Passanten, einige bleiben stehen und klatschen, manche zücken ihr Handy für ein kurzes Video.

Der Flashmob der Streetdance-Gruppe «Roundabout» ist einer der vier Anlässe, die im Rahmen des «Platz da?!»- Aktionstages in der ganzen Stadt stattfinden. Das Projekt «Platz da?!», lanciert vom Alten Spital, dauert den ganzen Mai an und setzt sich mit dem Thema «Öffentlicher Raum für alle» auseinander (wir berichteten). «Die Aktionen sollen spontan, aussergewöhnlich und unerwartet sein – so wie diese Tanzeinlage», meint Jenny Kramer, Fachverantwortliche Jugend im Alten Spital.

Ziel des Projekts sei es, darauf aufmerksam zu machen, dass der öffentliche Raum allen zur Verfügung stehe und in Anspruch genommen werden könne. «Wir möchten wieder Leben in den öffentlichen Raum bringen und Begegnungen zwischen Jung und Alt ermöglichen», so Kramer.

Gemeinsam schaufeln

Ortswechsel: Im Bikepark beim Henzihof in der Weststadt wird trotz Mittagshitze tüchtig gearbeitet. Hier soll mithilfe von Freiwilligen der sogenannte Pumptrack, eine Wellen-Mulden Bahn, gebaut werden. So schaufeln junge Männer gemeinsam mit kleinen Jungs eifrig Erde zu grossen Hügeln zusammen. Darauf sollen dann ab Herbst Biker ihre Fahrkünste unter Beweis stellen können. «Der Pumptrack ist für Fahrer jeden Niveaus und jeden Alters – also auch für Kinder – geeignet. Deshalb finde ich es toll, dass die Kinder heute auch beim Bau mithelfen», sagt Marc Henzi, einer der Initianten des Bikeparks.

Auch bei diesem Anlass ist die Idee der Nutzung des öffentlichen Raumes präsent: Nach der Fertigstellung wird die Anlage für alle Fans des Radsports offen sein.

Am kommenden Samstag wird der Helfertag wiederholt, auch dann sind wieder alle motivierten Freiwilligen eingeladen, im Bikepark in lockerer Atmosphäre mit anzupacken – als Belohnung gibts eine Wurst vom Grill.

Platz für Ungewohntes

Zurück in der Stadt dauert es nicht lange, bis man wieder auf ein grünes «Platz da?!»-Schild trifft, das auf eine Aktion des Projekts hinweist. So auf dem Friedhofsplatz: Hier findet ein Jugendkurs des Theaters Mausefalle statt. Knapp zehn Jugendliche, die sich spontan zum Mitmachen entschieden haben, laufen umher und fangen je nach Kommando eines Leiters plötzlich an, zu rennen, zu hüpfen oder zu schreien. Auch hier drehen sich zahlreiche Fussgänger verwundert um.

Dies ist ganz im Sinn der Theatergruppe. «Die Idee des Theaters ist es doch, dass Zuschauer mitdenken und etwas erleben», meint Chiara Herold, Allrounderin bei der Jugendarbeit Solothurn und Helferin beim Jugendkurs. «Der öffentliche Raum ist deshalb zum Theaterspielen sehr gut geeignet, da das Publikum beim Vorbeigehen automatisch einbezogen wird.» Zudem könne so eine alternative Nutzung von öffentlichen Plätzen aufgezeigt werden. «Es soll auch Platz haben für Nicht-Alltägliches», betont Herold.

Turnen auf dem Märetplatz

Die vierte Station der «Platz da?!»-Aktivitäten steht prominent mitten auf dem Märetplatz. Dort, wo im Winter das Marronihüsli frierende Passanten anlockt, lädt jetzt ein grosses Gestell mit herabhängenden, langen Tüchern Kindern zum Turnen ein. Drei Luftakrobatinnen von der Gruppe «ars volandi» zeigen den vielen bewegungsfreudigen Mädchen und Buben geduldig Tricks, wie man sich mithilfe der Tücher gekonnt durch die Luft schwingt.

Workshop Luftakrobatik auf dem Solothurner Märetplatz

Workshop Luftakrobatik auf dem Solothurner Märetplatz

Hier scheint der öffentliche Raum fast auf die natürlichste und selbstverständlichste Weise genutzt zu werden – vielleicht, weil ihn die Kinder mit ihrer unbekümmerten Art im Sturm erobern.