Solothurn
Erweiterungsbau ist pünktlich fertig: «Jetzt haben wir Therapieräume, die ihren Namen verdienen»

Der Erweiterungs-Anbau des Zentrums für körper- und sinnesbehinderte Kinder in Solothurn geht am Mittwoch in Betrieb. Sechs Millionen Franken wurden für den Erweiterungsbau investiert.

Andreas Kaufmann
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Blick auf den Erweiterungsbau des Zentrums für körper- und sinnesbehinderte Kinder in Solothurn.
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Einer der Therapieräume im neuen Erweiterungsbau
Breite Gänge, ideal auch für Rollstuhlfahrer
Breite Gänge, ideal auch für Rollstuhlfahrer
Erweiterungsbau des Zentrums für körper- und sinnesbehinderte Kinder in Solothurn
Blick in die Schulzimmer
Blick in die Schulzimmer
Blick in die Schulzimmer
«Nun haben wir Therapieräume, die endlich ihren Namen verdienen», sagt Christine Bigolin, Geschäftsführerin ZKSK
Mittagstisch
Der neu entstandene Innenhof

Blick auf den Erweiterungsbau des Zentrums für körper- und sinnesbehinderte Kinder in Solothurn.

Andreas Kaufmann

«Oh mir tüenis fröie, uf die tolle nöie Basisstufezimmer, hie blibe mir für immer. Packe, zügle, irume, fertig!» Sogar ein Liedchen wurde gedichtet für den Erweiterungsbau, der morgen Mittwoch auf den Schulstart hin vom Zentrum für körper- und sinnesbehinderte Kinder (ZKSK) in Betrieb genommen wird.

Packen, zügeln, einräumen – das liegt alles in der Vergangenheit. Abgesehen von Umgebungsarbeiten oder kleinen technischen Pendenzen kann der Unterricht starten. Platznot hatte den Stiftungsrat des Schulzentrums veranlasst, einen Anbau zu planen. Sechs Millionen Franken waren für den Erweiterungsbau budgetiert worden, «und dieses Kostendach haben wir auch eingehalten», sagt ZKSK-Geschäftsführerin Christine Bigolin heute rückblickend. Zwei Drittel der Finanzierung hat das Zentrum mit eigenen Mitteln bestritten.

Da durch die Verbindung zwischen Alt- und Neubau auch Platz verloren ging, wurde überdies der Administrationsbereich rechts des Haupteingangs für 600'000 Franken erweitert.

Neue Schul- und Therapieräume

Jetzt finden sich im alten Gebäudeteil vier Schulzimmer für die reguläre Mittel- und Oberstufe, sowie eine zusätzliche Oberstufe mit besonderer Praxisausrichtung für die spätere berufliche Tätigkeit. Die Basisstufe, die sich bisher im alten Internatsteil des Gebäudes befand, wird – das Lied verrät es – neuerdings im Neubau untergebracht, und zwar zusammen mit der Unterstufe.

Im neuen Teil finden sich neben den beiden identischen Schulzimmern mit Klassenraum, Gruppenraum und Galerie auch acht unterschiedlich grosse und ausgestattete Therapieräume, die teilweise sogar abtrennbar sind, weiter das Büro der Ergotherapie, dann ein Ärztezimmer für Letizia von Laer (Entwicklungspädiatrie) und Sandra Waldmeier (Neuropädiatrie).

Angeboten wird Ergo- und Physiotherapie für Schulkinder und für ambulant zugewiesene Personen. «Jetzt haben wir Therapieräume, die ihren Namen verdienen», resümiert Bigolin: Als die Schule vor 40 Jahren startete, war sie lediglich mit einer Physiotherapie-Abteilung ausgestattet. Erst später kamen Ergotherapie, Psychomotorik und Logopädie hinzu, die in der Turnhalle, einem Schulzimmer sowie früheren Internatsräumlichkeiten untergebracht wurden. An vielen Stellen musste man improvisieren, um dem knappen Platzangebot Herr zu werden.

Auch die breiten rollstuhlfreundlichen Gänge tragen zum Raumkomfort bei. Am Handlauf im Korridor lässt sich die Motorik auf Rollschuhen, Inline-Skates oder Fahrrädern trainieren. Und ein Raum mit Küche ermöglicht im Neubau die Mittagstisch-Verpflegung von rund 30 Kindern, wobei dieser auch als Mehrzweckraum verwendet werden kann. «Vorher erkannte man in jeder Ecke des Zentrums einzelne Grüppli beim Mittagessen», erinnert sich Bigolin.

Holz als Basismaterial

Holz dominiert den Erweiterungsbau des Zentrums, das sich gleich neben der Bürgerspital-Grossbaustelle befindet. «Es war auch für die Baukommission klar, dass Holz das Basismaterial werden soll», erinnert sich Bigolin. Denn: «Der Neubau darf sich auch vom bisherigen Bau abheben.» Strukturelemente bei der Terrasse erinnern an einen amerikanischen «Veranda-Stil», und Akustiklamellen aus Holz dämmen die Raumakustik. Die frühere Westseite des Baus wurde zum entschleunigten Innenhof. Zum Bau gehört überdies auch eine Photovoltaik-Anlage, die auf dem Flachdach auf 880 Quadratmetern verwirklicht wurde. Je nach Sonnenlicht dürfte sie rund 70 bis 80 Prozent des Eigenbedarfs abdecken.

Nun macht man sich bereits Gedanken über eine sanfte Sanierung des Altbaus. Das Plus an Platz ermöglicht es, alle Räume klarer einzuteilen. Wo einst die Basisstufe war, können nun Tagesschule, Musikräume, Bibliothek oder ein weiterer Mittagstisch entstehen. «Die genaue Nutzung ist aber noch offen.» Selbenorts ist auch der Internatsbereich des ZKSK angesiedelt, wo rund zehn Kinder dauerhaft oder teilzeitig wohnen.