Draussen in der Fischergasse erzählt Aaron Hitz von einem, der fünf Jahre das Haus nicht verlässt und sich nur noch von Pizza Prosciutto ernährt. Eine Geschichte, die von Peter Bichsel geschrieben sein könnte. Doch der Solothurner Poet sitzt drinnen im Kreuz. Bei einem «Haubeli Rote» berichtet er am Freitagabend mit Freunden über ganz andere Dinge. Und draussen tragen die Kreuz-Stammgäste Pesca Jamba schon den nächsten Hit von Tom Waits vor, der seine helle Freude daran gehabt hätte, wie der Leadsänger mit seiner rauen Stimme die von Whisky geprägte Atmosphäre der Waits-Lieder mit viel absurder Schauspielkunst interpretiert.

Dann singen Pesca Jamba zusammen mit den Gästen ein «Happy Birthday» für die älteste Genossenschaftsbeiz der Schweiz. Ein Cover von Prince kommt ins Spiel, und die nächste Generation der «Kreuzgänger», eine Handvoll Kinder, tobt begeistert herum.

Dann passiert es: Die erste der tanzenden Frauen zieht die Schuhe aus. Seit vierzig Jahren geht das nun schon so. Erst wenn barfuss getanzt wird, ist es ein richtiges Kreuzfest und alle wissen: jetzt geht die Party so richtig ab.

Das Programm ist unglaublich breit gefächert: Malwettbewerb für Kinder, Feuerzauber, Blues, Rock'n'Roll, Latin und vielem mehr. Am Samstag drehen zwei Spanferkel am Spiess, der Frauenchor bocc'aperta, der immer mittwochs im Kreuzsaal probt, singt ein Geburtstagsständchen und die Schüler der Tagesschule «lerns» glänzen mit einem Kreuz Rap.

Bei Becky Lee an the Drunkfoot warten alle auf die Band, die nie die Bühne am Aarequai betritt: Becky Lee spielt Schlagzeug und Guitarre und sie singt auch noch dazu und wird damit zu einem Höhepunkt des Festes, das bis Kreuzzaal bis in die Morgenstunden weitergeht.

Grandiose Kulisse

Das Fest breitet sich am Samstag über den ganzen Aarequai aus und die Bands dürfen vor dieser grandiosen Kulisse auftreten. «Eine Beiz ohne Chef», so heisst der Film über das Kreuz, und so stellt Roukia Gherbi gleich richtig: «Ich bin nur eine von vielen, die das Geburtstagsfest organisiert haben.»

Sie dankt den anderen Gastrobetrieben am Aarequai, die Unterstützung geleistet haben. «Wir harmonieren hier ausgezeichnet», sagt Roukia Gherbi. Und obwohl sehr viele Leute gekommen sind und es extrem Arbeit gebe, sei das für sie kein Stress: «Im Gegenteil, wir haben alle viel Spass zusammen.»

So sitzt die erste Generation der «Kreuzgänger», die mit den grauen Haaren, zufrieden an den Tischchen in der Fischergasse und geniesst die Nostalgie, wenn sie von ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der vergangenen 40 Jahre bedient wird.

Ja, die älteren Damen und Herren schauen dem munteren Treiben genüsslich zu. So ungefähr haben sie sich das wohl damals vorgestellt, 1973. Vom Baby bis zum Urgrossvater, Arm und Reich, ob Stadtprominenz oder Stadtoriginal, alle gelten hier gleich viel. Wenn andere Genossenschaftsbeizen schon längst den Verlockungen des Kapitalismus erlegen sind und sich zu Gastro-Konzernen entwickelt haben, ist das Kreuz das Kreuz geblieben. Viel Glück zum Geburtstag!