Solothurn

Erst wenige regionale Frühlingsgemüse finden auf den Märet

Wegen des herbstlichen Wetters stimmen auf dem Solothurner Markt Angebot und Nachfrage nicht überein. Noch immer ist das Wintergemüse omnipräsent. Frühlingsgemüse fehlt weitgehend.

Nass und kalt ist es einmal mehr an diesem Samstagmorgen im April. Zwischen Basel- und Bieltor, wo es in der Früh gewöhnlich wimmelt von Menschen, sind nur Unentwegte mit Körben und Taschen unterwegs. Die Mehrheit der üblichen Marktgängerinnen und -gänger hat sich wohl noch einmal unter die warme Decke verzogen. Es herrscht Herbststimmung - und das im Frühling. Nur dass auf dem Markt anstelle einer reichen Ernte zarte Setzlinge und die ersten Frühlingsgemüse angeboten werden. Erstaunlich, wie omnipräsent das Wintergemüse noch ist.

«Gibt es schon roten Basilikum?», fragt eine junge Frau Walter Jordi von der gleichnamigen Gärtnerei in Wiler. Der Pflanzenfachmann winkt ab: «Für Basilikum ist es noch viel zu kalt. Auch wenn der rote gegen Kälte etwas resistenter ist, verträgt er tiefe Temperaturen nicht.» Auf die winterharten Pflanzen, die der Berner in grosser Zahl anbietet und die auch noch etwas Frühlingsschnee überleben, werfen die Passanten kaum einen Blick. «Die Pflanzen wären da, aber die Käufer nicht», sagt Jordi lakonisch. «Das schlechte Wetter hält die Menschen davon ab, ihre Gärten auf die Neupflanzung vorzubereiten.»

Kaum Setzliche verkauft

Wie Walter Jordi ist auch Laura Bieri, Gärtnereibesitzerin aus Leuzigen, heute allein am Stand. «Mehr Personal braucht es nicht», ist sie bereits am frühen Morgen überzeugt: «Obschon die Leute am Verzweifeln sind, kaufen sie kaum Setzlinge.» Wie Jordi weiss auch sie, dass den Gartenbesitzern bisher nur wenig Zeit blieb, Gartenarbeit zu verrichten. «Kaum zeigt sich die Sonne, ist sie auch schon wieder weg.» Wie sehr sich die Menschen nach dem langen Winter nach Sommergemüse sehnen, erkennt sie an der Nachfrage nach Tomatensetzlingen. Aber da muss sie auch in normalen Jahren immer wieder dieselbe Antwort geben: «Tomaten pflanzt man wie Gurken und Zucchetti erst im Mai.»

Hanspeter Hohl aus Attiswil ist stolz. Er kann seinen Kunden heute den ersten Kopfsalat anbieten. Auch Mischsalat und Radiesli sind an seinem Stand reichlich vorhanden. Die Kunden greifen zu und freuen sich über das vielfältige Angebot. Doch was gibt es im Frühling Besseres als einen Salatteller mit neuen Kartoffeln. Doch spätestens hier muss der Gemüsebauer die Kunden auf später vertrösten: «Wir sind in diesem Jahr drei Wochen im Rückstand.» Überhaupt: Die Probleme sind vorprogrammiert. «In der Regel setzen wir unser Gemüse gestaffelt, um den Nachschub zu gewährleisten. Weil das Wachstum des vor zwei Wochen Gepflanzten durch das schlechte Wetter wieder gestoppt wurde, werden die erste und die zweite Pflanzung wohl gleichzeitig erntebereit sein.» Dass so etwas passiere, sei nicht ungewöhnlich, aber dass die Wetterkapriolen kein Ende nehmen, das haben Hanspeter und Regula Hohl noch nie erlebt.

Rhabarber als Highlight

Erfolgserlebnisse gibt es auch bei Beatrix Wyss, die den Buechihof in Leuzigen vertritt. Als wahres Highlight entpuppt sich an ihrem Stand der erste Rhabarber. «Endlich Rhabarber», freut sich eine Kundin, die genug davon hat, immer nur Apfelkuchen zu essen. Ein Beispiel, was vor Wochenfrist passiert ist, als die Natur in den paar sonnigen und warmen Stunden förmlich explodierte, beweist der aufgestängelte Blumenkohl, der zwar als Zweitklassware verkauft werden muss, qualitativ aber in Ordnung ist.

Gelassen geht Roland Marti von der gleichnamigen Gärtnerei in Aetingen das derzeitige Problem an, obwohl auch er sich nicht an «so extreme Verhältnisse» erinnern kann und Einbussen erleiden wird: «Auch im Leben gibt es sieben gute und sieben schlechte Jahre», lächelt er und steckt bald blühende Blütenzweige zwischen farbige Tulpen. «Die Natur zwingt uns zur Geduld», sagt der Philosoph unter den Gärtnern.

Meistgesehen

Artboard 1