Wetter
Erst wars pflotschnass, dann furztrocken – die Wetterbilanz 2016

Im ersten Halbjahr gabs viel Regen, im zweiten war nicht nur der Schnee Mangelware. Wir haben uns mit dem Wetter 2016 auseinandergesetzt.

Wolfgang Wagmann
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Vor allem im Frühling und Frühsommer war der Regenschirm ein treuer Begleiter bei fast jedem Fussmarsch in Solothurn.

Vor allem im Frühling und Frühsommer war der Regenschirm ein treuer Begleiter bei fast jedem Fussmarsch in Solothurn.

Andreas Kaufmann

Das Jahr 2016 war auch in der Region Solothurn ein ziemlich nasses und eher warmes. Es gab aber auch Extreme, die diesem Gesamttrend nicht entsprachen. So der furztrockene Dezember oder die kühlen Frühlingsmonate März und April. Die Jahresregenmenge von 1591 Millimetern oder Litern pro Quadratmeter ist die höchste seit zehn Jahren, die im Wallierhof Riedholz gemessen wurde. 2007 waren es allerdings 1730 Liter gewesen.

Mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 10,8 Grad liegt auch Solothurn um ein halbes Grad über dem langjährigen Mittel, rekordwarm war es aber keineswegs. So zählte man seit der Jahrtausendwende etliche noch wärmere Jahre mit Spitzen klar über 11 Grad. Geprägt war das abgelaufene Jahr von einem schneearmen, viel zu milden Winter, einem kühlen und feuchten Frühling sowie Frühsommer, einigen Wochen Hitze und einem warmen Herbst, der einem bisher fast schneelosen Winter Platz machte.

Kaum ein Winter

Erst am 13. Januar kam der Winter 2016 in die Gänge und brachte es in der Folge auf immerhin 13 Schnee- und drei Eistage. Doch holte der sonst unberechenbare Februar in Sachen Schnee- und Kälte keineswegs auf, so folgte auf eine frühe, stürmisch-verregnete Fasnacht zwar noch ein Winter-Intermezzo, doch mehr Schnee setzte es dann in den ersten Märztagen ab.

Weit über der Norm lagen in den beiden Wintermonaten die Niederschläge: Die 445 Liter pro Quadratmeter – meist Regen – im Januar und Februar sorgten für mehr als einen Viertel der Gesamtjahresmenge von 1591 Litern oder Millimetern.

Pflotschnasser Frühling

Kühl, aber zu trocken blieb lediglich der März, während dann der April und besonders der Mai mit vollen Giesskannen aufwarteten. Durch die häufigen Schlechtwetterfronten konnte kaum je Frühlingsstimmung aufkommen und regelmässig zeigte sich für kurze Zeit auf der Jurakette nochmals der Winter – so beispielsweise am 1. Mai.

Auch die Ostertage blieben eher kühl, grau und feucht. Die hässlichste Periode war das «Doppelpack» vom 12. und 13. Mai, als innert 48 Stunden fast 100 Liter Regen pro Quadratmeter auf Solothurn niederprasselten. Als dann der Juni ebenfalls zu kühl und sehr nass ausfiel, herrschte vor allem in der Landwirtschaft Alarmstufe Dunkelrot.

Denn von Anfang April bis Ende Juni waren nach dem feuchten Winter weitere 600 Liter Regen dazugekommen – im ersten Halbjahr insgesamt 1117, im zweiten dann lediglich noch 474 Liter wurden so registriert.

Trendwende im Juli

Als es kaum mehr jemand zu glauben wagte, setzte der Sommer doch noch zu einem fulminanten Zwischenspurt an. Der Juli war zwar nochmals durch gewittrige Starkregenfälle am 11./12. recht feucht, aber mit einem Monatsmittel von gut 21 Grad auch sehr warm. Der trockene August – auch er im Mittel über der 20-Grad-Marke – stimmte dann definitiv versöhnlich und leitete zu einem sehr sonnigen, fast sommerlichen September über, der bis in die HESO hinein Abend für Abend noch das Verweilen draussen erlaubte.

Keine grossen Stricke mehr zerriss dann der Oktober, und im November wurde Solothurn nochmals richtig gut angefeuchtet. Ende der ersten Novemberwoche schneite es sogar bis in die Stadt hinunter und mehr als 30 cm Neuschnee auf dem Weissenstein verhiessen schon Schlittelfreuden pur. Doch bereits Ende November war der Göiferlätsch wieder grün und ist es dann bis diese Woche auch ständig geblieben.

Dezember: Der wohl trockenste Monat aller Zeiten

Der Dezember 2016 geht als der wohl trockenste Monat aller Zeiten in die Wetter-Annalen ein. Nur an einem Tag, ausgerechnet am Weihnachtstag, dem 25. Dezember, wurde nennenswerter Niederschlag registriert – der eine Millimeter wars dann schon fast gewesen.

Zwei Tage später fielen nochmals paar Regentropfen, sodass der Wallierhof Riedholz gerade noch eine «Regenmenge» von 1,6 Millimetern pro Quadratmeter ausweisen konnte. Zum Vergleich: Im Schnitt der letzten sechs Jahre kamen jeden Dezember 149 Millimeter oder Liter zusammen.

Mit einem Monatsmittel von 0,8 Grad war dieser Dezember zumindest in Solothurn eher ein kühler Geselle. Mit der ständigen Hochdrucklage und einer Hochnebelgrenze von meist unter 1000 Metern lagen die Temperaturen auf den meist besonnten Jurahöhen wesentlich höher.

Solothurn kam nur gerade vier Tage lang in den Genuss von uneingeschränktem Sonnenschein, sonst lag fast immer bleiernes Grau, einmal dichter, dann wieder weniger über dem Aaretal. Damit setzte es unter der Nebeldecke auch sechs Eistage ab. Noch am wärmsten war es schon fast traditionell über die Weihnachtstage, die angesichts weitgehend fehlender Niederschläge wie gewohnt grün blieben.

Nach ersten Wintergrüssen diese Woche mit sehr kalten Nächten liegt die Schweiz nächste Woche nochmals am Ostrand eines markanten Hochdruckgebiets. Einige Flocken liegen in den nächsten Tagen immer drin, vielleicht aber auch Regentropfen.

Es gibt aber erste Trends, die den «richtigen» Winter mit allem, was dazugehört, nach der Monatsmitte voraussagen. (ww)