Der Hof, vom Warenhaus Manor auf drei Seiten umschlossen, hatte dieses schon immer interessiert. Zwingt es doch Manor in eine U-Form rund um den Hof und die Liegenschaften Gurzelngasse 16 und 14. Als letztere mitsamt Hof durch die Eigentümerin, das Seraphische Liebeswerks Solothurn, vor zwei Jahren zum Verkauf stand, kam jedoch nicht das Warenhaus zum Zug, sondern Christoph Lengwiler mit seiner Gurzelngasse 14 AG.

Er war schon Besitzer der Gurzelngasse 16, wo er sein Optik-Spezialgeschäft Luxor GmbH betreibt. Nun, seit Mitte März steht fest, dass in der ehemaligen Papeterie Schüpbach neben Lengwiler die Confiserie Hofer und der Neugear Apple Shop einziehen. Oben gibts Wohnungen, die schon im Bau sind, doch für den Hinterhof heckten Lengwilers AG und Manor als neu gewonnener Mieter eine spezielle Lösung aus.

Zwei Geschosse für Manor

Natürlich sei das Ausbauvorhaben für Manor auch ein Bekenntnis zum Standort Solothurn, so Direktor Jürg Bächli, der jedoch für alle Fragen an die Medienstelle in Basel verweist. «Fest steht, dass mit dem Ausbau des Innenhofes die Verkaufsfläche im ersten Untergeschoss und Erdgeschoss um rund 400 Quadratmeter erweitert wird», teilt diese auf Anfrage mit. Und ergänzt: Mit dem Rückbau des Hofs werde noch diese Woche begonnen.

Dem Baugesuch war zu entnehmen, dass der bestehende Hofboden nach dem Umbau auf ungefähr das vorherige Niveau zu liegen kommt, und danach den Mietern des neuen Wohnraums in der Gurzelngasse 14 weiterhin als Terrasse dienen kann.

Der Vorteil des Hofumbaus für Manor: Der darunter liegende neue Raum im Parterre und Untergeschoss, der jetzigen Haushalt-Abteilung, verringert den «Umgehungsschlauch» um die beiden Fremdliegenschaften Gurzelngasse 14 und 16 massiv. Auch wird dieser nach dem Umbau auf jedem Geschoss neu als kompakte, offene Geschäftsfläche mit Stützen statt der bisherigen Wände um den Hof wahrgenommen.

Hoffnung auf Töpferofen

Bei der Kantonsarchäologie hat man die Pläne zur Hofüberbauung mit grossem Interesse zur Kenntnis genommen und will nach Abschluss des Rückbaus – der Entfernung der jetzigen Hofüberdachung oder Terrasse bis Mitte August – mit einer Grabung beginnen. Für Projektleiterin Andrea Nold deshalb spannend, weil bei den Bauarbeiten zum heutigen Warenhaus (damals Nordmann) in den fünfziger und sechziger Jahren bis auf wenige Fotos nichts dokumentiert worden ist, was allenfalls für die Stadtgeschichte wichtig hätte sein können.

«Ich möchte gar nicht wissen, wie viel dort kaputtgegangen ist», meint Nold lakonisch, «umso mehr sind wir froh, dass wir wenigstens jetzt die Hoffläche untersuchen können.»

Immerhin ist aktenkundig, dass damals beim Nordmann-Umbau Reste einer römischen Töpferei, und weiter westlich beim Umbau der Merkur AG 1990 die beiden einzigen bisher bekannten römischen Töpferofen ausgegraben wurden. «Auch Reste aus dem Mittelalter sind zu erwarten», so Nold, nachdem bereits drei Probebohrungen vorgenommen worden sind.

350000 Franken für die Grabung zugesprochen

«Wir müssen nicht sehr tief graben – auf der Höhe des gewachsenen Terrains vielleicht noch einen halben bis einen Meter tief», so die Mitarbeiterin der Kantonsarchäologie. Diese erhielt für die Grabung 350000 Franken zugesprochen und geht von einer Grabungsdauer bis ungefähr im November aus.

«Wenn drei Töpferöfen zum Vorschein kommen sollten, hätten wir allerdings Stress», verweist Andrea Nold auf bisherige Erfahrungswerte, wie viele Personen wie viele Kubikmeter Grabungsmaterial in welcher Zeit bewältigen können.