Solothurn
Erinnerungen in Tanz umsetzen: Laien erarbeiten berührendes Stück

Zehn Laien-Tänzer aus der Region Solothurn haben unter der Leitung von Sabine Pfluger das Stück «Er.innern» auf die Beine gestellt. Im Community-Dance-Projekt werden Erinnerungen tänzerisch umgesetzt.

Letizia Krummenacher
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Tanzprojekt Community Dancing
«Die Körpersprache der Laien-Tänzer ist sehr authentisch», sagt Pfluger.

Hanspeter Bärtschi

Zehn tanzbegeisterte Menschen zwischen 18 und 57 Jahren fragten sich: Was sind die wichtigsten Ereignisse meines Lebens? Danach hat jeder eine seiner Erinnerungen ausgewählt und versucht, sie in Körperbewegungen umzusetzen. Mal entstanden dabei kurze und flüchtige, aber prägende Bewegungen. Ein andermal waren sie langsam, belastend und begleitend – genau wie eine Erinnerung, die sich ins Gedächtnis eingebrannt hat.

Sabine Pfluger leitet das Tanzprojekt.

Sabine Pfluger leitet das Tanzprojekt.

Hanspeter Bärtschi

Aus den einzelnen Erinnerungen und Bewegungen der zehn Laien-Tänzer ist das Stück «Er.innern» entstanden. Während der letzten drei Monate suchte die Tanzgruppe unter der Leitung von Sabine Pfluger nach tänzerischen Umsetzungen des Erinnerns. Dabei umkreisten sie die Fragen: Warum erinnern wir uns an gewisse Dinge und an andere nicht? Welche Spuren hinterlassen Erinnerungen in unserem Körper?

Erstes Community-Dance-Projekt

Pfluger ist diplomierte Community-Tanzpädagogin. Ihre Tanzausbildung absolvierte sie in Berlin und London, von wo sie seit letztem Sommer wieder zurück nach Solothurn gekommen ist. Denn Pfluger ist in der Solothurner Vorstadt aufgewachsen und hat hier ihre Erstausbildung zur Primarlehrerin abgeschlossen. Das Tanzstück «Er.innern» ist nun das erste Community-Dance-Projekt, das sie in der Region Solothurn realisiert hat.

Der Community Dance entstand in den 1970er-Jahren in England mit dem Leitgedanken, dass jeder Mensch tanzen kann. Es geht darum, dass ausnahmslos alle mitmachen können, auch Menschen mit einer Behinderung. Durch diese Herangehensweise kann sich jeder mit seinen individuellen Möglichkeiten tänzerisch ausdrücken und sich gleichzeitig in die Gruppe einbringen.

Viele Community-Dance-Projekte werden heute mit nichtprofessionellen Tänzern, dafür unter professioneller Leitung erarbeitet. So ist auch das generationenübergreifende Kurzstück «Er.innern» von Pfluger entstanden. Auf ihren Aufruf meldeten sich zehn Frauen und Männer dreier Generationen aus der Region Solothurn, die gerne tanzen, aber nie eine Tanzausbildung absolviert haben.

Pfluger interessiert sich vor allem für die tänzerische Arbeit mit Amateuren, da ihre Körpersprache sehr authentisch und lebendig ist. Sie sagt: «Es geht nicht darum, eine technisch perfekte Leistung zu erbringen oder eine möglichst spektakuläre Show zu zeigen. Es geht darum, mit seinem Körper verschiedene Möglichkeiten der Bewegung zu erforschen und sich im Tanz kreativ auszudrücken.»

Dazu komme der künstlerische Anspruch als Choreografin, gewisse Strukturen vorzugeben, um aus den einzelnen Teilen ein stimmiges Tanzstück zu machen. An der Hauptprobe in Kriegstetten zeigten Pfluger und ihre Tanzgruppe zum ersten Mal, was für ein gelungenes und berührendes Stück sie zusammen erarbeitet haben. Ton und Musik dazu komponierte und arrangierte die Solothurner Singer-Songwriterin Claudia Stephani.

Aufführungen: Sa, 30., und So, 31. Mai, am Community Arts Festival, Dampfzentrale in Bern. Mehr Infos dazu www.beweggrund.org