Solothurn

Er will die Sonne noch untergehen sehen

Mike Steiner, Weststädter aus Überzeugung, wehrt sich mit andern Anwohnern gegen die neu geplante Überbauung. ww

Mike Steiner, Weststädter aus Überzeugung, wehrt sich mit andern Anwohnern gegen die neu geplante Überbauung. ww

Mike Steiner hatte eine Eigentumswohnung mit Aussicht in der Weststadt erworben. Und einen Schock erlebt, als die Überbauung Wildbach im Westen plötzlich doppelt so hoch wie geplant werden sollte. Dagegen kämpft er mit andern.

«Etwa dort geht sie im Winter unter.» Markus Bonmonti und Mike Steiner, auf dessen grossen Terrasse wir stehen, habens vom Sonnenuntergang. Den sie gerade erlebt haben, aber nicht wissen, wie lange noch. Denn vor dem Jurabogen unter dem rosaroten Himmel künden hohe Baugespanne von einer Zonenänderung, die es in sich hat. «Wir wollen nicht in eine 17 Meter hohe Wand ohne Fenster sehen», sind sich die beiden einig.

Deshalb haben sie in den letzten 14 Monaten «geweibelt» gegen die neu aufgegleiste Überbauung Wohnpark Wildbach (vgl. Kasten). 106 Unterschriften kamen gegen das Vorhaben zusammen, zehn Parteien erhoben Einsprache. «Was da entstehen soll, passt nicht zu einer Weststadt, die eine bessere Bevölkerungsstruktur erhalten soll. Damit gibts hier nur ein Getto», betonen beide Besitzer von Eigentumswohnungen an der Buchenstrasse immer wieder. Und Mike Steiner fügt hinzu: «Ich bin gerne Weststädter. Ich lebe seit 40 Jahren hier und wollte immer hier wohnen.» 

Die wichtigsten Argumente

Doch jetzt ist ihm die Lust an Wohnung mit Aussicht ziemlich vergangen. «Wir mussten einen riesigen zeitlichen und finanziellen Aufwand auf uns nehmen, um unsere Rechte zu wahren», blickt er auf die letzten Monate zurück. Quer durch alle Einsprachen ziehen sich die wichtigsten Argumente gegen die neue Grossüberbauung wie ein roter Faden: Ein solches Vorhaben könne nur mit der Ortsplanungsrevision und nicht «zwischendurch» geplant werden, die neuen 400 Parkplätze, nur durch die Stichstrasse Platanenallee erschlossen und mit Tempo 30 belegt, führten zu erheblich mehr Lärm, ja das Verkehrsaufkommen könne so gar nicht bewältigt werden. 

Der Schattenwurf ist ein grosses Thema und damit die absolute Bauhöhe, aber auch die Lärmbelastung, die der entlang der SBB-Bahnlinie geplante Riegelbau in Richtung ihrer Wohnungen absorbiere, kritisieren die Einsprecher. «Wir waren beim Kauf unserer Wohnungen nebenan von einer zweigeschossigen Überbauung mit Attika ausgegangen. Das war für uns okay. Aber nicht so was», zeigt Steiner resigniert wirkend auf die Baugespanne (vgl. Kasten unten).

Auch halte die Infrastruktur der Weststadt mit der monströsen Überbauung nicht Schritt, bezweifeln sie, ob danach der nötige Schulraum künftig verfügbar wäre. Eine Frage, die auch im schriftlichen Mitwirkungsverfahren letztes Jahr aufgeworfen wurde und ebenfalls eine der auffallend dürren Antworten des Stadtbauamtes generierte: «Im Schulhaus Brühl sind noch Kapazitäten vorhanden.»

Keine Lust auf Grederhöfe

Nach dem neuen Raumplanungsgesetz werden Nutzungspläne überprüft und allenfalls angepasst, wenn sich die Verhältnisse «erheblich verändert haben». Eine solche Veränderung und damit Rechtfertigung der Neuplanung des Wohnparks Wildbach sah auch der Grossteil des Gemeinderates in der Eröffnung der neuen SBB-Haltestelle Bellach südlich der Grederhöfe. «Die wird ja kaum benutzt», glauben die beiden Einsprecher nicht an eine grosse Wirkung des öV-Angebots in der Nähe. «Es fahren dann doch alle mit dem Auto herum.» Ohnehin sei die Verdichtung der Weststadt in diesem Ausmass und die Anbindung an die Grederhöfe für sie kein Thema. «Wir wollen uns gar nicht mit den Grederhöfen verbinden», betont Mike Steiner. Generell findet er wie Markus Bonmonti, die Verdichtung der Stadt solle nicht von aussen nach innen, sondern umgekehrt erfolgen.

Derzeit liegen die Einsprachen beim Rechtsdienst der Stadt. Dessen Leiter, Gaston Barth, kann sich dazu nicht äussern. «Wir werden die Einsprachen jedoch raschestmöglich prüfen und dem Gemeinderat vorlegen.»

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