Zur Party einladen ist nicht schwer, die Party schmeissen jedoch sehr. Und was dank Facebook einfacher geworden ist, kann bei der Ausführung umso mehr zur Bürde werden. Vor einer solchen Herausforderung steht auch der bald 21-jährige Joël Oester, der zur Party in Solothurn aufgerufen hatte und per Stichtag gestern 3285 Facebook-Zusagen verzeichnen durfte. Ein mustergültiges Beispiel des sogenannten viralen Marketings, das in epidemischer Weise seinen Zuspruch findet. Ob der Event auf dem Dornacherplatz eine Nummer zu gross ist für den initiativen Jung-DJ, der das Ganze im Alleingang und ohne Organisationskomitee in acht Tagen am 25. August lancieren will?

Was Facebook mobilisieren kann

Oester gibt im Rückblick selbst zu, dass ihn die Entwicklung erstaunt hat. «Begonnen hat alles damit, dass ich meine Geburtstagsparty auf etwas mysteriöse Weise auf Facebook ankündigen wollte.» Konkret: Ort, Zeit, Motto, Urheber noch unbekannt. Auf einen ersten Zulauf und anfängliche Reaktionen hin hat er den Charakter des Anlasses verändert. Zeitweise sah sein Plan angesichts der Facebook-Zusagen vor, insgesamt drei Partys steigen zu lassen, was Oester dann wieder verwarf. Auch entschloss er sich, dem Event, der in diesen Dimensionen nicht mehr seine Geburtstagsfeier sein würde, eine symbolische Note zu geben. Unter dem Titel «Sprengt die Ketten» warb er weiter für die Veranstaltung (wir berichteten).

Dass er mit diesem Titel die Behörden, insbesondere die Kantonspolizei nervös machte, stand indes nicht in seiner Absicht. Auch nicht, dass er damit Erinnerungen an die Krawalle vom 11. und 12. November wachrief. «Im Gegenteil. Mit der Party soll ein positives Zeichen von der Solothurner Jugend ausgehen», bekräftigt der Pioniergeist Oester. Sie soll von den Behörden bewilligt sein und laut Facebook-Beschrieb zeigen, «dass es den Partygängern Solothurns möglich ist, mit Vorschriften umzugehen und diese auch einzuhalten.» Das politische Dauerbrenner-Thema um die Öffnungszeiten stehe dabei aber nicht im Vordergrund.

Tanz auf Zehenspitzen

Was die Party nun einzigartig für Solothurn macht, ist nicht die grosse Ziffer der «Nehme teil» unter Facebook. Vielmehr zeigt das neue Motto, dass der Anlass weitgehend geräuschfrei über die Bühne gehen soll. Mit «Silent Party» hat Oester einen Kooperationspartner gefunden, der regelmässig Partys unter freiem Himmel begleitet und die Tanzfreudigen mit Kopfhörern ausstattet. Somit kommt die Musik nicht aus Lautsprecher-Boxen, sondern dringt unvermittelt via Funk ins Ohr. Geht es nach den Hoffnungen von Joël Oester, sollte damit auch die Dauer von «Silent Solothurn» – 18 bis 2 Uhr – problemlos bewilligt werden.

Viel Fragen sind noch offen

Nur: Bei Oesters kurzfristig angesetzten Präsentation der «Silent Party» am vergangenen Dienstag stand den Behördenvertretern von der Stadtpolizei, Kantonspolizei und Gemeindeverwaltung der Zweifel im Gesicht geschrieben.

Auch wenn sich Oester bereits mehrfach auch als Veranstalter bewährt hat, gibt er selbst zu, dass dies wohl sein grösstes Projekt überhaupt (geworden) sei. Die Zeit läuft, viele Fragen waren am Dienstag noch offen, da noch kein Konzept vorlag. Littering, Sicherheitsaspekte, Fluchtwege, Elektrizität, Umzäunung, Velostation, alles Fragen, um die sich Oester zurzeit kümmern muss – im Alleingang wohlgemerkt. Das Konzept will er noch heute Freitag nachliefern. Und das aus gutem Grund. Denn die beiden wichtigsten Stempel fehlen ihm noch: jenen der kantonalen Gewerbepolizei und jenen der Stadt als Besitzerin des Platzes.

Wie viel zählt die Facebook-Zusage?

Die weitere grosse Unbekannte bleibt die erwartbare Teilnehmerzahl. 800 Kopfhörer seitens «Silent Party» stehen bereit, auf zwei Kanälen: entweder Elektro oder Urban, je nach Gusto und serviert von mehreren regionalen sowie einem nationalen DJ. Dass die Kopfhörer voraussichtlich nicht ausreichen, um den Partysound allen Teilnehmern einzuspeisen, weiss Oester. Er nimmt aber auch an, dass ein Teil sich derweil an einer der beiden Bars erfrischen wird, während der andere Teil tanzt.

Dass 3000 effektive Besucher aber auch die Möglichkeiten des Dornacherplatzes sprengen würden, wurde an der Besprechung am Dienstag ebenfalls augenscheinlich. Werden es mehr oder weniger sein? Oester erinnert sich: «Bei einer meiner Geburtstagspartys habe ich 200 Leute eingeladen, schliesslich standen 700 vor der Tür des Lokals.» Dass man bei der Schätzung für «Silent Solothurn» die Zahl mit dem Faktor 3,5 multiplizieren muss, glaubt Joël Oester aber nicht. Er rechnet eher mit rund 1200 Besuchern.

Ausweichfest in Grenchen?

Nicht zuletzt stellt er auch fest, dass sich die Zahl der Facebook-Zusagen eingependelt hat, ja sogar leicht rückläufig ist. «Und falls die Veranstaltung überrannt wird, stehen wir mit dem OK des Grenchner Badifests, das gleichzeitig stattfindet, in Kontakt», sagt Oester. Er ist überzeugt, mit entsprechender Plakat- und Flyerwerbung einen allfälligen «Überschuss» an Partygängern dorthin umleiten zu können.