Solothurn
Er stellt die Antiquitäten der Zukunft her

Der Solothurner Robert Habegger ist einer der letzten Schreiner in der Region, der neue Möbel von Grund auf selber entwirft und herstellt.

Letizia Krummenacher
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Möbelschreiner Robert Habegger in seiner Werkstatt nahe des Solothurner Hauptbahnhofs.

Möbelschreiner Robert Habegger in seiner Werkstatt nahe des Solothurner Hauptbahnhofs.

Hanspeter Bärtschi

Der duftende Geruch von frisch gesägtem Holz durchströmt die sonnendurchflutete Werkstatt von Robert Habegger. In seinem Einmannbetrieb arbeitet er als Schreiner und diplomierter Innenarchitekt in der Nähe des Solothurner Hauptbahnhofs. «Für mich wäre es unbefriedigend, nur im Büro zu sitzen und anderen zuzusehen, wie sie meine entworfenen Möbel herstellen», sagt Habegger. Von den ersten Ideen über Skizzen bis zum fertigen Möbelstück führt er alle Schritte selber aus. Das haucht den Möbeln Leben ein. Sie wirken charaktervoll.

Solch einen Stuhl, solch einen Tisch, solch ein Regal hat nicht jeder zu Hause. Aber wer eines hat, der wird sich lange daran erfreuen. Habegger entwirft und fabriziert auch Schränke, Pulte, Betten und sogar ganze Küchen mit höchsten Qualitätsansprüchen. Ein gutes Möbel halte ein Leben lang, sagt er, oder noch länger. Einmal habe ein Kunde angerufen und sich nach dem Preis eines neuen Massivholztischs erkundigt. Natürlich kostete er aus der Werkstatt von Habegger mehr als einer aus der Massenproduktion. Allerdings sei sein Tisch immer noch günstiger als einer aus der Designer-Kollektion einer bekannten Marke, wie Habegger betont. Jedenfalls erwiderte der Kunde, für diesen Preis könne er sich auch einen antiken Tisch kaufen.

In der Möbelwerkstatt von Robert Habegger.

In der Möbelwerkstatt von Robert Habegger.

Hanspeter Bärtschi

«Ich verstehe nicht: Wieso darf etwas nur teuer sein, wenn es alt ist? Wenn es doch neu schon von hoher Qualität ist», sagt Habegger und fügt schmunzelnd hinzu: «Wer meint, dass nur alte Möbel teuer sein dürfen, sollte bedenken: Bei mir kauft er die Antiquitäten von morgen.»

Solche Diskussionen über den Preis seien aber keine Seltenheit, beklagt Habegger. Das Konsumverhalten hat sich über die letzten Jahrzehnte stark verändert. Möbel kauft man heute, ähnlich wie Kleider, nicht mehr für die Ewigkeit. Man zieht um, verändert sein Leben und braucht neue Möbel. Aus diesem Grund sind viele auch nicht mehr bereit, den Preis für ein langlebendes Möbel zu bezahlen.

«Viele wissen, was etwas kostet, aber den Wert kennen sie nicht mehr», beschreibt Habegger seine Erfahrung mit der Konsumgesellschaft. Ein anderer Gedanke, der ihn beschäftigt: «Heute reden alle von Nachhaltigkeit und wollen Ressourcen sparen. Wieso zu Hause in den eigenen vier Wänden nicht?» Denn, was sei nachhaltiger als ein Möbel, das aus einheimischem Holz hergestellt ist und ein Leben lang hält? Ausserdem wird jedes Möbelstück genau auf die Wünsche und Bedürfnisse des Kunden angepasst. So ist jedes Möbel ein Unikat und auf seine Weise aussergewöhnlich.

Habegger veranstaltet jedes Jahr einen Frühlingsapéro in seiner Werkstatt. An dem Tag kann sich jeder bei einem guten Glas Wein und einem Stück Käse ein Bild davon machen, was in der Holzwerkstatt alles entsteht. Für interessierte Kunden hat Habegger aber auch für den Rest des Jahres eine kleine Ausstellung in seiner Werkstatt eingerichtet.