In seiner eigenen Jugend beschritt er die Brücken zum Film, jetzt baut er für das Leinwandpublikum von morgen selbst welche. Heinz Urben hat seit jugendlichem Alter immer wieder gerne in Kinosesseln Platz genommen. Dass er dies als Geschäftsleitungsmitglied der Schweizer Gesellschaft Solothurner Filmtage gerade jetzt weniger tut, hat mit einer weiteren Funktion zu tun, die der 55-jährige Stadtsolothurner bekleidet: «Die meisten Filme habe ich schon gesehen, da wir sie natürlich für die Programmierung vorvisionieren müssen.» Denn Urben ist auch in der Auswahlkommission der Filmtage. Im Vorfeld der Filmtage kümmert er sich zudem redaktionell um den umfangreichen Filmkatalog. Während der Filmtage schaut er dann unter anderem als Saalverantwortlicher des Kino Palace zum Rechten.

Inspirierte Jahrzehnte

Dass das jugendliche Feuer bis heute weiterloderte und auch in Form von Engagement ins Festival fliesst, verdankt er zum Teil dem früheren Filmtage-Direktor, dem 2003 verstorbenen Mitgründer Stephan Portmann. Der am Lehrerseminar tätige Professor für Massenmedien hat mit seiner innovativen Ausrichtung und auch kritischen Art die Schweizer Filmlandschaft mitgeprägt.

Auch Urben, der seit 1980 in der Geschäftsleitung mitwirkt, wurde von Portmann inspiriert: «Denkwürdig waren seine Filmtage-Eröffnungsreden. Dabei reflektierte er das gegenwärtige Filmschaffen und teile auch mal ‹Schimpfis› aus. Portmann verlieh dem Anlass einen roten Faden.» Urben erinnert sich an jene Zeit, als die Filmtage die kritische Gegenposition zum gutbürgerlichen Ideal einnahmen. «Da wurden allzu kommerzielle Filme und Filmemacher ausgebuht, so zum Beispiel ein Xavier Koller.» Schliesslich habe sich der Berufsstand des Filmemachers immer mehr professionalisiert. Filme wurden teurer, der kommerzielle Druck wuchs und die Möglichkeiten, dagegenzuhalten, wurden rarer.

Urben hatte selbst lange Zeit Filme produziert, unter anderem mit Ivo Kummer und Christian Frei, dann aber letztendlich einen anderen Weg eingeschlagen. Er wurde vom Macher zum Vermittler. «Ich stellte mir die Frage: ‹Gibst du dem Film eine Plattform? Oder bleibst du selbst Autor?›»

Kinokultur in der Schule

Studiert hat Urben Germanistik, Philosophie und Publizistik, entsprechend spezialisierte er sich bis heute auf die Themen Bildung und Information. Nun spielt die Leinwand auch ausserhalb der Filmtage eine grosse Rolle. So legt er sein berufliches Augenmerk unter anderem auf Filmpädagogik, wie er es unter dem Stichwort «Kinokultur in der Schule» zusammenfasst: «Der Konsum heutiger Jugendlicher ist aufs Audiovisuelle angelegt. Und doch fristet die Filmbildung ein Schattendasein.» Diesem Manko will Urben mit didaktischen Unterrichtsmaterialien aus seiner Firma Achaos Abhilfe schaffen: «Natürlich hat jeder mal ein Sensorium fürs Filmeschauen entwickelt», aber eine Schulung, wie man Filme analysiere, gebe es kaum: «Wie ist ein Film aufgebaut? Welcher Formsprache bedient er sich? Dies sind Fragen, die in keinem Lehrplan behandelt werden.»

Für die Filmtage hat Heinz Urben zusammen mit Ruth Köppl und Anna Urben Kurzdossiers mit Unterrichtsmaterialien zu Filmen im Schulprogramm der Filmtage erstellt. Darin vorgesehen sind Diskussionen und Debatten, die Schulklassen zu einzelnen Filmen führen können: «Wir wollen zeigen, was es neben den 90 Prozent an Mainstream-Filmen sonst noch zu sehen gäbe und was – entgegen allen Vorurteilen – weder schwierig noch schwerfällig noch unverständlich sein muss.»