Solothurn

Er schaut, dass kein Sand ins Filmtage-Getriebe gerät

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Wenn Ruedi Stuber auf seinem Elektrotöff durch die Stadt kurvt, ist er wieder für die Filmtage unterwegs.

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Ruedi Stuber ist seit 2017 Teil des Helferteams der Solothurner Filmtage. Als Logistiker gehört er zu jenen, die dafür sorgen, dass nirgends Sand ins Getriebe gelangt.

Wenn er auf dem Elektrotöff durch Solothurn flitzt, wird er kaum erkannt. Ein «Ah, Ruedi, Du bists» hört er erst, wenn er innehält und den Helm abnimmt. Nein, Ruedi Stuber kennt man auf der Bühne oder bis im vergangenen Jahr im Schulhaus Schützenmatt. Der Liedermacher und ehemalige Sekundarlehrer hat aber gut vorgesorgt, damit sich mit der Pensionierung nicht Langeweile in sein Leben schleicht. Seit 2017 gehört er zum Helferteam der Filmtage, nachdem seine Tochter Kathrin fand: «Das wird Dir gefallen …» Tut es auch, wie Stuber im Hinterraum zur Säulenhalle zwischen Programmheften, Plakaten und anderem Lagergut bestätigt. Kurz hat er Zeit für ein Gespräch, bevor sein nächster Auftrag ansteht: In der Reithalle benötigen die Platzanweiser Taschenlampen. Heisst: Auf den Sattel und ab ins Elektrogeschäft.

Champagner und Ehrengäste

Offiziell heisst seine Funktion «Logistiker», was aber der Vielfalt seiner Arbeit nicht gerecht wird. Ein Champagner muss zu jenem Anlass, diesem Ehrengast, der Geburtstag feiert, liefert er einen Blumenstrauss. Oder überreicht Grusskarten. Dann wieder soll eine Bolex-Filmkamera ins Künstlerhaus, Post muss verteilt werden, ebenso Plakate und Programmhefte. Oder dann werden Restaurants mit «Filmtage»-Zuckersäckchen bestückt.

Weiter verteilt Stuber Film-Flyer und die Solothurner Zeitung in die Spielstätten. Und: «Hier im Magazin für Ordnung schauen.» Auch musste Stuber im vergangenen Jahr der Direktorin direkt in die Maske an geheimem Ort die Gewinnerliste des «Prix du Public» überbringen.

Man muss sich warm anziehen

«Es sind lange Tage», sagt Stuber und rechnet 70 Stunden zusammen. 20 Kilometer dürften es sein, die der bald 65-Jährige täglich mit seinem Vehikel zurücklegt. Gerade 2017 hatte es die Kälte in sich, erinnert er sich. «Aber damit findet man sich ab, wie das auch jeder Pöstler tut. Man zieht sich halt entsprechend an.» Und die Erlebnisse sind eine Entlöhnung dafür. «Es ist genial, wie 250 Helfer zusammenwirken – über Generationen hinweg.» Stuber erinnert sich ans Helferfest 2017 im Kreuzsaal. «Zu viert sassen wir am Tisch, um bald festzustellen, dass alle von uns Töchter haben, die selbst bei den Filmtagen mithelfen», sagt Stuber.

Auch im Kofmehl aktiv

Die Arbeit über Generationen hinweg kennt Stuber aber auch sonst. So stellt er das Programm des Kleinkunsttages im Kofmehl zusammen, bedacht auf einen Stil- und Altersmix. Und: Alle drei seiner erwachsenen Kinder sind im Organisationskomitee des Street-Food-Festivals, während der Vater den Weinstand hütet. Doch damit endet die Liste seiner Engagements nicht. Unter dem Namen «Château Chansons» finden unter seiner Federführung Liedermacher-Konzerte statt. Weiter schreibt er für den Kulturblog Zmitz und die Dorfzeitung Riedholz.

170 Lieder geschrieben

Am unermüdlichsten wirkt er jedoch als Liedermacher. So hat er in den letzten 45 Jahren 170 Lieder geschrieben, davon 35 Übersetzungen. Rund 1000-mal stand er auf einer Bühne. Für seine Texte wurde er 2013 vom Kanton mit dem Literaturpreis geehrt. In seinem neusten Projekt fokussiert sich Ruedi Stuber auf den Waadtländer Musiker Michel Bühler. So hat er elf Lieder in die Mundart übersetzt und sie mit eigenen Kompositionen zu einem Programm zusammengefasst. Am 23. März wird Stuber zusammen mit Felix Epper (Literatur) und André Albrecht (Fotografie) dieses jüngste Schaffen im Schloss Waldegg präsentieren.

Noch aber klingen die Filmtage nach: «Ich bin fasziniert, wie viel Professionalität in der Organisation steckt», sagt Stuber, der auch als Lehrer gerne auf den Grund der Dinge ging. Mehr noch: Sich ehrlich für die Menschen interessiert. Doch das «Filmtage»-Uhrwerk mit seinen rund 250 Zahnrädern funktioniert nur, wenn kein Sand im Getriebe steckt. Stuber gehört zu denen, die genau dafür sorgen.

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