Siegenthaler gibt Amt ab
Er schaffte den Spagat über Ramada, Landhaus und Palais Besenval

Der «Ramada»-Direktor Daniel Siegenthaler übergibt sein Amt an Thorsten Brand. Während acht Jahren war er für die Solothurner Seminarmeile zuständig. Dabei galt es drei Häuser unter einen Hut zu bringen. Ein Rückblick auf einen anspruchsvollen Job.

Wolfgang Wagmann
Drucken
Teilen
Thorsten Brand (l.) wird Daniel Siegenthaler als Direktor von «Ramada» und damit der Seminarmeile nachfolgen.

Thorsten Brand (l.) wird Daniel Siegenthaler als Direktor von «Ramada» und damit der Seminarmeile nachfolgen.

Wolfgang Wagmann

Daniel Siegenthaler war ein Mann der ersten Stunde: «Im August 2006 fing ich in Solothurn an.» Schon 2007 wurde er zum Direktor befördert. Und damit zuständig für das Ende 2006 eröffnete Solothurner Vorzeigeprojekt: die «Seminarmeile».

Aus drei mach eins

Um die Jahrtausendwende reifte beim Kanton der Plan, das Palais Besenval im Baurecht an die CS Asset Management – damals mit Markus Graf an der Spitze – abzugeben und als Seminarzentrum umzubauen.

Dazu brauchte es ein neues Seminarhotel, das auf Land von Stadt und Kanton realisiert und im Dezember 2006 eröffnet wurde.

Als drittes Glied in der Kette kam das Landhaus dazu. Es blieb im Stadtbesitz, wurde jedoch umgebaut und seither von Ramada betrieben. Bekocht wird das Landhaus mit nur noch einer Aufbereitungsküche vom Palais Besenval aus. (ww)

«Ein solches Konstrukt zu übernehmen, ist etwas ganz anderes, als wenn ein Betrieb schon 20 Jahre lang am Markt gewesen ist.» Immer wieder musste sich die «Seminarmeile» neu erfinden, der betriebliche Spagat zwischen den drei Häusern war für Siegenthaler enorm.

Nach einem Jahr habe man den Wellness-Bereich im Hotel hinterfragt, aber schliesslich doch öffentlich weitergeführt. «Das Volumen entwickelte sich ständig weiter. Inzwischen erzielen wir jährlich 5 Mio. Franken Umsatz nur mit Essen und Getränken.» Das sei mehr, als der Messeturm in Basel generiere.

Sorgenkind «Besenval»

Das Hotel Ramada sei sehr gut ausgelastet, doch gibt es ein Problem: Die Küche, ursprünglich vor allem für das Frühstück ausgelegt, hat heute einen regelrechten Ansturm an Restaurantgästen zu bewältigen.

Und die zu kleine Dimensionierung musste mit Ausbauten beispielsweise in der Tiefgarage aufgefangen werden.

Dagegen sieht Daniel Siegenthaler weiterhin im Restaurationsbetrieb des «Palais Besenval» eine Problemzone.

Eigentlich sei er nur durch eine «Quersubventionierung» der anderen, gut laufenden Betriebszweige aufrecht zu erhalten. So laufe auch das Landhaus sehr gut, «wir haben dort jährlich 150 bis 170 Anlässe, deutlich mehr als vor der Seminarmeile.»

Gesamthaft gelte es, jährlich rund 400 Anlässe zu bewältigen, von der Hochzeit bis zum Seminar. «Das ist zwar schön, aber es gilt immer, alles unter einen Hut zu bringen.»

Wobei das «Palais Besenval» gerade jetzt in der Adventszeit sehr gut für Gruppenanlässe gebucht werde. «Darum haben wir das A-la-Carte-Restaurant geschlossen. Denn gerade am Freitag und Samstag, wenn diese Gäste kommen, sind vor Weihnachten Gruppen angemeldet.»

Das grundsätzliche Problem sei aber auch, dass sehr oft Einzelgäste zusammen mit ganzen Seminar-Gruppen essen müssten, was für den Direktor suboptimal ist. Ein Outsourcing des Besenval-Restaurants scheiterte zwischen 2010 und 2012 bekanntlich, weil der Pächter Konkurs ging.

Und so entschloss man sich, das vorherige Regime wieder aufzunehmen. Künftig allerdings soll die Führung entlastet werden: «Vorgesehen ist neu eine Stellvertretung des Direktors, der sich ausschliesslich um die Gastronomie der Seminarmeile kümmert.»

Partys sind in der «Testphase»

Inzwischen haben die seit dem Sommer aufgenommenen Partys im «Besenval» Staub aufgewirbelt. Stadtführerin Marie-Christine Egger beklagte in einem Leserbrief, das Palais verkomme durch den Party-Betrieb zu einer «Bruchbude».

Ein Augenschein letzte Woche, vorgenommen kurz vor einem Abendbankett, bestätigte diesen Eindruck zwar nicht. Siegenthaler räumt ein: «Vor allem die Böden haben in den neun Jahren gelitten. Doch nicht primär durch die Partys, sondern auch durch die vielen sonstigen Anlässe» – so gehe es auch an mancher Hochzeit im wahrsten Sinne des Wortes «hoch zu und her».

Im Übrigen seien die Partys für die Besenval-Betreiber – sie erhalten für die Benützung eine Umsatzbeteiligung – «noch in der Testphase», wie Siegenthaler versichert. Und gerade was die Reinigung nach den Anlässen anbelange, hätten die Party-Organisatoren durchaus noch «Luft nach oben.»

Zu einer Reklamation sei es aber erst einmal im Juni gekommen, als ein DJ im Garten zu laute Musik auflegte.

Es muss investiert werden

Daniel Siegenthaler verweist auch auf grössere getätigte Investitionen bei den Zimmern und Nasszellen im Hotel Ramada – «für uns ist klar, dass wir demnächst im «Palais Besenval» die Wände und Böden auffrischen müssen. Und auch die Fenster sollten unbedingt ausgewechselt werden.»

Was nicht mehr seine Aufgabe ist: Ab dem 1. Dezember wird der 47-jährige in der Bundeshauptstadt neu das Hotel Bern führen. «Aber wir werden weiterhin in Solothurn wohnen», hat der scheidende Direktor seinen langjährigen Arbeitsort ins Herz geschlossen.

Von Frankfurt nach Solothurn

Den Direktions-Posten und damit die Führung des gesamten Seminameile-Konstrukts wird in Solothurn der 46-jährige Hotelmanager Thorsten Brand übernehmen. Der Hotelfachmann war die letzten sieben Jahre Generalmanager des 2005 eröffneten Hotels Innside Frankfurt Niederrad und ist eben erst in Solothurn angekommen. «Noch wohne ich hier im Hotel», lacht der Neuankömmling. (ww)

Aktuelle Nachrichten