«Auf Ende Juni bin ich weg», sagt er. «Es wird Zeit, sich woanders umzusehen». Ausgerechnet jetzt, wo das Theater in neuem Glanz erstrahlt, will er gehen. Er begründet weiter: «Ich bin jetzt 41 Jahre alt und es ist an der Zeit, meinen ‹Rucksack› mit neuen Inhalten zu füllen. Den Theater-Umbau habe ich jedoch noch miterleben wollen.» Künftig würde er gerne als freischaffender Theaterpädagoge arbeiten oder gar ein eigenes Kinder- und Jugendtheater führen. Ausreichend Berufserfahrungen kann Andreas Schmidhauser aufweisen.

Vom Garten auf die Bühne

Wie wird man denn aber zum Theaterpädagogen? Eigentlich sei er ohne grosse vorherige Pläne zu seinem Beruf gekommen, sagt er und schildert seinen Werdegang. «Nach der Schule hatte ich genug vom Sitzen und Lernen und machte eine Lehre als Landschaftsgärtner in Basel. Doch schon vorher, während meiner Schulzeit, habe ich in Schultheatergruppen mitgemacht; die Bühne hat mich immer fasziniert.» Wäre es da nicht naheliegender gewesen, Schauspieler zu werden? «Wahrscheinlich hat mir nach der ersten Berufslehre, mit Anfang 20, ganz einfach der Mut gefehlt, eine Schauspielausbildung zu starten.»

So brachte er nach der Lehrzeit einige Wander- und Reisejahre, gefüllt mit theaterpädagogischen Aufgaben hinter sich. Mit 30 absolvierte er dann doch in Zürich in der Schauspielgemeinschaft einen Schauspiel-Grundkurs. «Dort erkannte ich: Theaterpädagogik ist das Berufsfeld, das mich interessiert.» So liess sich Schmidhauser – der übrigens mit dem Schauspieler Hannes Schmidhauser in keiner Weise verwandt ist – dreieinhalb Jahre lang berufsbegleitend an der Zürcher Hochschule der Künste zum Theaterpädagogen ausbilden.

2010 bewarb er sich dann für die ausgeschriebene 80-Prozent-Stelle (60 Prozent in Solothurn, 20 Prozent in Biel) als Leiter des Jungen Theaters beim TOBS (Theater und Orchester Biel Solothurn). Es sei damals passend gewesen, an ein ständiges Theater zu kommen und hier die Sparte Junges Theater weiterzuentwickeln. «Schliesslich arbeitete ich zu 80 Prozent ganz in Solothurn, denn ich wollte in einer Stadt voll und ganz den Kinder- und Jugendtheaterbereich aufbauen.»

Gefallen an Solothurn habe ihm immer die Kleinheit des Theaterbetriebes, die kurzen Entscheidungswege und dass man als Theaterpädagoge in alle wichtigen Entscheide durch die Schauspielchefin Katharina Rupp mit einbezogen wird. «Das ist noch lange nicht an allen Häusern so», weiss er. Man höre immer mal wieder von Kollegen, deren Tätigkeit mehr als eine Art PR fürs Theater angesehen wird. «Werbung fürs Theater gehört im weitesten Sinn sicher auch zu meinen Aufgaben. Zuerst aber geht es um das Spielen, das Stücke erarbeiten mit den jungen Menschen.»

Das «Junge Theater Solothurn» (JTS) bietet in den Altersgruppen U10, U14, U15, U21 und der Seniorenbühne Ü61 Theaterkurse an. «In Solothurn ist das Theaterspielen mit jungen Leuten stark verankert», hat Schmidhauser erlebt.

Eine Talentschmiede?

Es gehe aber nicht in erster Linie darum, künftige Schauspieltalente zu entdecken. «Dennoch kommt es immer mal wieder vor, dass ein Mitmachender diese Berufswahl trifft.» Man wolle Spielfreude, Fantasie und Kreativität fördern. «Viele Jugendliche lernen beim Theaterspielen viel über sich selbst. Gewinnen an Selbstvertrauen und lernen ihren Körper kennen und richtig einzusetzen.»

Und welche Themen sprechen die schauspielenden jungen Leute besonders an? Andreas Schmidhauser sagt: «Die jungen Menschen machen sich sehr stark Gedanken dazu, wie sich Missstände oder Ungerechtigkeiten in ihrem Umfeld, aber auch auf dieser Welt verändern lassen. ‹Was sind die Lösungsansätze, welchen Teil kann ich dazu beitragen, oder eben nicht?› Das zeigt, dass die Jugend sehr vieles wahrnimmt. Theater kann für sie wie ein Ventil wirken. Das Theater gibt ihnen eine Sprache und eine Form für ihre Fragen.»

Schmidhauser freut sich jetzt auf seinen Neustart, obwohl er noch nicht genau weiss, was die Zukunft bringt. Mutig, ein solcher Schritt ins Ungewisse. Er winkt ab. «Ich denke, so ein Zwischenhalt ist nötig, um weiter kreativ zu sein.» Nächstens wird er sich in Berlin aufhalten. Zudem hat er Kontakte in den Iran, wo er sich ebenfalls im Kinder- und Jugendtheaterbereich engagieren und weiterbilden möchte.