Sounddesigner
Er kann aus einer langweilen Szene einen Gänsehautmoment machen

François Musy ist Ehrengast an den Solothurner Filmtagen. Am Sonntag gab der Sounddesigner in einer Masterclass Einblick in sein Schaffen.

Fabiana Seitz
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Toningenieur François Musy führte voller Freude in die grosse Kunst der Vertonung ein und zeigte Interessierten akustische Highlights seines Schaffens.

Toningenieur François Musy führte voller Freude in die grosse Kunst der Vertonung ein und zeigte Interessierten akustische Highlights seines Schaffens.

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Eine Strasse, ein Auto, ein aus dem Nichts auftauchender Esel. Da ist ein Zusammenstoss vorprogrammiert. Doch im Film «Agata e la tempesta» von Silvio Soldini (2004) ist dieser gar nicht zu sehen. Sondern bloss zu hören.

Dass man als Zuschauer trotzdem begreift, was in dieser bedeutenden Filmszene gerade vor sich geht, ist einem Herrn zu verdanken: Dem Filmsounddesigner und diesjährigem «Rencontre»-Gast François Musy.

Gänsehautmomente

Der Freiburger begleitet seit über dreissig Jahren nationale und auch internationale Regiegrössen am Set und im Tonstudio. Er sammelt, mixt, verarbeitet Töne. Sodass akustische Nuancen entstehen, die aus einer langweilen Szene einen Gänsehautmoment machen. Egal ob Drama, Komödie oder Horror – François Musy vertonte bereits über 160 Filme, die Weltruhm erlangt haben.

Ein «Meister des Tons» also, wie ihn Filmtagedirektorin Seraina Rohrer in ihrer Begrüssungsrede der Masterclass bezeichnete. Denn Musy ist der diesjährige Ehrengast der Solothurner Filmtage. Im Rahmen des Spezialprogramms «Rencontre» werden ausgewählte Werke seines Schaffens gezeigt und dem Publikum eine Begegnung mit dem Toningenieur ermöglicht.

Subjektivität des Tons

An der Masterclass zum Thema «Film hören» war der Saal im Uferbau rappelvoll. Und das an einem Sonntag kurz vor zwölf. David Wegmüller, der für die Programmleitung des «Rencontre» verantwortlich ist, leitete gekonnt durch das Gespräch. François Musy selbst führte voller Freude in die grosse Kunst der Vertonung ein und zeigte den Interessierten akustische Highlights seines Schaffens.

So spielte er gleich zu Beginn dreizehn verschiedene Geräusche ab und das Publikum durfte erraten, wovon diese stammten. Dabei wurde schnell klar, dass es Töne gibt, die leicht einzuordnen sind, jedoch auch solche, die schwierig klassifizierbar sind. «Die Subjektivität des Tons ist um einiges grösser als diejenige des Bildes. So sind wir uns meist einig, was wir in einem Bild sehen. Einen Ton hingegen interpretiert jeder anders», so Musy. Dies hänge auch mit dem geistigen Zustand zusammen, so interpretiere man einen Ton morgens hellwach anders als abends, wenn man müde ist.

Wie viel Arbeit hinter dem Sounddesign steckt, zeigte Musy eindrücklich an verschiedenen Filmausschnitten. So kam das Publikum am Sonntag in den exklusiven Genuss von Szenen eines Filmes, der offiziell noch gar nicht Premiere gefeiert hat: Die spanische Tragikomödie «La Reina de España» von Fernando Trueba (2016) mit Penélope Cruz in der Hauptrolle.

Musy zeigte die Szenen erst nur mit Direktton und führte dann durch Hinzufügen zusätzlicher Töne vor Augen – oder wohl besser zu Ohren – welchen Einfluss die Geräuschkulisse und die Musik auf das Filmerlebnis haben können. «Denn wir sehen Filme ja schliesslich nicht nur, wir hören sie auch», ist der Master des Tons überzeugt.

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