Filmtage
Er ist der Baumeister für Kinostimmung

Rico Buxtorf zählt seit 1966 als Bauchef zum «architektonischen Rückgrat» der Solothurner Filmtage. Die stets neuen Herausforderungen motivieren ihn weiterzumachen.

Andreas Kaufmann
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Rico Buxtorfs Arbeit hat sich seit 1966 gewandelt.

Rico Buxtorfs Arbeit hat sich seit 1966 gewandelt.

Andreas Kaufmann

Es war vor 25 Jahren, als sich Rico Buxtorf im Landhaussaal umsah, der mit Filmplakaten lückenlos tapeziert war: «Kein Platz mehr, jetzt könnten wir eigentlich aufhören», witzelte er damals. Dabei gab es damals wie heute 1000 Gründe für den Filmtage-Bauchef, sich weiter für den Anlass zu engagieren. Mittlerweile sind nochmals so viele Filmtage ins Land gezogen – der Architekt aber ist immer noch mit Rat und Tat dabei.

Zusammen mit Urs Alber und neuerdings auch Benedikt Bohren, zuständig im Aussenbereich, verantwortet er innerhalb der Organisation das Bauressort. Die Herausforderung des Aufbaus hat er heuer hinter und die Aufgabe des Abbaus noch vor sich.

Was klein begann ...

Doch warum ist Buxtorf der Organisation bis heute treu geblieben? Und warum spricht er auch heute nicht vom Kürzertreten? «Es gibt jedes Jahr wieder neue Herausforderungen. Die haben mich motiviert weiterzumachen.» Als Mitglied der Filmgilde und Freund des verstorbenen «Filmtage-Vaters» Stephan Portmann war auch er ein Mann der ersten Stunde. Nur lassen sich die Aufgaben, denen er 1966 als 24-Jähriger gegenüberstand, kaum mit den Herausforderungen von heute vergleichen. «Damals wurden am Freitag die Gäste empfangen, am Samstag fanden die Filme, Podien und Referate statt und am Sonntag gab es ein Abschlussfest», erinnert sich Buxtorf. Seine damalige Pendenzenliste enthielt lediglich die Installation von Logos und Plakaten sowie deren Präsentation. Denn die Kinotechnik war an den Aufführungsorten – dem «Scala» und dem «Elite» – bereits vorhanden.

... wuchs zum Grossanlass heran

Doch kaum jemand anders kann es besser bestätigen als Buxtorf, selbst wenn er nach den Anfangsjahren für längere Zeit aus beruflichen Gründen und wegen Auslandaufenthalten nicht mitwirkte: Die Filmtage sind gewachsen, und die Aufführungsorte sind mehr geworden: 2014 wurden in seinem Ressort 1500 Mannstunden aufgewendet, ein Jahr zuvor waren es gar 1900. Im aktuellen Jubiläumsjahr mit neuem Erscheinungsbild und zusätzlichen Veranstaltungen dürften es noch mehr sein, schätzt er. Heute haben Buxtorf und Alber 16 Helfer unter ihren Fittichen und überblicken ein stattliches Räderwerk an Aufgaben. Neben der Logistik des Auf- und Abbaus halten Buxtorf die Administration, die für die baulichen Arbeiten vonnöten ist, die Handwerker- und sonstige Zuliefererverträge, aber auch die Bewilligungsformalitäten mit den Behörden auf Trab. Und immer waren auch sein Improvisationsgeschick und seine Kreativität gefragt. Beispielsweise, als er 1980 nach seiner längeren Pause wieder ins Filmtage-Boot geholt wurde. Als städtischer Mitarbeiter im Kunstmuseum wurde er zurate gezogen, als man das Landhaus zum Kino umfunktionieren wollte. Die erhöhte, auf ein Stahlgerüst gebaute und aus Baubarackenelementen bestehende Projektionskabine – von ihrem Erschaffer liebevoll «Rossstall» genannt – war eine statische Herausforderung. Ebenso die Tribüne, die dieses Jahr im Landhaus dazukam.

Seine Handschrift ist überall

«Herausforderungen gibt es überall dort, wo man Räume zu Kinosälen umbauen muss», weiss Buxtorf. Gerade die Umrüstung der Reithalle mit der mächtigen Tribüne und des Konzertsaals wurde bald einmal zur Königsdisziplin des «Filmtage-Architekten» – erst recht in jenen Zeiten, als Solothurn Gastgeberstadt des Schweizer Filmpreises war. Im Konzertsaal wurde die Einrichtung des Projektorraums, der im Kleinen Konzertsaal angesiedelt ist, zur kniffligen Aufgabe. Die bauhistorische Substanz verhindert, dass hier auch nur ein Nagel eingeschlagen werden darf. Lange mussten er und sein Team auch über die Klimatisierung in der Reithalle brüten. Dann wurde eine dauerhafte Lüftung eingebaut, dank seiner Initiative und Planung. Ein behagliches Ambiente durch bauliche Massnahmen herstellen ist zentral für Buxtorf. Seine architektonische Handschrift ist auch andernorts zu erkennen. So wurden im alten Erscheinungsbild die Baugerüsttürme und -portale von ihm konzipiert und umgesetzt. Auch der regengeschützte Eingangsbereich bei der Reithalle – roter Teppich inklusive – ist seines Geistes Kind.

Herausforderungen haben den Architekten bei seiner Filmtage-Tätigkeit geprägt und angetrieben. Auch finanzielle Beschränkungen empfand er als herausfordernd. «Hier weiss man, dass man nur eine endliche Menge Geld hat. Mehr als bei anderen Projekten geht man hier umso mehr mit einem Idealismus ans Werk.» Dass er dabei in einer über Jahre treuen Gruppe arbeiten kann, motiviert Buxtorf zusätzlich.

«‹Hat der Schweizer Film eine Zukunft?›, so lautete die Ausgangsfrage, die am Anfang der Filmtage stand.» Heute, 50 Jahre später, blickt Buxtorf auf die Anlässe, deren Teil er geworden ist, zurück und antwortet selbst auf diese Frage – mit einem eindeutigen «Ja».