Solothurn

Er ist das Sprachrohr gegen die Vorstadt-Dealer

IG-Gründer René Mühlheim beobachtet das Treiben in der Vorstadt skeptisch. Hanspeter Bärtschi

IG-Gründer René Mühlheim beobachtet das Treiben in der Vorstadt skeptisch. Hanspeter Bärtschi

Eine neue Interessengemeinschaft will gegen die Probleme in der Solothurn Vorstadt ankämpfen. Der Gründer der «IG Sprachrohr Vorstadt 11» ist Anwohner René Mühlheim.

Drogenübergabe an der Niklaus-Konrad-Strasse im Zeitraffer: Bild 1: Das Portemonnaie wird geöffnet. Bild 2: Der Drogenabhängige hat Banknoten in seiner Hand. Bild 3: Er übergibt das Geld. Bild 4: In der Hand hat er die Ware. Dann verschwinden die Männer. Die Fotos, die einem Fernseh-Fahnder Ehre machen würden, sind von einem Vorstädter aufgenommen worden. Täglich gebe es solche Szenen «einer farbigen Drogen-Mafia, die vor den Wohnungen und Lokalen ungestört patrouillieren», beklagen sich Anwohner.

Jetzt gibt es eine Interessengemeinschaft, die ihre Anliegen vertritt. Gründer der «IG Sprachrohr Vorstadt 11» ist Anwohner René Mühlheim. Einige seiner Beobachtungen waren schon in der Zeitung zu lesen: Ein fremder Mann drang bereits in seine Wohnung ein. Mühlheim hat selbst fotografiert, wie ein Auto aufgebrochen wurde.

Quasi-Gründungsmanifest der IG ist ein eingeschriebener Brief an Stadt- und Kantonsbehörden. «Die Bevölkerung fühlt sich alleine gelassen», steht darin. Die IG stellt konkrete Forderungen: Statt Streifenwagen verlangt sie Fusspatrouillen, die eine klare Polizeipräsenz markieren. «Die IG hat den Eindruck, die Polizei sei partiell überfordert und resigniere.» Grund dafür sind Beobachtungen von Anwohnern, die zu wenig ernst genommen worden seien. «Es ist zermürbend, wenn Mitmenschen beobachten, Notizen machen, Fotos schiessen und dann kein Feedback erhalten.»

Mehr Überwachung

Weitere Ideen der IG sind Überwachungska meras und Warnschildern vor Dealern – analog der Warnschilder vor Taschendieben in der Altstadt. Die IG vermutet ein behördlich verordnetes Gefälle zwischen Vor- und Altstadt: «Erstaunlicherweise wird der attraktiven Altstadt ferngeblieben, weshalb sich der Verdacht aufdrängt, dies werde gezielt so gelenkt», heisst es im Brief. Die IG erwarte deshalb, dass Asylanten «ganzheitlich in Solothurn eingeführt werden und eine kostenlose Stadtführung erhalten, um alle Quartiere erkunden zu können». Auf die nationale Asylsituation, geht die IG nicht ein.

Gt ein Dutzend Personen haben sich bisher auf der Homepage der IG geäussert. «Einfach ein tolles Forum», schreibt SVP-Gemeinderat Roberto Conti. «Vom Balkon meiner Wohnung habe ich einen tollen Ausblick auf die Wassergasse, welche in Asylantenpromenade umgetauft werden müsste.» Oetterli-Kaffee-Geschäftsführer Bernhard Mollet begrüsst ein neues Forum gegen die Vorstadt-Probleme. Er sei täglich von Neuem erschrocken und angewidert, «dass Schwarzafrikaner in aller Seelenruhe durch die Strassen flanieren und Drogen verkaufen. Zudem nehmen sie sich das Recht heraus, die schönsten Plätze in der Vorstadt zu besetzen.»

Auch Fluri ist unzufrieden

Unzufrieden mit der Situation ist auch Stadtpräsident Kurt Fluri. «Wenn es nach mir ginge, wäre die Asylunterkunft in der Zivilschutzanlage Schöngrün längst geschlossen», sagt Fluri, der sich vom Entscheid seiner Gemeinderatskommission distanziert hat, die Unterkunft bis im Mai offen zu lassen.

Kritik, die Stadtpolizei verhalte sich zu passiv, lässt Fluri nicht gelten. «Wir können nicht bei jeder Meldung ein Überfallkommando in die Vorstadt schicken.» Zwar sei die Situation unangenehm, es handle sich aber um Milieudelikte. «Es geht nicht um Raubüberfälle. Man muss auch sehen, dass keine Gefahr von den Leuten ausgeht.» Er sei oft abends am Bahnhof und habe sich noch nie gefährdet gefühlt. «Aber ich verstehe Leute, die sich nicht wohlfühlen.» Wenig hält Fluri vom Vorschlag der IG, die Leute tagsüber in andere Stadtteile zu schicken. Die Dealer würden schnell wieder zurückkehren. «Sie sind dort, wo die Kundschaft ist. Und das ist nahe beim Bahnhof.»

Kritik lässt auch Peter Fedeli, Kommandant der Stadtpolizei, nicht gelten: «Wir tun das Möglichste.» Bereits jetzt seien in der Vorstadt Fusspatrouillen unterwegs. Der zuständige Quartierpolizist sei mehrmals bei IG-Gründer Mühlheim gewesen. Fotos, die dieser gemacht habe, habe man dort abgeholt. Polizisten hätten die Bilder benutzt, um sich Gesichter für die nächste Kontrolle zu merken. Ein Problem, das Fedeli aber bei allen Kontrollen sieht: «Am nächsten Tag stehen die Leute wieder dort.» Denn die meisten Dealer hätten nur geringe Mengen Drogen auf sich, die keine längere Haft erlaubten. – Ein Katz-und- Maus-Spiel: Oft hätten die Dealer gar keine Drogen auf sich, sondern den Stoff irgendwo gebunkert. «Und nur in der Vorstadt zu sein, ist nicht strafbar. Man kann die Leute nicht einfach wegweisen.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1