Leiter- Rechts- und Personaldienst, was beinhaltete diese Aufgabe für Gaston Barth während der letzten
33 Jahre?

Gaston Barth: Es war für mich die interessanteste und vielfältigste Arbeit, die ich mir vorstellen kann, mein Traumjob sozusagen. Ich durfte mich mit sämtlichen Rechtsgeschäften und Rechtsfragen der Stadt beschäftigen. Konkret ging es nebst der Rechtsberatung aller Abteilungen und Behörden und der Regio Energie Solothurn um die Behandlung aller Beschwerden vorwiegend in Bau- und Planungssachen Themen wie die Kulturfabrik Kofmehl, der Zonen- und Gestaltungsplan Weitblick oder das Hotel Krone. Zum Aufgabenbereich gehört aber auch das Vertragswesen, sämtliche Rechtsetzungsaufgeben und viele Projekte, wie zum Beispiel die Totalrevision der Gemeindeordnung, Top 5, die Teilrevisionen der Dienst- und Gehaltsordnung mit der erzielten Flexibilisierung des Personalrechts, die Schaffung der Seminarmeile, die Kompetenzregelungen zwischen Stadtpolizei und Kantonspolizei und vieles mehr.

Und im Personalbereich?

Als Personalchef war ich verantwortlich für die Anstellung des Personals, deren Pflege und Entwicklung wie Aus- und Weiterbildung, die Personaladministration, insbesondere für deren Löhne und Entschädigungen. Mit wenigen Ausnahmen wurde das heutige Gemeindepersonal während meiner Zeit angestellt.

Die Rekrutierung und Führung der zurzeit 515 Städtischen Angestellten ist in all den Jahren sicher nicht einfacher geworden?

Ja und nein. Einfacher wurde es, weil der Personaldienst heute fast alle Personen selber anstellen darf. Nur noch die Verwaltungsleiter werden von der GRK gewählt. Damit wurden die Anstellungsverfahren vereinfacht und beschleunigt. Das Bewerberfeld wurde eher grösser, weil der Persönlichkeitsschutz der Bewerberinnen und Bewerber so verbessert wurde. Dadurch lassen sich insbesondere Fachpersonen besser rekrutieren.

Und wo liegen die Probleme?

In wesentlichen Bereichen ist der Arbeitsmarkt heute ausgetrocknet. So bei der Polizei, bei den Sozialen Diensten und den technischen Mitarbeitenden des Stadtbauamts. Schwieriger wird es heute auch, weil immer weniger Fachpersonen bereit sind, in einem politischen geprägtem Umfeld zu arbeiten. Vor allem, wenn es der Privatindustrie gut geht. Im Vergleich zur Privatwirtschaft sind unsere Gestaltungsfreiheiten und -spielräume natürlich auch geringer. Viele Leute scheuen schliesslich die mit einer Aufgabe bei uns verbundene Öffentlichkeit.

Aber bei der Stadtpolizei herrscht wieder Vollbestand?

Dieses Ziel wurde erreicht. Und das trug wesentlich zur Entspannung der Stimmung im Korps bei.

Verglichen beispielsweise mit Grenchen ist es an der Personalfront der Stadt Solothurn eher ruhig geblieben. Oder täuscht dieser Eindruck?

Nein, es freut mich, dass wir nicht oft in der Öffentlichkeit stehen. Ich werte dies unter anderem auch als Vertrauen in unsere Arbeit. Gute Personalarbeit findet eher im Stillen statt und sucht weniger die Öffentlichkeit. In der Stadt Solothurn herrscht ein offenes und gutes Arbeitsklima, was nicht nur die Mitarbeiterzufriedenheitsumfrage bestätigte. Unser Personal ist grossmehrheitlich sehr zufrieden. In den letzten 33 Jahren hatten wir nur sehr wenige personalrechtliche Streitigkeiten.

Der heikelste Fall war sicher der, als der schon gewählte, neue Kommandant der Stadtpolizei dem Vorwurf von sexueller Belästigung ausgesetzt war und das Amt gar nie antreten konnte.

Ja, von den öffentlich bekannt gewordenen Fällen war das sicher einer der heikelsten, zumal der Fall eine immense Öffentlichkeit erfuhr. Ich bin froh, dass wir ihn rasch und einvernehmlich regeln konnten. Dass ich über andere heikle Fälle nicht unbedingt öffentlich reden darf, dafür bitte ich um Verständnis.

Zum Rechtsdienst. Auch in diesem Bereich gab es immer wieder komplexe Fälle, die für die Stadt entscheidend und wegweisend waren.

Ja, als Leiter des Rechtsdienstes durfte ich viele interessante und komplexe Fälle betreuen. Ich denke an die Totalrevision der Gemeindeordnung, an die zwei Ortsplanungsrevisionen, an die Verselbstständigung der Städtischen Werke, die Zusammenlegung der Ersparnis- und Leihkasse zur Regiobank, die Planung und den Landkauf Weitblick, die Wasserstadt und vieles mehr. Es wurde mir nie langweilig.

Welchen Entscheid gegen die Stadt bedauern Sie im Nachgang am meisten?

Glücklicherweise gab es wenige davon. Ich bedaure Entscheide, die ich für nicht richtig und gut für die Stadt halte, und wo bei der Beurteilung die politische Haltung und nicht das Recht im Vordergrund steht. Ein solcher Fall war die Schaffung von wenigen bewirtschafteten oberirdischen Kurzzeitparkplätzen in der Altstadt, die uns schliesslich der Bundesrat verwehrt hatte.

Und über welchen Entscheid haben Sie sich am meisten gefreut?

Ich freue mich über alle Entscheide, welche ich für die Stadt erfolgreich durch die Behörden oder Rechtsmittelverfahren bringen kann. Vor allem, wenn ich alle oder fast alle Einsprecher oder Beschwerdeführer soweit überzeugen kann, dass sie den Entscheid akzeptieren können. So auch bei der Planung Weitblick und beim Teilzonen- und Gestaltungsplan Kofmehl-Areal. Wichtig waren auch die Schaffung der beiden letzten Parkhäuser Baseltor und Berntor am Dornacherplatz mit der Aufhebung der entsprechenden oberirdischen Parkplätze.

Was wird Ihre Nachfolgerin Christine Krattiger ausser der möglichen Fusion mit Zuchwil nach der Amtsübernahme am meisten beschäftigen?

Meine Nachfolgerin wird primär alle bei den Beschwerdeinstanzen noch hängigen Rechtsstreitigkeiten übernehmen müssen. Zudem behandelt sie sicher die Einsprachen in der bevorstehenden Ortsplanungsrevision. Nebst der Ortsplanungsrevision wird sie sich auch in das Projekt «Gebietsmanagement Weitblick» einarbeiten und dort mitarbeiten. Ich werde die Stadt hier befristet als externer Experte noch etwas unterstützen. Schliesslich ist auch die heutige, unbefriedigende Situation im CIS-Sportcenter leider noch nicht gelöst.

Sollte es zur Fusion mit Zuchwil kommen – wie wird der Rechts- und Personaldienst aufgegleist?

Diese Frage habe nicht ich zu beantworten. Aus meiner Sicht liesse sich die heutige Organisation des Rechts- und Personaldienstes grundsätzlich aufrechterhalten, natürlich mit gewisser personeller Verstärkung.

Wenn es so weit käme; stünde Gaston Barth noch in irgendeiner Form – beispielsweise beratend – zur Verfügung?

Ich war mir bewusst, dass meine vorzeitige Pensionierung im Fall einer Fusion nicht gerade der ideale Zeitpunkt war. Einen solchen gibt es aber nie. Deshalb habe ich mich für eine Mitarbeit in diesem Projekt bereit erklärt. Entscheiden muss dies natürlich die Stadt.

Ab Februar beginnt ein neues Leben. Wie sieht dieses aus?

Das weiss ich wohl erst genau, wenn es dann so weit ist. Ich werde mir sicher mehr Zeit für meine Familie, vor allem Frau und Enkel, sowie für meine Hobbies nehmen. Ich freue mich auf lange gemeinsame Spaziergänge mit dem Hund sowie auf schöne Ausfahrten mit dem Töff.

Töff?

Ja, ich und meine Frau Verena unternehmen öfters Ausflüge auf meiner BMW 1200 GS (zeigt stolz ein Foto).

Und das wärs dann?

Ganz kann ich die Arbeit nicht lassen. Einige Mandate und Nebenämter werde ich noch weiterführen. Zudem bin ich in einem beschränkten Ausmass bereit für neue Aufgaben und Projekte. Als Einzelfirma werde ich meine Dienste und Kenntnisse insbesondere den Gemeinden im Bereich Rechts- und Personalberatung anbieten können.