Heinrich Clauren

Er hat Solothurn nie so gesehen – aber in seinem Roman «Elsi» doch darüber geschrieben

Solothurn um 1820: Noch stehen der Hürligturm (vorne), das Wassertor und die Bastion St.Georg mit dem Haffnersturm.

Solothurn um 1820: Noch stehen der Hürligturm (vorne), das Wassertor und die Bastion St.Georg mit dem Haffnersturm.

Der Schriftsteller Heinrich Clauren hat seinen Liebesroman «Elsi» zwar in der Stadt und Region Solothurn von 1820 angesiedelt – aber er war persönlich wohl nie in der Aarestadt und oder auf dem Jura gewesen.

Die Erzählung «Elsi» von Heinrich Clauren spielt im Solothurn des Jahres 1820. Ihre Lektüre lässt die Stadt und ihre Gesellschaft zur damaligen Zeit wieder aufleben. Der Ich-Erzähler – seinen Namen erfährt man nie – ist auf dem Weg nach Genf, wo er das Erbe eines verstorbenen, reichen Onkels antreten soll. Er ist offensichtlich zu Fuss unterwegs, kommt über die Jurahöhen «…und traf in dem eine halbe Stunde vom Fusse dieser langen Felsenkette gelegenen Städtchen Solothurn mit Sonnenuntergang ein, als eben von der herrlichen St.-Ursus-Kirche zu Abend geläutet wurde. Auch die Glocken der übrigen fünf Klöster stimmten ein (…) und verhallten weit im Waldegger Walde und in der schwarzen Tannen-Wildnis des riesigen Jura.»

Mühe mit dem «Schwyzerdütsch» gehabt

Der junge Mann stieg im Hotel Krone ab und begab sich gleich auf einen einstündigen Spaziergang entlang der Aare. Zurück in der «Krone» wurde er am Stammtisch platziert, doch hatte er Mühe, dem Gespräch der übrigen Gäste zu folgen, da diese Schweizerdeutsch sprachen. Clauren beginnt Dialektausdrücke einzubauen, welche er durch Fussnoten auf Deutsch erklärt. So gibt denn eine Frau über alles die «Schweizi» und erzählt von einem Elsi, das auf Geheiss der Mutter einen alten, reichen Mann heiraten soll, und darüber so betrübt ist, dass es das «Fatzeleetli» durchnässt.

Nach dem Abendessen ging der Erzähler auf den Wall (die damaligen barocken Bastionen) und betrachtete die vorbeirauschende Aare. Die Gassen waren fast leer, denn «in Solothurn lebt man gar ordentlich und legt sich kurz nach den Hühnern zu Bett.» Er durchwanderte die Barfüsser- und Gurzelngasse, als er an einem prächtigen Haus an der Kirchgasse vorbeiging, erklangen aus einem offenen Fenster Gitarrenklänge. Als Gesang dazu kam, merkte er, dass es eine Frau war, die musizierte. Der Beschreibung nach muss es sich um das von-Sury-Haus handeln, denn der Mann fragte eine Magd, welche zum Goldbach ging, nach der Musikantin. Es war Elsi.

Eine veritable Liebesgeschichte

Clauren verfügte offensichtlich über gute Kenntnisse was die Stadt betraf. So weiss er zu berichten, dass die St.-Ursen-Kirche 50 Jahre alt ist und von Pisoni erbaut wurde, er ging am Gefängnis vorbei, besuchte das Rathaus und bemerkte in dessen Innerem die monumentalen Schlachtengemälde.

Hingegen stimmen die Distanzen in der Umgebung nicht. Der Erzähler wollte am kommenden Tag den Weissenstein besteigen. Der Weg führt über Oberdorf. Allerdings verlegt er die Einsiedelei auf den halben Weg nach dem Weissenstein. Dort weiss er jedoch über die Sennhütte Bescheid und auch der Aufstieg auf die Hasenmatte und die Schilderung der dortigen Aussicht ist wieder realistisch. Aber für das Finale der Erzählung sind die handelnden Personen in sehr kurzer Zeit wieder in der Stadt unten.

Der Inhalt der Erzählung ist natürlich in erster Linie die Liebesgeschichte zwischen dem Ich-Erzähler und Elsi. Auf dem Weg auf den Weissenstein macht er zufällig die Bekanntschaft der jungen Patriziertochter, verliebt sich auf Anhieb in sie und will in Genf dem vorgesehenen alten Bräutigam diese Verbindung ausreden. Inzwischen ist aber der Onkel von Elsi aus Olten eingetroffen und teilt Elsis Mutter mit, dass Elsis Bräutigam in spe verstorben sei. Und als dann der Name des Verstorbenen, Klaudius von Estavayé, fällt, stellt sich heraus, dass dies eben der Erbonkel des Erzählers gewesen ist. Somit steht einem Happy End nichts mehr im Wege.

Hat er von Solothurn nur über Bekannte gewusst?

Mehrere Erzählungen Claurens spielen zwar in der Schweiz, doch lässt sich in den spärlichen Quellen über sein Leben kein Bezug zur Schweiz finden. Die Schilderungen der Stadt mit all ihren Einzelheiten und letztlich auch die Verhältnisse auf dem Berg lassen auf Ortskenntnis schliessen. Wenn der Schriftsteller hier gewesen wäre, hätte er auch die Distanzen richtig eingeschätzt.

Also muss er wohl Bekannte gehabt haben, welche Solothurn und seine Umgebung kannten. Beispielsweise weilten Jeremias Gotthelf und Martin Disteli um diese Zeit in Jena, Weimar und Dresden.

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