Hilfe, der neue Ambassador kommt! Im Museum Blumenstein wird gewaschen, gebügelt, gekocht und das Haus sauber gemacht. In der Waldegg übt man zu Ehren des hohen Besuches einen Tanz ein, und im Alten Zeughaus werden die Harnische zum Glänzen gebracht. Ein Spektakel wie anno dazumal, das am Internationalen Museumstag auch in Solothurn unzählige Leute in die Museen zieht.

«Es ist schön, einmal in Winkel zu schauen, die einem sonst verborgen bleiben», sagt ein älterer Herr aus Basel, dem der Aufstieg in den Estrich des ehrwürdigen Gebäudes im Fegetz ein bisschen Mühe bereitet. Doch oben angelangt, tun sich ungeahnte Welten auf.

Der Boden ist aus feuertechnischen Gründen mit gotischen Ziegeln ausgelegt, die Holzverstrebungen so kunstvoll angelegt, dass man keinen Augenblick zweifelt, dass hier ein begnadeter Zimmermann am Werk war. Der eigentliche Grund aber, weshalb Marie-Christine Egger, die sich als Kammerzofe ausgibt, ihre Gäste bis unters Dach hinauf führt, sind geniale Holzstangen, an denen kunstvoll gewobene Leintücher hängen. Der Estrich des Schlosses wurde erst kürzlich entrümpelt, und hat einige Trouvaillen zum Vorschein gebracht.

Es darf gestaunt werden

Wie früher gewaschen wurde, erzählt Lisa Spiegel auf dem Kiesplatz vor dem ins Haus integrierten Waschhaus und hält ein Leinensäckchen mit Buchenasche in den Händen. Aus dieser stellten kluge Waschfrauen, bevor die Kernseife erfunden wurde, ihre Lauge her. Das Waschen sei so aufwendig gewesen, dass es nur zweimal im Jahr einen Waschtag gegeben habe, erklärt die Museumspädagogin. Und obwohl die Arme und Hände schmerzten, haben die Waschfrauen noch bis tief in die Nacht mit einem mit Holzkohle aus dem Waschkessel gefüllten und über drei Kilo schweren Eisen gebügelt.

Vor allem wenn anderntags der Ambassador seine Aufwartung machte. «Uhhh», sagen die Kinder als ihnen Marie-Christine Egger das Kohlebügeleisen in die Hand legt. Und wieder «Uhhh», als diese eine Mausefalle mit einem Mäuschen hervorholt und erklärt, dass das Fangen der Mäuse ebenfalls in den Aufgabenbereich der Dienstmägde gefallen sei.
Nach diesen schwer verdaulichen Geschichten, ist es eine Wohltat, einen Blick in die historische Küche zu werfen, in der Cecilia Chiara für die Dienstboten und die Museumsgäste einen währschaften Eintopf aus Gemüse, Gerste, gelben Erbsen und Speck zubereitet.

«Die Angestellten müssen heute schwer arbeiten», lächelt sie und freut sich, dass es im riesigen Kochtopf zu brodeln beginnt. Auch das Museumspersonal habe früh aufstehen müssen, betont die Meisterköchin. «Bereits um sieben Uhr morgens haben wir mit dem Anfeuern des Ofens begonnen.»

Geschichte selber erleben

In einem Zimmer im ersten Stock sitzt nebst der Kalligrafin Trudi Leu der achtjährige Seraphin vor einem Blatt Papier mit verschnörkelten Buchstaben. Behutsam taucht er - wohl zum ersten Mal im Leben - eine Feder in ein Tintenfass und versucht seinen Namen in ein Schulheft zu schreiben. Bald wird er die Schreibwerkstatt verlassen und mit seinem Vater und seinem Bruder zur Waldegg fahren. Dort wird er das Heft mit schönem Papier einfassen und dekorieren.

Später wird er im Alten Zeughaus noch ein Lesezeichen basteln. Und wenn er Glück hat, wird er im Wettbewerb eine Geburtstagsfeier in einem der städtischen Museen gewinnen. Ob der Ambassador wirklich kommen wird, das weiss man heute noch nicht.