Solothurn
Energiespeicherung: Wo soll der Strom hin, wenn wir ihn erst einmal haben?

Mit einem Info- und Podiumsanlass widmete sich die 2000-Watt-Region Solothurn der Energiespeicherung, dem zweiten grossen Thema der Energiezukunft. Die Speicherung sei heutzutage teurer als deren Produktion, meinte Moderator Christoph Pfluger.

Andreas Kaufmann
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Info- und Podiumsanlass im Landhaus Solothurn: «Braucht die Energiewende eine Speicherwende?»
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Felix Nipkow, SES Schweizerische Energiestiftung: «Dass die Schweiz zur Batterie Europas werden könnte, ist schlicht Blödsinn»
Philipp Grob, Geschäftsleitungsmitglied RegioEnergie Solothurn, stellt das Projekt Hybridwerk Aarmatt vor.
Im angeregten Gespräch (v.l.) Moderator Christoph Pfluger, ETH-Professor Anton Gunzinger, Felix Nipkow, SES Schweizerische Energiestiftung, Philipp Grob, Geschäftsleitungsmitglied RegioEnergie Solothurn
Moderator Christoph Pfluger

Info- und Podiumsanlass im Landhaus Solothurn: «Braucht die Energiewende eine Speicherwende?»

Andreas Kaufmann

«Sie werden heute nicht mit einer klaren Meinung hier rausgehen» – mit dieser vorgängigen Bemerkung dürfte Marguerite Misteli von «2000-Watt-Region Solothurn» recht behalten haben. Die Veranstaltung vom Montagabend im Landhaus setzte der ohnehin komplexen Debatte über die Energiezukunft der Schweiz eins drauf.

Wie nämlich Publizist Christoph Pfluger als Moderator des Abends bemerkte, sei die Energiespeicherung heute teurer als deren Produktion. Entsprechend widmeten sich auch drei Fachleute in Referaten und einem Podiumsgespräch der Frage: «Braucht die Energiewende eine Speicherwende?»

Sonne, Wind und Biomasse

Ein prominenter Gast machte den Start: ETH-Professor und Unternehmer Anton Gunzinger zählt laut «Time Magazine» zu den 100 bedeutendsten Leadern der Welt. Neben seinem fachlichen Schwerpunkt IT hat er sich auch der Energiezukunft verschrieben.

Er erörterte vor rund 60 Besuchern mehrere simulierte Szenarien, begonnen bei einer Weiter-wie-bisher-Strategie mit fortgesetztem AKW-Kurs, bis hin zu Varianten, die die Energieträger Sonne, Wind und Biomasse vereinen.

Alpen-Sonnenschein vergleichbar mit Sahara

In seiner Firma Super Computing Systems analysierte Szenarien führen zum Fazit: Durch den kombinierten Einsatz erneuerbarer Energien laufen die Stauseen als Energiespeicher in einem Durchschnittsjahr nie vollständig leer – ein Ausbau der Speicherseen vorausgesetzt.

Auch spricht er der Photovoltaik eine nicht unwesentliche Bedeutung zu: Die Ausbeute in Alpenregionen sei durchaus vergleichbar mit jener in der Sahara. «Abgesehen vom erleichterten Netzleitungsbau in die Berge ist auch die politische Situation etwas leichter, wenn man bloss mit den Oberwallisern verhandeln muss», scherzte Gunzinger.

Neben der Machbarkeit spreche auch die Wirtschaftlichkeit nicht dagegen, den Solar-Wind-Biomasse-Kurs einzuschlagen. Dieser schlage mit 17,8 Rappen pro Kilowattstunde zu Buche, während das gängige Szenario mit AKW-Neubau auf 17,6 Rappen pro Kilowattstunde zu stehen kommt: «Volkswirtschaftlich spielt es keine Rolle», hielt er der Ansicht entgegen, mit erneuerbaren Energien rolle eine Kostenlawine auf die Verbraucher zu.

Keine «Batterie Europas»

Noch fokussierter auf die Speicherfrage ging Felix Nipkow, Projektleiter der Schweizerischen Energie-Stiftung, ein. Er nahm von der Vision einer Stromdrehscheibe Schweiz oder der «Batterie Europas» Abstand: «Das ist schlicht Blödsinn» – im Vergleich zu den Kapazitäten Skandinaviens sei die Schweiz eine vernachlässigbare Grösse. Auch sonst sei ein Ausbau der Energiespeicher noch zu früh. Ein wichtiges Ziel sei, im Winter Strom einzusparen, was mitunter durch den beschlossenen Stopp von Elektro-Widerstandsheizungen und durch zusätzliche Biomasse erreichbar sei .

Philipp Grob, Geschäftsleitungsmitglied der Regio Energie RES, brach das Thema auf einen lokalen Fokus herunter – mit dem RES-«Leuchtturmprojekt» des Hybridwerks Aarmatt, das sich im Bau befindet. Einer der Vorzüge der mit dem «InnoPrix 2013» ausgezeichneten Anlage: Mit elektrischer Energie werden Methan und Wasserstoff zu Gas synthetisiert. Mit anderen Worten: Strom wird als Gas speicherbar gemacht.