2000-Watt-Gesellschaft

Energiesparen braucht Köpfchen und Willen

Sie diskutierten (v. l.): Roland Stulz, Petra Hirsig-Geiger, Urs Capaul und Moderator Tomas Gröbly.

Sie diskutierten (v. l.): Roland Stulz, Petra Hirsig-Geiger, Urs Capaul und Moderator Tomas Gröbly.

Fachleute aus verschiedenen Stätden diskutierten im Jurasaal der Jugendherberge in Solothurn über die Wege zur Umsetzung der 2000-Watt-Gesellschaft.

Die 2000-Watt-Gesellschaft ist ein energiepolitisches Modell, das an der ETH Zürich entwickelt wurde und vorsieht, den Energiebedarf von heute 6500 Watt auf 2000 Watt pro Kopf zu senken. Dass es noch viel Überzeugungsarbeit braucht, um die Vision umzusetzen, spüren vor allem jene Fachstellen, die sich damit beschäftigen. Zu ihnen gehört auch der Verein 2000-Watt Region Solothurn, der immer wieder mit Veranstaltungen und Aktionen an die Öffentlichkeit tritt. Zum Abschluss des erfolgreichen Aktionsprogramms «2000 Watt – ich auch», das in diesem Sommer die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert hat, wurde unter dem Titel «2000-Watt-Lebensstil: wie machen es andere?» mit Fachleuten aus den Städten Schaffhausen, Zürich und Basel im Jurasaal der Jugendherberge engagiert diskutiert.

Leidensdruck ist noch gering

Energiesparen ohne den bisherigen Lebensstil allzu sehr zu beeinträchtigen, ist laut den Experten zwar möglich, braucht aber Köpfchen und den Willen, etwas zu verändern. Dies umso mehr, als der Leidensdruck noch sehr gering ist. Roland Stulz, Leiter der Fachstelle 2000-Watt-Gesellschaft in Zürich, weiss, dass nicht nur die Menschen umdenken müssen, sondern, um erfolgreich zu sein, das gesamte Wirtschaftssystem überdenkt werden muss: «Die Umkehr ist noch nicht geschafft. Nebst politischen Entscheidungen muss auch Geld fliessen», argumentierte Stulz vor einem interessierten Publikum. «Wenn beispielsweise weniger konsumiert und produziert wird, braucht es auch weniger Arbeitsplätze.» Erfreulich: «Die Wirtschaft ist sehr flexibel und reagiert in der Regel schnell.»

Der ehemalige Geschäftsführer von Novantlantis, der Nahtstelle zwischen der Forschung, Industrie, Gesellschaft und öffentlichen Hand, zeigte zudem anhand eines in einer Münchner Wohngemeinschaft aufgenommenen Videos auf, wie schwer es ist, die 2000 Watt zu erreichen. «Die jungen Leute haben es immerhin auf 3000 Watt gebracht ohne auf den Komfort verzichten zu müssen.» Konkret heisse das: Bewusst einkaufen, Verzicht auf allzu viel Fleisch und Fertigprodukte, öffentlicher Verkehr statt Auto, Stromfresser erkennen, LED statt Glühbirnen, energieeffiziente Haushalts- und Unterhaltungsgeräte.

Wichtige Impulse kamen auch vom Stadtökologen von Schaffhausen, Urs Capaul, der über ein grenzüberschreitendes Projekt berichtete, das die Bodenseeregion einschliesst. «Es ist wichtig, dass man sich gemeinsam auf den Weg macht und voneinander lernen kann.» Capaul hält nicht viel von Verboten, erwartet jedoch einen bewussten Umgang jedes Einzelnen mit den Ressourcen voraus. «Ein Drittel unserer Nahrung endet im Abfall, und 70 Prozent der Handys werden weggeworfen, wenn sie nicht mehr funktionstüchtig sind.»

Ideen sammeln

Petra Hirsig vom sun21-Suffizienznetzwerk Schweiz teilte die die Meinung ihrer Vorredner, dass mit dem Austausch von Wissen und dem Sammeln von Ideen, in ihrem Fall innerhalb von Netzwerken, auf dem Weg zur 2000 Watt-Gesellschaft viel erreicht werden kann.Die Podiumsdiskussion moderierte Thomas Gröbly, Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Miguel Misteli, Präsidentin des Vereins «2000-Watt-Gesellschaft» führte durch den Abend.

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