Solothurn
Emotionaler Entscheid: Soll Thüringenhaus verkauft oder umgebaut werden?

Die Bürgergemeinde Solothurn steht vor schwierigen Grundsatzentscheiden. Denn das Alters- und Pflegeheim Thüringenhaus müsste 2020 geschlossen werden, wenn es nicht den gesetzlichen Standards angepasst würde.

Wolfgang Wagmann
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Vielleicht ist das Thüringenhaus mitsamt dem Riedholzturm schon bald zu haben.

Vielleicht ist das Thüringenhaus mitsamt dem Riedholzturm schon bald zu haben.

Wolfgang Wagmann

Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger: «Es geht um bauliche Sachen wie einen Bettenlift, Böden auf einem Niveau ohne Schwellen oder um zu knapp bemessene Durchgänge, wie man sie halt in Altstadthäusern vorfindet.« Das Damoklesschwert des Kantons hat die Bürgergemeinde veranlasst, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, der neben Wyniger noch Bürgerrat Rolf Heilinger und Rolf Grau angehören. «Auch ziehen wir Spezialisten für die Sanierung von Altstadtliegenschaften bei.»

Geht es doch um grössere Investitionen, und deshalb wollen die einzelnen Varianten gut überlegt sein. Auf Rosen ist die Bürgergemeinde nicht gebettet. «Wir haben in letzter Zeit viele Investitionen getätigt und können uns nicht allzu sehr verschulden. Denn wir können nicht einfach die Steuern erhöhen.»

Verkaufen oder nicht?

Die Arbeitsgruppe hat einige Varianten im Köcher, doch eine davon ist einschneidend: das Thüringenhaus zu verkaufen. Die anderen Vorschläge gehen dahin, das Haus am Riedholzplatz zu behalten und es entweder so umzubauen, dass ein Heimbetrieb auch nach 2020 weiter möglich bleibt oder diesen in einen Anbau im zweiten Heim der Bürgergemeinde, St. Katharinen, auszulagern. «Ein Verkauf des Thüringenhauses ist für viele Bürgerinnen und Bürger nicht ein rationaler, sondern ein sehr emotionaler Entscheid.»

Auch aus diesem Grund sieht Wyniger im ersten Halbjahr eine ausserordentliche Bürgerversammlung für eine Entscheidfindung. «Vielleicht kommen auch noch weitere Varianten dazu. Sicher gäbe es aber viele Synergien, wenn wir die zwei Heimbetriebe in einem einzigen zusammenfassen könnten.» Dass hingegen die Bürgergemeinde kein Heim mehr führen wird, steht nicht zur Debatte. Den gegenteiligen Grundsatzentscheid «haben wir schon vor Jahren gefällt», betont der Bürgergemeindepräsident.

Und ein Klotz am Bein

«Tricky» wäre ein Verkauf des Thüringenhauses auch noch aus einem weiteren Grund: Zum Haus würde auch der mächtige Riedholzturm auf der St.-Ursen-Bastion gehören. «Mit dem separaten Zugang auf der Schanze könnte man ihn zwar schon vom Thüringenhaus abtrennen, aber eigentlich sollten die beiden Bauten beisammen bleiben», signalisiert Sergio Wyniger.

Sehr interessant für eine Nutzung ist der Muttiturm im jetzigen Zustand allerdings nicht: Aus der Vermietung als Apéro-Lokal generiert die Bürgergemeinde Einnahmen, die aber «an einem kleinen Ort» seien. Insbesondere, da der Turm nicht isoliert und richtig beheizt sei und auch kein Catering mehr von der Heimküche aus angeboten werde. Immerhin wurde der spätmittelalterliche Befestigungsturm erst vor kurzem grundlegend saniert und auch das Dach auf Vordermann gebracht.

Was alles möglich wäre

Bei einem Verkauf des Thüringenhauses würde ganz einfach der Erlös in einen Ersatz-Anbau «mit einer Verbindung über den Katharinenbach» im dortigen Altersheim gesteckt. St. Katharinen zählt derzeit 32, das Thüringenhaus 30 Betten. Wird letzteres umgebaut, um den Standards des Kantons zu genügen, kämen die Bewohnerinnen und Bewohner während der Umbauzeit in ein Provisorium östlich von St. Katharinen zu wohnen.

Die Bürgergemeinde kann jedoch auf den Umbau des Thüringenhauses verzichten, den Anbau beim anderen Heim realisieren und das bisherige Altersheim am Riedholzplatz als Mietliegenschaft für begleitetes Wohnen im Alter behalten – was allerdings auch Umbau-Investitionen bedingt. «Normale» Wohnungen wären im Thüringenhaus ebenfalls möglich – die Bewohner blieben einfach dort, bis der Anbau in St. Katharinen bezugsbereit ist.

Viele Abklärungen

Rund um all diese Varianten gab es jedoch einiges abzuklären. So würde die Stadt ein angrenzendes Grundstück in St. Katharinen zwar im Baurecht für den Anbau abgeben, es müsste jedoch im Rahmen der Ortsplanungsrevision für eine grössere Ausnutzung umgezont werden. Weiter gehört das ebenfalls am Riedholzplatz gelegene Rüeflihaus im Baurecht auch der Bürgergemeinde, was zu Verhandlungen mit der Römisch-Katholischen Kirchgemeinde als Eigentümerin geführt hatte.

Eine «beidseitig akzeptable Lösung» sei aber gefunden worden, erklärt Rolf Heilinger im Mitteilungsblatt der Bürgergemeinde. Mit dem Amt für soziale Sicherheit wurde abgeklärt, ob das Altersheim Thüringenhaus überhaupt umgebaut werden kann, was der Fall ist. Voranfragen gab es zudem beim Stadtbauamt betreffend Auflagen und bei der Gemeinde Feldbrunnen-St. Niklaus zu einem Provisorium auch auf Land ausserhalb der Bauzone. Beide Voranfragen stiessen zwar nicht auf Opposition, doch müsste in Solothurn wie in Feldbrunnen noch ein Baugesuch eingereicht werden.

Entscheid bis im Sommer

Fazit: Die Bürgergemeinde Solothurn ist gefordert, und muss sich für einen Weg entscheiden. «Der Kanton schliesst das Thüringenhaus wohl nicht 2020, wenn wir noch nicht ganz so weit wären», glaubt Sergio Wyniger. «Aber wir wollen vorwärtsmachen und deshalb im ersten Halbjahr einen Entscheid herbeiführen», erklärt der Bürgergemeindepräsident.