Wie wird ein Ingenieur nach Jahrzehnten im industriellen Umfeld zum Philosophen? Und wie vor allem bleibt er ein biegsamer Kreativling, dem die Déformation professionelle nichts anhaben kann? Die Antwort kommt in der Gestalt von Elmar Mock daher. Der Miterfinder der «Swatch» lieferte am Montag im Kulturm kreative Impulse, die sich vor allem an regionale Start-up-Firmen richteten. Zum Abend eingeladen hatte der Verein «Cleantech Start-up», der Jungunternehmen mit nachhaltiger Ausrichtung durch Netzwerkarbeit, Technologie und Coaching unterstützt. Und der Bedarf an Impulsen wie diesem besteht: Sind doch laut Aussage des Referenten bloss geschätzte drei Promille der Menschen kreativ tätig.

Mock, der der Kreativschmiede «Creaholics» angehört, teilte mit den fast 80 Gästen im «Kulturm» seine Erfahrungen. In unterhaltsam-bildhafter Sprache lieferte er Sichtweisen auf die Frage, was industrieller Schöpfergeist ist – und was er bewirken kann. Als Kräfte zur Veränderung stellt er die Innovation der Renovation gegenüber. «Im Renovieren sind wir Champions», befand der 60-Jährige. Wenn sich der Markt verändert, reagiere man darauf: «Das Morgen ist so aber bloss eine Fortsetzung des Heute. Ich biete an, was ich kann – halt einfach besser.» Fürs Neuanfangen, also die Innovation, brauche es hingegen Mut: «Wenn ich in die Wolken springe, muss ich hoffen, dass mir Flügel wachsen, bevor ich unten aufschlage.» Ohne Renovation, so Mock weiter, sei man zwar bereits morgen tot, aber mit Renovation allein stehe man auch bloss zehn Jahre durch.

Aggregatszustände des Menschen

Grosszügig griff Mock bei seinen Impulsen auch auf Analogien aus der Natur zurück – beispielsweise beim Menschenbild. So vergleicht er die mentalen Zustände mit den Aggregatszuständen von Wasser. Als Kleinkinder dominieren Kreativität und Fantasie, aber auch Chaos, der gasförmige Zustand. Die Schule schliesslich sorgt für Verdichtung zur Flüssigkeit. Als Erwachsener kommt man in der Gesellschaft an, dem kristallinen Mentalzustand, wo Präzision, Ordnung und ISO-Normen die Leitplanken bilden. Zwischen dem «kristallinen» und dem «gasförmigen» Menschen gebe es eine Hassliebe, die es zu überwinden gilt. «Als ich als 26-Jähriger die ‹Swatch› mitentwickelte, war das eine Zeit der Anarchie und des Chaos, wunderschön», bis das Management kam und alles durchregulierte. Und: «Wäre Ernst Thomke damals gegen die Idee gewesen, so wäre aus ‹Swatch› nichts geworden.»

Mocks spielerische und anschauliche Analogien zur Naturwissenschaft gingen aber weit über die Aggregatszustände hinaus: So wird die Firma zur Mutter, deren Schaffenskraft – unter Mithilfe des männlichen Beitrags – die Idee gebiert. Und die Start-Ups als Stammzellen, aus denen noch alles werden kann, nehmen eine bedeutende Rolle ein. Kreativität allein reiche zudem nicht aus, sagte er im anschliessenden Gespräch mit Moderator Samuel Emch – dies in ungehemmter Wortwahl: «Bei Kreativmeetings geht es nur ums Bumsen, aber nicht ums Verwirklichen. Da verwechselt man den Spass mit der Geburt.» So müsse eine Idee dann auch noch umgesetzt werden.