2007 war Elisabeth Kopp letztmals in Solothurn, als der Dokumentarfilm «Elisabeth Kopp - eine Winterreise» an den Filmtagen gezeigt wurde. Sieben Jahre später wurde die jugendlich wirkende 77-Jährige beim Auftritt in der Akademie der Generationen wieder von Stadtpräsident Kurt Fluri begrüsst.

Erneut hatte ihre Biografie die Politikerin in die Ambassadorenstadt geführt, das kürzlich erschienene Buch «Elisabeth Kopp: Zwei Leben - ein Schicksal. Aufstieg und Fall der ersten Bundesrätin der Schweiz» aus der Feder von René Lüchinger.

Nicht der Titel der Publikation stand jedoch über ihrem Vortrag, sondern «Schneewittchen und die sieben Zwerge».

Da der Bundesrat sieben und nicht acht Mitglieder umfasst, rätselte das Publikum, wen oder was Elisabeth Kopp mit der Provokation wohl meine. «Ich habe einfach den Bundeskanzler reingeschmuggelt», lachte die Frau, die als erste Bundesrätin der Schweiz - und auch mit ihrem Rücktritt - Geschichte geschrieben hat.

Im Stich gelassen?

Allerdings ist sie auf die Gründe, die sie zum Rückzug aus Politik und Öffentlichkeit bewogen, nicht gross eingegangen. Ausser, dass sie sich von den Bundesratskollegen im Stich gelassen fühlte. «Im Gegenzug hat sich der Bundesrat bei einer gar nicht geringfügigen Verfehlung von Willi Ritschard solidarisch vor ihren (männlichen) Kollegen gestellt und ihm das Vertrauen ausgesprochen», berichtete sie.

Ein Schlüsselerlebnis, dass sie als Politikerin und als Frau prägte. Und ihre Thesen zur unterschiedlichen Wahrnehmung von männlichem und weiblichem Verhalten untermauerte. Etwa, dass sich Frauen eher als Einzelkämpferinnen ohne Netzwerke präsentieren, während Männer in schwierigen Situationen auf Verbindungen aus dem Militär, dem Beruf und der Gesellschaft zurückgreifen können.

Zudem würden Frauen Macht einsetzen um Wichtiges zu erreichen, während für Männer Macht als solche und aus Prestigegründen erstrebenswert sei.

Episoden aus dem Bundesrat, als sie bei ihren Kollegen mit sozialen und umweltpolitischen Vorstössen Unverständnis erntete, rollte sie genüsslich auf.

Brachte sie mit den Einblendungen auf den Punkt, als sie Jahre später erlebte, wie das Parlament eben diese Postulate einbrachte und absegnete. Zu Recht wies sie darauf hin, wie sie als Vorsteherin des Justizdepartementes massgeblich für eine Revision des Asylwesens und das Einführen des internationalen Privatrechts in der Schweiz gekämpft hatte.

Der mühsame Weg einer Frau

Erlebnisse aus den Anfängen als Erziehungsrätin und als Gemeinderätin zeigten den mühsamen Weg, in den siebziger und achtziger Jahren auf Augenhöhe mit männlichen Politikern wahrgenommen zu werden. Etwa, wenn sie vor Sitzungsbeginn gefragt wurde: «Führen Sie das Protokoll, Fräulein?» oder die versammelten Patriarchen sich bei der Anrede «Damen und Herren» suchend nach dem weiblichen Eindringling umblickten.

Elisabeth Kopp nutzte den Auftritt, um die Frauenbewegung der letzten 50 Jahre in einen historischen Kontext zu stellen und ihr eigenes Engagement für das Frauenstimmrecht und die Gleichstellung einzubinden.

Heute, ein Vierteljahrhundert nach ihrem Rücktritt aus dem Bundesrat, überzeugt Elisabeth Kopp als politische Chronistin, weniger dagegen im Reflexieren der eigenen Rolle als «Schneewittchen».