Akademie der Generationen
Elisabeth Kopp überzeugt wenig im Reflektieren ihrer Rolle als «Schneewittchen»

Elisabeth Kopp hat am Dienstag das Frühlingssemester der Akademie der Generationen eröffnet. Ihr Vortrag stand unter dem Titel: «Schneewittchen und die sieben Zwerge». Die Alt Bundesrätin überzeugte als politische Chronistin.

Silvia Rietz
Drucken
Teilen
Elisabeth Kopp mit Kurt Fluri

Elisabeth Kopp mit Kurt Fluri

Silvia Rietz

2007 war Elisabeth Kopp letztmals in Solothurn, als der Dokumentarfilm «Elisabeth Kopp - eine Winterreise» an den Filmtagen gezeigt wurde. Sieben Jahre später wurde die jugendlich wirkende 77-Jährige beim Auftritt in der Akademie der Generationen wieder von Stadtpräsident Kurt Fluri begrüsst.

Erneut hatte ihre Biografie die Politikerin in die Ambassadorenstadt geführt, das kürzlich erschienene Buch «Elisabeth Kopp: Zwei Leben - ein Schicksal. Aufstieg und Fall der ersten Bundesrätin der Schweiz» aus der Feder von René Lüchinger.

Nicht der Titel der Publikation stand jedoch über ihrem Vortrag, sondern «Schneewittchen und die sieben Zwerge».

Elisabeth Kopp: Stets die Erste

Elisabeth Kopp-Iklé wurde 1936 in Zürich geboren und verbrachte ihre Jugendzeit mit zwei Schwestern in Muri/Bern. Nach der Matura zog sie nach Zürich, wo sie Rechtswissenschaft studierte. Mit zwanzig trat sie dem FHD, dem «Militärischen Frauendienst der Armee» und der Schweizerischen Vereinigung der Freisinnig-Demokratischen Frauen bei. 1960 heiratete sie den Zürcher Wirtschaftsanwalt Hans W. Kopp, 1963 wurde Tochter Brigitte geboren. Elisabeth Kopp war erstes weibliches Mitglied des Erziehungsrates des Kantons Zürich (1972-1979). 1974 wurde sie in Zumikon mit 80 Prozent der Stimmen zur ersten Gemeindepräsidentin der Deutschschweiz gewählt. 1979 folgte der Sprung in den Nationalrat, 1984 die Wahl in den Bundesrat.
1988 erfuhr sie von den Geldwäscherei-Anschuldigungen gegenüber der Shakarchi Trading AG und bat ihren Ehemann in dem berühmt gewordenen Telefongespräch, aus dem Shakarchi-Verwaltungsrat zu scheiden. Nachdem dies an die Öffentlichkeit gelangt war, gab sie am 12. Dezember 1989 ihren Rücktritt aus der Landesregierung bekannt. Nach einer öffentlichen Debatte wurde eine Parlamentarische Untersuchungskommission eingesetzt. Der PUK-Bericht nannte den Kopp-Rücktritt unvermeidlich. Das Bundesgericht hingegen sprach Elisabeth Kopp 1990 vom Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung frei. (srb).

Da der Bundesrat sieben und nicht acht Mitglieder umfasst, rätselte das Publikum, wen oder was Elisabeth Kopp mit der Provokation wohl meine. «Ich habe einfach den Bundeskanzler reingeschmuggelt», lachte die Frau, die als erste Bundesrätin der Schweiz - und auch mit ihrem Rücktritt - Geschichte geschrieben hat.

Im Stich gelassen?

Allerdings ist sie auf die Gründe, die sie zum Rückzug aus Politik und Öffentlichkeit bewogen, nicht gross eingegangen. Ausser, dass sie sich von den Bundesratskollegen im Stich gelassen fühlte. «Im Gegenzug hat sich der Bundesrat bei einer gar nicht geringfügigen Verfehlung von Willi Ritschard solidarisch vor ihren (männlichen) Kollegen gestellt und ihm das Vertrauen ausgesprochen», berichtete sie.

Ein Schlüsselerlebnis, dass sie als Politikerin und als Frau prägte. Und ihre Thesen zur unterschiedlichen Wahrnehmung von männlichem und weiblichem Verhalten untermauerte. Etwa, dass sich Frauen eher als Einzelkämpferinnen ohne Netzwerke präsentieren, während Männer in schwierigen Situationen auf Verbindungen aus dem Militär, dem Beruf und der Gesellschaft zurückgreifen können.

Zudem würden Frauen Macht einsetzen um Wichtiges zu erreichen, während für Männer Macht als solche und aus Prestigegründen erstrebenswert sei.

Elisabeth Kopp wurde 1984 die erste Bundesrätin der Schweiz.
9 Bilder
Rudolf Friedrich gratuliert seiner Nachfolgerin Elisabeth Kopp nach ihrer Wahl in den Bundesrat.
Elisabeth Kopp verlässt nach ihrer Wahl in den Bundesrat mit ihrem Mann Hans W. Kopp das Bundeshaus.
Bundespräsident Otto Stich zeigt 1988 auf dem Ausflug des Bundesrates Kopp seine Heimatgemeinde Kleinlützel.
Elisabeth Kopp 1984 in der Küche ihres Hauses.
Elisabeth Kopp mit einem Lamm in ihrem Garten.
Elisabeth und Hans W. Kopp.
Sie würde heute den Grünliberalen beitreten, wie sie sagt.
Alt Bundesrätin Elisabeth Kopp spricht 2010 im Nationalratssaal zu Schülern.

Elisabeth Kopp wurde 1984 die erste Bundesrätin der Schweiz.

Keystone

Episoden aus dem Bundesrat, als sie bei ihren Kollegen mit sozialen und umweltpolitischen Vorstössen Unverständnis erntete, rollte sie genüsslich auf.

Brachte sie mit den Einblendungen auf den Punkt, als sie Jahre später erlebte, wie das Parlament eben diese Postulate einbrachte und absegnete. Zu Recht wies sie darauf hin, wie sie als Vorsteherin des Justizdepartementes massgeblich für eine Revision des Asylwesens und das Einführen des internationalen Privatrechts in der Schweiz gekämpft hatte.

Der mühsame Weg einer Frau

Erlebnisse aus den Anfängen als Erziehungsrätin und als Gemeinderätin zeigten den mühsamen Weg, in den siebziger und achtziger Jahren auf Augenhöhe mit männlichen Politikern wahrgenommen zu werden. Etwa, wenn sie vor Sitzungsbeginn gefragt wurde: «Führen Sie das Protokoll, Fräulein?» oder die versammelten Patriarchen sich bei der Anrede «Damen und Herren» suchend nach dem weiblichen Eindringling umblickten.

Elisabeth Kopp nutzte den Auftritt, um die Frauenbewegung der letzten 50 Jahre in einen historischen Kontext zu stellen und ihr eigenes Engagement für das Frauenstimmrecht und die Gleichstellung einzubinden.

Heute, ein Vierteljahrhundert nach ihrem Rücktritt aus dem Bundesrat, überzeugt Elisabeth Kopp als politische Chronistin, weniger dagegen im Reflexieren der eigenen Rolle als «Schneewittchen».

Aktuelle Nachrichten