Der Titel. «Meine Frau Mia machte den ersten Vorschlag.» Autor Max Wild konnte sich zuerst aber gar nicht damit anfreunden. «Alli Johr es Galafrässe» – nein, das ginge nicht. Zu vulgär, das passe nicht zu einem Bruderschaftsmeister der hochwohllöblichen St. Lukas-Bruderschaft, die den schönen Künsten verpflichtet ist. «Es gab ein langes Hin und Her. Zuletzt gefiel uns der erste Titel-Vorschlag doch am besten.»

Im Solothurnerlied

Denn er passt, wie Vernissageredner Raoul Stampfli treffend anmerkte. «Das ‹Gala-frässe› kommt im Solothurnerlied in der sogenannten Bruderschaftsstrophe vor.» Dort versammeln sich «Christen, Heiden und Katholiken» einmal im Jahr, um im geselligen Kreis beim Festessen auch hochstehende Reden zu hören. «Etliche Brüder fassen die Rede des Bruderschaftsmeisters zwar als unschönes Hinauszögern des Hauptganges auf. Und einige schlafen dabei sogar ein», frotzelte Stampfli, derzeit noch Cancellar der Lukas-Bruderschaft, zuständig für das gereimte Protokoll, dem zweiten Höhepunkt des Abends. Doch zuvor gibts eine einstündige Festrede, und deren elf hat der letzte Bruderschaftsmeister Max Wild, übrigens auch ein kompetenter Stadtführer, in einem Buch zusammengefasst. Gespickt mit viel Hintergrundwissen, aber auch einer gehörigen Portion Humor.

Ungekochte Frösche verzehrt

Das Thema: Jeweils eine Solothurner Persönlichkeit aus den letzten fünf Jahrhunderten – solange existiert auch schon die Lukas-Bruderschaft. «Das Schöne waren jeweils die Recherchen», so der Autor, der die Lebensläufe ganz unterschiedlicher Protagonisten akribisch seziert hat. Da gabs es etwa den urchigen Wissenschaftler Amanz Gressly, der auf seinen Jurawanderungen ungekochte Schnecken, Frösche und Eidechsen verzehrte, oder Baron de Breteul, der mit dem Anlegen eines Weges die Verenaschlucht erst passierbar machte. Schon zuviel verraten, denn auch Max Wild setzte alles daran, die Hauptfigur seiner Reden vor der Bruderschaft jeweils geheim zu halten – Anspielungen auf der Einladungskarte, das gewählte Menü und die Weine helfen da jeweils kaum weiter.

Holbein malte sie zu schön

Nicht immer porträtierte er real existierende Personen: So widmete Wild eine einzige Rede einer Frau, nämlich der Solothurner Holbein-Madonna. Und wartete prompt im von Roll’schen Rittersaal mit einer Anekdote auf: «Hans Holbein der Jüngere malte für den englischen König Heinrich VII alle Heiratkandidatinnen für eine vierte Hochzeit.» Dummerweise habe er die nachmalige Favoritin, Anna von Kleve «viel zu schön» dargestellt. Heinrich liess sie zwar an den Hof kommen, die real sehr hässliche Braut aber nach wenigen Monaten sitzen.
Nun, das Publikum war «angefixt» und liess etliche der 500 Exemplare vom Autor signieren – die «Solothurner Stadtgeschichte in elf Biografien» wurde wie so manches Werk mit viel Lokalkolorit von Peter-Lukas Meier im Rothus Verlag herausgegeben.

«Alli Johr es Galafrässe» Rothus Verlag 232 Seiten ISBN 978-3-865-029-4 für CHF 38.- erhältlich im Buchhandel