Über der Ladentheke «hängt» eine Uhr und zeigt stets dieselbe Zeit an. In Wahrheit handelt es sich bloss um ein aufgemaltes Zifferblatt. Dahinter steht eine gewisse Symbolik: Tatsächlich ist hier am Stalden 7 bei Zaugg Elektro GmbH ein wenig die Zeit stehen geblieben – und gleichzeitig weitergelaufen. Alte Holzschränke, in denen moderne Technik zu sehen ist, Glühbirnen, Rasierapparate, Bügeleisen. «Alles, was irgendwie mit Elektro zusammenhängt», umschreibt Geschäftsinhaber Hans Zaugg.

Bereits seit über 80 Jahren existiert das Familienunternehmen, zunächst durch Hans Zaugg Senior geführt, und seit 1977 durch seinen Sohn. Vor rund 50 Jahren dann wurde der Firmensitz vom Landhausquai an den Stalden verlegt. Ende Jahr nun löscht das elektronische «Tante-Emma-Lädeli» seine Lichter, wie auch der Aushang am Schaufenster andeutet. Es sind weniger wirtschaftliche, vielmehr aber persönliche Gründe: Der 63-jährige diplomierte Elektroinstallateur Hans Zaugg stellt sich damit langsam auf seinen Ruhestand ein.

Fliessender Übergang in Ruhestand

Was bleibt, ist der weitaus grössere Service im Kernbereich der Elektroinstallationen – unter neuer Ägide, aber unter dem alten Namen: «Das Unternehmen wird von der AEK weitergeführt. Der Name ‹Zaugg Elektro› bleibt, weil er den Leuten eben geläufig ist», so Zaugg. Ebenfalls auch die acht Mitarbeitenden von Zaugg Elektro. Auch der Inhaber selbst wird noch anpacken und sich dann fliessend in den Ruhestand verabschieden: «Es war eine verdankenswerte Haltung, die die AEK bei der Übernahme an den Tag legte.»

Das Lädeli, das zurzeit noch durch Zauggs Frau Barbara sowie durch Denise Strausak betreut wird, bleibt aber auf den ersten Januar 2012 für immer geschlossen. Die Administration, die sich im ersten Stock des Stalden 7 befand, wurde entsprechend an die neue Besitzerin übergeben. Ein allfälliger Nachmieter für die Liegenschaft ist noch nicht bekannt. «Der Bereich der Elektroinstallationen hat uns stets alle Hände voll zu tun gegeben. Vom Verkaufsgeschäft allein hingegen kann man nicht leben», sagt Zaugg selbst über den Nebenbetrieb. «Doch wenn ich weitergearbeitet hätte, hätte ich auch den Laden behalten.»

«Loslassen? Kein Problem»

Wehmut empfindet Zaugg jedoch auch nach 34 Jahren als Geschäftsinhaber nicht: «Mit dem Loslassen habe ich keine Probleme.» Anders siehts bei den Kunden aus: «Die sind zum Teil zu Tode betrübt und ein wenig ratlos.» Es handelt sich nicht nur um ältere Kunden. Es sind auch jene, die beispielsweise beim Supermarkt-Einkauf ihre speziellen Leuchtmittel nicht finden konnten. «Die werden dann meistens zu uns geschickt, da wir diese Spezialitäten im Sortiment haben.» Künftig soll ein Telefonkurier die Lampen- und Leuchtmittelbestellungen der wehmütigen Kunden ausführen. Am Herzen lagen Zaugg aber auch die direkte Beratung und der Reparaturservice. Natürlich hat in den letzten Jahrzehnten gerade der Zeitgeist dafür gesorgt, dass defekte Geräte durch neue ersetzt werden. «Aber die Wegwerfgesellschaft betrifft die ganze Welt, und nicht nur das Lädeli am Stalden.»

In seiner neu gewonnenen Freizeit nach dem Übergang ins Rentenalter will sich der Rüttener Hans Zaugg all jenen Dingen widmen, die im aktiven Arbeitsleben zu kurz gekommen sind: «Lesen, spazieren, Haus und Garten pflegen.» Auf die Frage, ob er bei Gelegenheit vor Sehnsucht auch mal hobbyhalber zum Schraubenzieher greifen wird, winkt Zaugg aber schmunzelnd ab: «Etwas flicken? Kommt gar nicht infrage!»