Solothurn

Elazar Benyoëtz berührte mit seiner Lesung ein grosses Publikum in der Stadtkirche

Elazar Benyoëtz berührte sein Publikum in der Stadtkirche mit seiner Lesung.

Elazar Benyoëtz berührte sein Publikum in der Stadtkirche mit seiner Lesung.

Es berührt zutiefst, wenn der Israeli Elazar Benyoëtz, der 1937 in Wien als Paul Koppel geboren wurde und seit 1939 in Jerusalem lebt, seine Aphorismen trotz der Schoah, die seinem Volk angetan wurde, in deutscher Sprache schreibt. Aphorismen sind Sinnsprüche, die zur philosophischen und nicht nur philologischen Auslotung von oftmals gegensätzlichen Worten und Begriffen einladen und weit über eine blosse Wortspielerei hinaus zu erhellenden Erkenntnissen führen.

Der Schriftsteller las in der Reformierten Stadtkirche vor grossem Publikum, das sich seinen Denkanstössen mit Begeisterung hingab. «Redewendend kehre ich mich hervor; jedes Wort verspricht sich mir als Dichtung und fasst in sein Versprechen mich ein.» Oder: «Traum und Gebet: Flora und Fauna der Seele». Benyoëtz tritt ein sprachliches Erbe beispielsweise von Friedrich Nietzsche und Arthur Schopenhauer an, die ihre Art von Lebensweisheiten in knappen Formulierungen definierten – wie ihr geistvoller Nachfahre Benyoëtz, der betonte: «Die Erinnerung muss frisch bleiben, damit das Vergessen nicht altere.» Pfarrerin Alexandra Flury-Schölch führte ein in die Lesung aus seinem neuen Buch «Nadelind: des Himmels Segen ist fester Boden genug» – auch mit der betrüblichen Feststellung, dass dieser Besuch in Solothurn seine Reisetätigkeit beende.

Nachklingend erhalten seine Formulierungen, die sich auch um die gemeinsame jüdisch-christliche Glaubensgeschichte drehen, ergreifende Bedeutung wie im Satz: «Himmel-Festland der Bodenlosen».

Mitreissende Klezmer-Klänge

Umrahmt war die Lesung von Klezmer-Musik, die aus dem jüdischen Kulturraum stammt und seit 1970 weltweit an Beliebtheit gewinnt. Laut Wikipedia bedeutet Klezmer ursprünglich «Gefäss des Liedes» und nimmt eine lange jiddische Musiktradition auf, die laufend auch weiter entwickelt wird. Heute ist Klezmer-Musik vorwiegend instrumental zu hören. Das aus Heidy Huwiler (Klarinette), Magdalena Irmann (Akkordeon) und Valentin Kolar (Kontrabass) bestehende, virtuos agierende schweizerisch-deutsche «Freilach-Trio» zauberte in schwermütig-sehnsuchtsvollen Melodien und mitreissenden Rhythmen eine besondere Atmosphäre. Etwa in dem von Kolar geschriebenen und arrangierten Stück «Der eheliche Kreislauf» verbanden sich Klezmer-Elemente sogar mit Jazz-Improvisationen. Das Publikum bedankte sich mit lang anhaltendem rhythmischen Klatschen.

Die seit fünf Jahren bestehende Kulturreihe in der Stadtkirche, die aus Anlass des 90-jährigen Jubiläums der Turmglocken gegründet wurde, lädt alljährlich zu zehn Veranstaltungen am späteren Sonntagnachmittag ein. Ihre Fortsetzung findet sie ausnahmsweise um 11 Uhr am Samstag, 23. November, mit einem Orgelkonzert von Benjamin Guélat, Organist in St. Urs.

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