Unüberbrückbare Differenzen
Eklat auf dem Bauamt: Stadtplaner Daniel Laubscher geht – Parteien sind schockiert

Stadtplaner Daniel Laubscher und die Einwohnergemeinde Solothurn werden den bestehenden Arbeitsvertrag aufgrund von «unüberbrückbaren fachlichen Differenzen» aufheben. Die Parteien sind überrascht.

Andreas Kaufmann
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Im April noch wirkte Daniel Laubscher bei der Quartierkonferenz Weststadt mit.

Im April noch wirkte Daniel Laubscher bei der Quartierkonferenz Weststadt mit.

Michel Lüthi

Nach acht Jahren verlässt Daniel Laubscher seine Stelle als Leiter Stadtplanung/Umwelt von Solothurn. Ob er geht oder «gegangen wird», bleibt unausgesprochen: «Unüberbrückbare fachliche Differenzen über die Führung und die Organisation der Stadtplanung» gab das Stadtpräsidium in einer Medienmitteilung als Begründung für den Weggang bekannt.

Bereits am 30. Juni wird der 48-jährige Laubscher seinen letzten Arbeitstag bestreiten, womit ihm laut Stadtpräsidium «eine optimale Vorbereitung seiner neuen Arbeitstätigkeit ermöglicht werde.» Der Arbeitsvertrag selbst wird zu einem späteren, nicht näher genannten Zeitpunkt aufgehoben werden. Daniel Laubscher resp. sein Rechtsvertreter Jean-Claude Cattin äussern sich nicht näher zu den Hintergründen: Die Vereinbarung enthält eine Verschwiegenheitsklausel.

Es ist wahrscheinlich, dass die Differenzen zwischen Laubscher und seiner direkten Vorgesetzten, der Leiterin des Stadtbauamts Andrea Lenggenhager, bestanden haben könnten. Was mit der wenig sagenden Begründung «unüberbrückbarer Differenzen» genau gemeint ist, darüber schweigt sich Stadtpräsident Kurt Fluri aus: «Die Hintergründe über das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt», beruft er sich auf Geheimhaltungspflichten.

Ebenso wenig datiert Fluri, seit wann sich diese Differenzen abgezeichnet haben sollen: «Seit einiger Zeit», so seine knappe Antwort. Auffällig: Schon vor geraumer Zeit waren dem Chef der Stadtplanung die Kompetenzen als Bauinspektor entzogen worden. Fluri erklärt diese «interne Reorganisation» mit fachlichen Überlegungen, die zum Entscheid geführt haben sollen.

Die Fraktionen sind überrascht

Die Fraktionen des Gemeinderats insbesondere Mitglieder der Gemeinderatskommission (GRK) zeigen sich erstaunt über die plötzliche Ankündigung von Laubschers Weggang. «Ich masse mir kein Urteil darüber an, ob dies so passieren musste», sagt FDP-Gemeinderat und Gemeinderatskommissions-Mitglied Marco Lupi. «Aber die Hintergründe schreien förmlich nach Antworten. Ich höre schon die Vorstösse, die dazu reinflattern werden.» Für die freisinnige Fraktion ist auch die Frage wichtig, wie lange Daniel Laubscher weiterhin seinen Lohn erhält, resp., wie lange das Arbeitsverhältnis denn nun eigentlich andauert.

«Das kommt überraschend», findet ebenso Matthias Anderegg (SP). Auch in der GRK sei man über den Inhalt der gestrigen Ankündigung nicht vorinformiert worden. Dies moniert ebenso die Fraktion der Grünen: «Mich interessiert, was man ihm vorwirft», sagt GRK-Mitglied Heinz Flück. Man fürchte, dass sich die Ortsplanungsrevision, die Laubschers Dienststelle zugeordnet war, nun weiter verzögern könnte.

Ebenso mit Verwunderung reagierte man in CVP-Kreisen: «Der Abgang unseres Leiters Stadtplanung kam für mich überraschend», sagt Barbara Streit-Kofmel. Die Gründe dafür seien aber nicht offiziell kommuniziert worden. «Sicherlich werden uns aber die finanziellen Folgen noch beschäftigen.» Die Fraktion bedauert aber, dass das Arbeitsverhältnis aufgelöst wird: «Seine Arbeit haben wir sehr geschätzt.»

Auch Roberto Conti (SVP) zeigt sich erstaunt: «Von der Zusammenarbeit durch die Quartierentwicklung Solothurn West hatte ich den Eindruck, dass er eine professionelle, seriöse Arbeit leiste, was ich sehr schätzte. Woher die angetönten Differenzen kommen sollen, ist mir ein Rätsel», so der Gemeinderat weiter.