Solothurner Stadttheater
Einsprecher: «Die moderne Regiekabine wirkt wie ein Aquarium»

Die Solothurner Baukommission bewilligte die Umbaupläne fürs Stadttheater. Die zwei eingereichten Einsprachen von Privatpersonen wies sie ab. Ob man mit dem Umbau beginnen kann, ist noch unklar - die Einsprecher können den Entscheid weiterziehen.

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So sieht die heutige Regiekabine aus.

So sieht die heutige Regiekabine aus.

Andreas Kaufmann

Die geplante Stadttheater-Sanierung hat eine weitere Hürde genommen: Die Baukommission hat das Baugesuch bewilligt. Die beiden Einsprachen gegen das Projekt hat sie vollumfänglich abgelehnt. Dies teilte die Stadt am Montag mit. Ob der Umbau diesen Sommer beginnen kann, bleibt trotzdem offen. Es hängt davon ab, ob die beiden Einsprecher den Entscheid an den Kanton weiterziehen. «Vorher ist nicht sicher, ob der Baubeginn im Juli ist», sagt Gaston Barth, Leiter Rechts- und Personaldienst der Stadt.

«Alle anderen wären stolz»

«Traurig» über den Entscheid der städtischen Baukommission ist Fritz Sebald. Er ist einer der Einsprecher und gilt als Mahner und Projektkritiker der ersten Stunde. Lange bevor die Barockmalereien im Stadttheater gefunden worden sind, hat Sebald - vergeblich - auf mögliche Funde hingewiesen. Jetzt, nach dem sensationellen Fund, stört sich Sebald daran, dass eine Regiekabine in den historischen Zuschauerraum gebaut wird. «Alle anderen Städte wären jetzt stolz, das älteste Barocktheater der Schweiz zu haben». In Solothurn dagegen stehe dann eine moderne Kabine im historischen Raum. «Das wirkt wie ein Aquarium.»

Die spätbarocken Dekorationsmalereien des unteren Ranges zeigen Embleme aus der Welt des Theaters.

Die spätbarocken Dekorationsmalereien des unteren Ranges zeigen Embleme aus der Welt des Theaters.

Kantonale Denkmalpflege Solothurn

Sebald zweifelt, dass ein Weiterzug der Einsprache an den Kanton erfolgversprechend ist. «Ich will keine Leerläufe.» Definitiv entschieden hat er sich noch nicht. Zuerst möchte er mit der CVP Stadtpartei Rücksprache nehmen. Diese hat die Projektkritiker bisher unterstützt: Die CVP-Gemeinderätinnen Susan von Sury und Barbara Streit-Kofmel haben in einer - inzwischen abgelehnten - Interpellation die Anliegen der Einsprecher aufgenommen.

«Absolut unverständlich»

Auf Sebalds inhaltliche Kritik ist die Baukommission gar nicht eingegangen. Sie konnte den Prozess abkürzen: Denn die beiden Privatpersonen seien gar nicht legitimiert, Einsprache zu machen. «Sie wohnen zu weit weg vom Stadttheater, um zur Einsprache legitimiert zu sein», sagt Gaston Barth.

«Absolut unverständlich» ist diese Begründung für die zweite Einsprecherin, Käthi Scartazzini. Die pensionierte Ärztin fragt sich, weshalb sie nicht einspracheberechtigt sein sollte. Schliesslich gehe es ja um ein öffentliches Projekt, das von den Steuerzahlern finanziert werde. «Ich habe keine persönlichen Interessen. Meine Einsprache ist im Interesse aller Besucher, die nicht mehr gut zu Fuss sind.» Scartazzini kritisiert, dass die Garderoben neu im ersten Stock liegen. Für ältere Leute sei dies zu umständlich. «In ein bis zwei Jahren wird sich zeigen, dass dies nicht geht. Die Leute werden die nassen Kleider in den Theaterraum nehmen.» Auch Scartazzini weiss noch nicht, ob sie den Entscheid weiterziehen will und will sich mit den CVP-Vertreterinnen besprechen. Scartazzini sieht die Chancen auf Erfolg durch den jetzigen Entscheid allerdings geschmälert.

Kein Thema in der Kommission

Ob die Garderoben im ersten Stock sind oder nicht: Laut Gaston Barth spielte dies für den Entscheid der Baukommission keine Rolle. «Betriebliche Einwände sind nicht Bestandteil des Kommissionsentscheides. Die Baukommission muss nur beurteilen, ob das, was im Baugesuch steht, rechtmässig ist.» Für betriebliche Fragen wie den Standort der Garderoben sei der Gemeinderat zuständig, da die Stadt Grundeigentümerin des Theaters ist. Barth ist deshalb überzeugt: «Man hätte die Einsprachen auch abgewiesen, wenn die Einsprecher legitimiert gewesen wären.» Denn das Projekt halte die Bauvorschriften ein und auch der Denkmalpfleger sehe es als bewilligungsfähig an.

Die Stadt möchte im Sommer mit dem Bau beginnen. «Wir hoffen, dass die Einsprecher jetzt überzeugt worden sind. Das liegt auch im Interesse der Sache», sagt Barth. Sollten die Beschwerdeführer ihre Beschwerden ans Baudepartement weiterziehen, werde die Stadt wohl beantragen, diesen die aufschiebende Wirkung zu entziehen. «Wir können aber nicht davon ausgehen, dass der Kanton dies bewilligt», sagt Barth.

Das Stadttheater Solothurn von seiner Sonnenseite.
28 Bilder
Südfassade des Stadttheaters Solothurn.
Eingangsbereich
Ansichten aus dem Stadttheater Solothurn
Theatersaal
 Impressionen aus dem Stadttheater Solothurn (Theatersaal): Wieviel von seinem Charme wird das Schauspielhaus nach der Sanierung bewahren können? (Fotos: Andreas Kaufmann)
Deckenleuchter im Theatersaal
 Impressionen aus dem Stadttheater Solothurn (Theatersaal): Wieviel von seinem Charme wird das Schauspielhaus nach der Sanierung bewahren können? (Fotos: Andreas Kaufmann)
Aufgang zur ersten Galerie Impressionen aus dem Stadttheater Solothurn (Aufgang zur ersten Galerie): Wieviel von seinem Charme wird das Schauspielhaus nach der Sanierung bewahren können? (Fotos: Andreas Kaufmann)
Theatersaal, 1. Galerie
Foyer
Foyer
Hinter die Bühne geschaut
 Auch solchen Problemen begegnet das Personal des Stadttheaters Solothurn. (Fotos: Andreas Kaufmann)
Männergarderobe
 Impressionen aus dem Stadttheater Solothurn (Theatersaal): Wieviel von seinem Charme wird das Schauspielhaus nach der Sanierung bewahren können? (Fotos: Andreas Kaufmann)
Männergarderobe
Nicht nur die zurzeit noch verschachtelten Wege machen der Bühnenlogistik zu schaffen.
 Impressionen aus dem Stadttheater Solothurn: Allein die Bühnentechnik wird mit über vier Millionen Franken zu Buche schlagen. (Fotos: Andreas Kaufmann)
Treppenhaus Administrationsgebäude
Administrationsbereich
Stuckaturen im Administrationsbereich

Das Stadttheater Solothurn von seiner Sonnenseite.

Andreas Kaufmann