Solothurn

Einsiedlerin der Verenaschlucht zeigt ihre Lebensbrüche

Die Schwester Benedikta lebt als Einsiedlerin in der Verenaschlucht im Kanton Solothurn. Jetzt veröffentlicht die Eremitin ihre Biografie. Sie erzählt von Schicksalschlägen, Jugendsünden und von ihrem Weg zu Gott und in die Einsiedelei.

Die Schwester Benedikta lebt als Einsiedlerin in der Verenaschlucht im Kanton Solothurn. Jetzt veröffentlicht die Eremitin ihre Biografie. Sie erzählt von Schicksalschlägen, Jugendsünden und von ihrem Weg zu Gott und in die Einsiedelei.

Schwester Benedikta hat in Solothurn ihre Autobiografie mit dem Titel «Licht auf meinem Pfad» präsentiert. Darin berichtet die Einsiedlerin der Verenaschlucht über die Hochs und Tiefs in ihrem Leben.

Als Schwester Benedikta zur Eremitin der Verenaschlucht gewählt wurde, pilgerten Scharen von Journalisten zur neuen Einsiedlerin. Damit polarisierte sie, widersetzte sich gängigen Bildern weltabgewandter Askese. Viel ist seither über sie geschrieben worden. Nun hat sie selber in die Tasten gegriffen, ein Buch über ihr von Brüchen geprägtes Leben vorgelegt.

«Wollte authentisch sein»

Das Interesse an der Autobiografie von Schwester Benedikta war gross, kein Stuhl blieb leer. Lektorin Esther Hürlimann fragte die Autorin, ob sie schon immer schreiben wollte, worauf diese schmunzelte: «Nicht erst der Orell Füssli Verlag hat mich dazu gedrängt, sondern bereits meine Kinder meinten, ich solle ein Buch schreiben. Die Motivation aber war aufzuzeigen, was Gott in meinem Leben bewirkt hat.»

Gegliedert in drei Themenstränge, geben die Erinnerungen Aufschluss über das Leben vor der «Erweckung», über den spirituellen Weg und über den Alltag in der Verenaschlucht. «Beim Schreiben wollte ich authentisch sein, die Privatsphäre der Familie schützen und zurückblicken, ohne zu beschönigen», erklärte sie.

Vorgaben, die das Buch «Licht auf meinem Pfad, Autobiografie einer Einsiedlerin» erfüllt. Wie auch die Neugierde von Bewunderern wie Gegnern zu stillen, indem es Fragen beantwortet, wann diese Frau den Ruf Gottes hörte und von der Familie weggezogen ist. Welche Narben das Adoptivkind mitbringt, wie glücklich ihre zwei Ehen waren. Kurz, wie sie wurde, was sie ist.

Kein billiger Voyeurismus

Schwester Benediktas Memoiren offenbaren, was Kinder und Mann bei ihrem Rückzug fühlten, ohne billigen Voyeurismus zu bedienen. Zeigen Lebensbrüche, ohne das eigene Dazutun zu verschweigen. Schwester Benedikta drückt es im Vorwort so aus (Zitat): «Vier Jahrzehnte lang war mein Leben ein finsteres Tal. Im Alltag funktionierte ich, so gut es ging. Ich versuchte, mir einen Halt zu geben, indem ich den Rollen entsprach: Als Tochter, Schülerin, und später als Ehefrau und Mutter. Doch im Innersten war ich getrieben von der Sehnsucht nach einem unversehrten Leben, das die Wunden meiner Geburt und meiner Kindheit heilen würde. Suchend nach einem Ort, wo der Schmerz gelindert wird und ich endlich Ruhe finden kann.»

Ein Spagat

Nach der Lektüre glaubt man der Schreiberin, dass sie ihre Bestimmung gefunden hat. Von der ersehnten Ruhe lässt sich dies nicht so einfach annehmen. Zumindest an der Buchvernissage thematisierte Schwester Benedikta offen den Spagat zwischen spiritueller Klausnerin und öffentlicher Person. «Fern der Welt und für die Welt leben», präzisierte sie das Spannungsfeld. Als Einsiedlerin brauche sie den Rückzug in die Stille, auf einer anderen Ebene sei sie Angestellte einer weltlichen Institution, der Bürgergemeinde Solothurn. Schwester Benedikta: «Ich wünsche mir die Einsiedelei als religiösen und heiligen Kraftort, nicht als kulturhistorische Touristenattraktion.»

Der emeritierte Weihbischof Martin Gächter attestierte, in der Einsiedelei als Eremitin zu wirken, sei schwierig, da jedermann vorbeikommen könne.

Eigendynamik entwickelt

Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger ergänzte auf Nachfrage, es habe sich eine Eigendynamik entwickelt und den Zustrom verstärkt. «Die Einzigartigkeit der Verenaschlucht und der Einsiedelei zieht halt viele Menschen an, mit und ohne spirituellen Zugang. Das gilt es zu respektieren. Auch von Schwester Benedikta.» Die Publikation wird wohl noch mehr Interessierte an der Einsiedelei und an der Einsiedlerin in die Verenaschlucht locken.

Schwester Benedikta: «Licht auf meinem Pfad», Orell Füssli Verlag AG, Zürich, ISBN 978-3-280-05589-2, www.ofv.ch

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