Es ist still. Nur der Verenabach gurgelt leise vor sich hin. Kein Vergleich zu einem schönen Maientag, wenn Kind und Kegel mitsamt Hund durch die Schlucht flanieren, die Vögel zwitschern und ein lindgrünes Blätterdach die Felswände überspannt. Nun gibt es genau zwei Farbtöne: Schwarzgrau und Weiss. Dazwischen wenig. Etwas grünes Moos, etwas Braun an Brückengeländern und der Fassade der Klause.

Sie wirkt leer und verwaist, von Schwester Benedikta keine Spur. Ohnehin, Spuren sind wenige auf dem Schluchtweg auszumachen. Der Kraftort Einsiedelei ist im Winterkleid kein oft aufgesuchtes Ziel. Auf dem Weg zum Schluchteingang sind Begegnungen rar, zwei Frauen, das ist schon alles. Dabei wäre es so einfach: Wer jetzt Ruhe und innere Einkehr hinten in der Schlucht sucht, der findet sie auch. Das war vor kurzem noch anders.

Zauberwelt mit schroffen Zügen

An den schrundigen, grauen Kalkwänden verwirklicht sich die Natur als Dekorateurin einer Zauberwelt. Eiszapfen überall. Doch auch der Mensch war hier, und auch er hat dekoriert. In mancher Felsnische findet sich das Blechnäpfchen eines Lichts, das nachts die Stimmung brachte – aber tagsüber halt immer noch rumsteht.

Die Natur wirkt gewaltiger, sie hinterlässt grobe Spuren des Zorns. Der mächtige Obelisk des Amanz-Gressly-Steins mitten im Bach wird von den Ästen eines umgestürzten Baums gleich einer Hand begrapscht. Weiter aufwärts hängen gleich mehrere Stämme über dem Bachlauf. Die Stürme des Herbsts haben sie zuletzt aus dem Wald gegriffen. Wäre am Ende der Schlucht nicht der verglaste Wall des Restaurants, man wähnte sich in einer stillgelegten Märchenwelt. Immerhin, die Beiz respektiert dies – mit dem Ruhetag.