Fundbüro
Einmal war sogar ein Schädel aufgetaucht

Portemonnaie, Handys und Schlüssel, aber auch Brillen und Kameras zählen wohl zu den Klassikern der im Fundbüro der Stadtpolizei Solothurn abgegebenen Gegenstände.

Olivia Schmidiger
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Amanda Oetterli zeigt ein Kleid, das gefunden wurde. Hanspeter Bärtschi

Amanda Oetterli zeigt ein Kleid, das gefunden wurde. Hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

Portemonnaie, Handys und Schlüssel, aber auch Brillen und Kameras zählen wohl zu den Klassikern der im Fundbüro der Stadtpolizei Solothurn abgegebenen Gegenstände. «Wir erhalten etwa alle zwei Tage ein bis zwei Sachen. Dieses Jahr haben wir sogar einen Fund pro Tag registriert», erklärt Amanda Oetterli, stellvertretende Dienstchefin der Abteilung Markt und innere Dienste. Die Funde werden geordnet und nummeriert. Im Moment ist der Schrank beinahe leer.

Auf dem Büro ist es ruhig, niemand lässt sich blicken und Amanda Oetterli sieht nicht gerade gestresst aus. Trotzdem gibt es genug zu tun. Es gilt, die Besitzer der Fundgegenstände ausfindig zu machen. «Bei Handys haben wir eine recht gute Erfolgsquote», sagt Amanda Oetterli. Solange das Handy noch über Strom verfüge, könne man unter den Kontakten nach dem Festnetzanschluss des Besitzers suchen. Viele würden aber bereits mit leerem Akku abgegeben. Dann gilt es, den Besitzer anhand der SIM-Karten-Nummer ausfindig zu machen. Dafür brauche es die Hilfe von Leuten, die darauf spezialisiert sind. «Das geht meist einen Moment. Und oft wird die SIM-Karte in der zwischen Zeit bereits ersetzt», meint Oetterli.

Das geleerte Portemonnaie

Dasselbe gilt für Pässe oder IDs. Wenn die Besitzer kontaktiert würden, hätten sie manchmal bereits einen neuen Pass oder eine neue ID. Viele Portemonnaies würden auch leer abgegeben. «Wir gehen davon aus, dass dabei meistens ein Diebstahl vorausgegangen ist. Die Geldbörsen werden geleert und danach fortgeworfen», so Oetterli. Bei Schlüsseln läuft es ähnlich wie bei den Mobiltelefonen, da die meisten Schlüssel eine bestimmte Nummer zugewiesen haben, könne man nachfragen, wem dieser Schlüssel gehöre, und die Besitzer kontaktieren. Nur bei nicht registrierten Schlüsseln wie zum Beispiel Fahrradschlüsseln gehe das nicht. Diese kommen alle in eine grosse Schachtel. Wer einen solchen Schlüssel vermisst, der kann ihn dort suchen.

«Manchmal werden auch kuriose Sachen abgegeben», erzählt die stellvertretende Dienstchefin. «Noch vor meiner Zeit auf dem Amt soll ein Mann einen Schädel gebracht haben. Was damit gemacht wurde, weiss ich nicht.» Ob der Schädel seinen Besitzer wiederfand, ist nicht bekannt. Aber komisch ist es auf jeden Fall. Seltsam ist auch ein anderer Fund. Ebenfalls vor Oetterlis Zeit sei einst ein Gebiss gefunden worden. Auch hier kam nie aus, ob es jemals wie-der jemand brauchen konnte. Letztes Jahr aber sei eine Klarinette abgegeben worden. Diese konnte vermittelt werden und brachte dem Finder rund 50 Franken ein. So ein Fund kann also durchaus lohnenswert sein. Der Finderlohn ist nämlich immer noch aktuell.

Finderlohn wird nicht immer ausbezahlt

«In der Regel gibt es 10 Prozent des Gesamtwerts des gefundenen Gegenstandes», erklärt Oetterli. Wer etwas abholen kommt, wird gebeten, einen Finderlohn zu hinterlegen. «Manche Leute weigern sich, auch nur einen kleinen Finderlohn abzugeben, dann kommt es vor, dass wir den Gegenstand gar nicht zurückgeben.» So auch eine Frau, die ihren Pass verloren hatte. Da sie sich weigert, einen Finderlohn von 10 Franken zu zahlen, muss sie sich einen neuen machen lassen, was eindeutig mehr als 10 Franken kosten wird. Amanda Oetterli meint aber, «Die meisten Leute sind sehr dankbar, dass jemand ihre Sachen gefunden hat, und haben kein Problem, einen Finderlohn zu bezahlen.» Manche seien so auf den Finderlohn aus, dass sie sich mehrere Male erkundigen, ob sich denn der Besitzer bereits gemeldet habe. Andere achten sich sehr gut, ob sie nicht etwas finden, was sich lohnen würde. Amanda Oetterli meint: «Besonders bei Werkhof-Angestellten ist mir aufgefallen, dass sie sehr gut schauen, was so in der Stadt herumliegt.»

Nach einer bestimmten Frist wird alles, was nicht vermittelt werden konnte, entweder entsorgt oder verkauft. Im Moment werden die Fun-de, die noch etwas wert sind, in das «Theresa-Lädeli» gebracht. Das ändere sich aber ab und zu. Wie viel in den letzten Jahren vermittelt werden konnte und wie viel verkauft oder vernichtet worden war, das wisse man nicht. Sobald der Fundgegenstand weg ist, gilt der Fall als abgeschlossen. «Wir machen da keinen Unterschied», erklärt Oetterli.