Solothurn
Einmal mehr exzellente Vorträge vom Blasorchester Aulos

Traditionsgemäss kehrt das jedes Jahr neu zusammengesetzte Aulos Blasorchester immer wieder in seine Geburtsregion Solothurn zurück.

Hans Blaser
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Das neu zusammengesetzte Blasorchester kommt immer wieder nach Solothurn zurück. (Archivbild)

Das neu zusammengesetzte Blasorchester kommt immer wieder nach Solothurn zurück. (Archivbild)

HO

Noch immer ist Aulos ein gut dotiertes Blasorchester vorwiegend aus Berufsmusikern, Musikstudenten und vielleicht auch mal einem ausgewählten Amateur. Dirigent des Aulos 2018 ist Bram Sniekers. Im Westen der Niederlande, im damaligen Roermond geboren, erhielt er in Thorn seine erste musikalische Ausbildung.

Am Conservatory of Maastricht studierte er Trompete und Orchesterdirektion. Durch seine Stellung als Chefdirigent des Sinfonischen Blasorchesters von Lalin, einer spanischen Stadt von 20 000 Einwohnern wurde er mit der Spanischen Musik vertraut.

Das sind ideale Voraussetzungen für das Programm 2018 mit gleich drei spanischen Kompositionen. Drei spanische Kompositionen? Stimmt nicht ganz. Hinter dem Pseudonym Guillermo Lago verbirgt sich nämlich der 1960 im niederländischen Bemmel geborene Willem van Merwijk. Er kennt aber Spanien bestens und liebt es. Er ist leidenschaftlicher Musikpädagoge. Er ist aber auch hervorragender Saxofonist. Über dreissig Jahre spielte er im bekannten Aurelia Saxofon-Quartett.

Dass er auch komponieren kann zeigt seine Komposition «Ciudades», Städte. Ob sie fertig ist, weiss nicht einmal der Komponist selber – er lässt es offen. Geschrieben wurden – und vielleicht werden – sie für Saxofonquartett und Begleitung. Genutzt hat es Aulos für den traditionellen Solobeitrag. Im Zentrum standen dabei Rahel Kohler (Sopransaxofon) Alexandra Müller (Altsaxofon) Vera Wahl (Tenorsaxofon) und Dominik Hüppin (Baritonsaxofon). Das eigene Saxofonquartett bereiste musikalisch nacheinander die Städte Tokyo, Cordoba, Sarajewo und Addis Abeba.

Spanischer Anfang

Angefangen hat das Orchester aber wirklich spanisch mit «Invocacion» von Luis Serrano Alarcon, einem spanischen Komponisten und Dirigent mit Jahrgang 1972. Der Untertitel zu «Invocacion» verrät die Herkunft der Inspiration. Sie kommt von El Puerto das Isaac Albeniz in sein erstes Buch zu «Iberia» packte.

Nach dem sonoren Beginn mit Euphonium und Tuba prägten später ein wunderschönes Oboensolo und ein kleines Es-Klarinetten Solo kurz vor dem Schluss den Vortrag. Komplett spanisch präsentierte sich auch die Fortsetzung mit «Homenaje a Joaquin Sorolla». Diese Hommage an den Maler wurde 1987 für das Consul Valencia de Cultura komponiert. Die lebhaften Farben in Töne umgesetzt hat Bernardo Adam Ferrero, ein spanischer Komponist mit Jahrgang 1942.

Bei Studien in Valencia, Siena, Rom und Paris holte er sich das Rüstzeug zum vielseitigen Komponisten. Kurze mehrfache Soli von Englischhorn, Posaune und Flöte kennzeichneten den ersten Satz. Ein längeres, gefälliges Solo erhielt das Englischhorn im zweiten Satz. Nach einem eher schwerfälligen Beginn übernahmen die Saxofone den dritten Satz und liessen dabei auch kurz dem Piccolo Raum. Im vierten Satz durfte sich endlich auch die Es-Klarinette bemerkbar machen.

Nach der Pause war Schluss mit Spanien, das Hauptwerk «Wine-Dark Sea» war angesagt. Geschrieben hat es der 1973 in New Philadelphia geborene Amerikaner John Mackey. Der Auftrag für die halbstündige Komposition wurde aus Anlass des hundertjährigen Bestehens der Sarah und Ernst Butler School of Music erteilt. Inhaltlich orientierte sich der Komponist bei Homer an der Geschichte von Odysseus.

Entstanden ist ein eindrückliches Werk mit vielleicht mehr zeitgenössischer Instrumentations- als Kompositionskunst. Die Perkussion füllt in der Partitur fast die halbe Seite. Für die Aufführung von diesem Werk ist man auf hervorragende Solistinnen und Solisten auf den verschiedensten Instrumenten angewiesen. Über diese verfügte das Aulos in diesem bestechenden Konzert. Mit einer geschmeidigen Bernstein-Zugabe bedankte sich das Orchester für den anhaltenden und herzlichen Applaus.