Diebstahl
Einen Langfinger als Solothurner Hotelgast

Lassen Solothurner Hotelgäste ebenso häufig «Andenken» mitgehen, wie beispielsweise Zürcher Gäste? Wir fragten nach.

Sabine Gfeller
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Zu luxuriöse und zu dekorative Hotelzimmer verleiten zum Diebstahl.

Zu luxuriöse und zu dekorative Hotelzimmer verleiten zum Diebstahl.

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Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon mal als Hotelgast nach seinem Aufenthalt kleine Gegenstände als Feriensouvenir mit nach Hause genommen. Kleinigkeiten wie Kaffee- oder Teelöffel, Stifte oder vielleicht auch mal ein Frottiertuch mitgehen zu lassen, gilt als Kavaliersdelikt. Nebst solchen kleinen Alltagssünden sind einer Umfrage zufolge in der Schweiz fehlende Badetücher, nicht bezahlte Minibar-Rechnungen und verschwundene Haarföhne die schwerwiegenderen Diebstähle in der Hotellerie. Davon heben sich nur Ausnahmen ab, wie ein entwendeter Fernseher oder ein auf seltsame Art und Weise abtransportiertes Klavier.

Doch wie steht es in der Solothurner Hotellerie? Ladekabel und Fernbedienungen verschwänden hin und wieder, wird gesagt, und ausländische Gäste packen ab und an einen Strom-Adapter mit ein. Etwa zehn vermisste Frottiertücher pro Jahr seien ein überdurchschnittliches Defizit, sagt Markus Stebler vom Hotel Astoria. Erfreuliche Nachricht: «Das Bett nimmt niemand mit, Fernseher auch nicht.» Haarföhn sowie Besteck seien im Romantik-Hotel «Sternen» in Kriegstetten bereits mitgegangen. Einigen Kunstbegeisterten gefiel wohl ein Bild, das sie einpacken wollten, erzählt der Hoteldirektor. Dieses war jedoch gesichert und blieb daher an der Hotelwand hängen. Der gravierendste Fall für den Hotelbesitzer Christoph Bohren war das Verschwinden eines Läuferteppichs.

Anscheinend sollten Hoteliers ihren Gästen eine nicht allzu luxuriöse Ausstattung in den Räumen gönnen. Ansonsten kommt es, wie im Gasthof National in Langendorf geschehen, zum Verschwinden nagelneuer Badetücher. Solche würden zum Mitnehmen verleiten, heisst es dort.
Beim Aufstellen von Menages mit exklusiven Salz- und Pfeffermühlen bestünde für die Hoteliers ebenfalls ein gewisses Risiko, dass diese den Gästen im eigenen Esszimmer auch gefallen würden und sie mit einpacken.

Solothurner Gäste anständiger als in Zürich

Gleich verhält es sich mit der Dekoration, beispielsweise von romantischen Windlichtern, wie sie im Hotel «Ramada» in Solothurn platziert sind. Die exklusive Ausführung dieser Kerzen erwecke den Anschein von echten Kerzenlichtern, obwohl sie elektronisch betrieben werden. In diesem Fall gäbe es jedoch eine Lose-Lose-Situation, sagt der Verantwortliche dort: «Die Lichter benötigen ein dazu gehöriges Ladegerät, welches die Gäste meist nicht besitzen. Ohne dieses brennen die elektronisch geladenen Lichter tatsächlich nieder wie echte Kerzen, ohne ein erneutes Aufflackern.» Einige Gäste fühlen sich im bewohnten Hotelzimmer wie zu Hause. Und zwar so, dass es hin und wieder vorkommt, dass ein Gast mit dem Hotelschlüssel nach Hause reist. Dies passiere meist aus reiner Gewohnheit und ohne böse Absicht.

Im Grossen und Ganzen scheinen die Solothurner Gäste verglichen mit der Restschweiz äusserst gewissenhaft und anständig zu sein. So komme es in Zürich beispielsweise öfter vor, dass Dekorationsartikel, Bademäntel und teilweise auch Regenschirme zum persönlichen Eigentum gemacht würden. So dreist ist in Solothurn eigentlich niemand. Liegt das an den guten Manieren der Hotelgäste oder strahlt der Kanton solch eine Liebenswürdigkeit aus, dass die Aufenthalter es nicht übers Herz bringen, die Hoteliers mit Diebstählen zu plagen?

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