2012 schien sich für Carlos und Nadine Vidal ein Traum zu erfüllen: Sie hatten am Sälirain die Villa des ehemaligen Stadtbaumeisters Hans Luder erworben. Das ziemlich versteckte, geräumige, aber schlicht gehaltene Haus mit Baujahr 1961 habe er «im Wissen um seinen emotionalen Wert» gekauft und mit seiner Familie bezogen, betont Vidal.

Die Freude über den «Oldtimer», der weitgehend in seiner bisherigen Form erhalten bleiben sollte, war jedoch von kurzer Dauer: Ein Wasserschaden und Schimmelpilzbefall setzte die Familie mit zwei schulpflichtigen Kinder im September 2013 unter Zugzwang.

Nadine Vidal: «Innert zwei Wochen musste ich ein Zehnzimmer-Haus räumen.» Vidals fanden vorerst eine Wohnung in der Altstadt, später durch «einen Glücksfall» wieder eine Bleibe im Steingrubenquartier. Doch um die verlassene Villa hatte inzwischen ein Tauziehen eingesetzt.

Gutachten um Gutachten

Für Carlos Vidal war der Vorfall in der seit 1961 kaum veränderten Villa ein klarer Bauschaden. Bei der Aufnahme der Schäden zeigte sich die Notwendigkeit einer Asbestsanierung, und nun wurden auch Teile der Inneneinrichtung wie eine Holzwand oder Böden wegen des Wasserschadens entfernt.

Weitere Mängel gesellten sich dazu: Einsturzgefahr des Balkons, eine zerstörte Kanalisation sowie eine mangelnde Wärmedämmung der Gebäudehülle. Die Familie Vidal beauftragte nun ein auswärtiges Planungsbüro, Sanierungsvarianten auszuarbeiten. Doch erwies sich bald einmal, das die originalen Fensterfronten ersetzt werden müssten. «Das Büro haben wir auch auf Empfehlung der Denkmalpflege ausgewählt», erklärt Carlos Vidal.

Diese – Denkmalpfleger Stefan Blank kümmerte sich persönlich um die Villa – stimmte dem Fensterersatz ungern zu. In einem weiteren Schritt hatten die Eigentümer vom gleichen Büro ein Gesamtumbau-Projekt erarbeiten lassen. «Die Kosten wären aber unverhältnismässig hoch gewesen», so Vidal. Deshalb erwogen Vidals ein Abrissgesuch. «Schlaft nochmals darüber», habe ihnen die Denkmalpflege darauf geraten.

Denkmalpflege stimmt Abriss zu

Doch günstiger wurde das Umbau-Projekt trotz der Prüfung mehrerer Varianten nicht und so entschloss sich die Familie Vidal das Abrissgesuch für ihre längst verlassene Villa einzureichen. Die Publikation im November 2015 löste verschiedene Aktivitäten aus. Die Dankmalpflege hatte schon zuvor in eine Schreiben ans Stadtbauamt bedauert, dass das Haus abgerissen werde.

Sei es doch aufgrund «seiner architektonischen und architekturhistorischen Bedeutung» im Buch «Baukultur im Kanton Solothurn 1940 - 1980. Ein Inventar zur Architektur der Nachkriegsmoderne» von Autor Michael Hanyak als «einzigartig» eingestuft worden. Denkmalpfleger Stefan Blank rügt dann die Entfernung von Hauseinrichtungen bedingt durch den Wasserschaden als «voreilig» und «unverhältnismässig», womit «ein erheblicher Substanzverlust» eingetreten sei.

Zwar hätte man das Haus gerne unter Schutz gestellt und einen Beitrag geleistet, doch mit der Sanierung der Fensterfront weise das Haus nur noch einen geringen Anteil an originaler Bausubstanz auf. Deshalb stimme man, auch aufgrund der fachlichen Vorabklärungen, dem Abriss zu.

Eine Front kommt ins Rollen

Doch auf das Abrissgesuch formierte sich eine breite Front aus der weiteren Nachbarschaft, einigen bekannten Architekten, Kunstschaffenden und Raumplanern. 19 Namen zieren die Einsprache gegen den Abriss der Villa. Sie werfen der Familie Vidal vor, die Villa sukzessive vernachlässigt zu haben.

Der Schimmelbefall sei nicht der Grund für den «katastrophalen Zustand des Hauses», Teile der Inneneinrichtung seien schon zuvor entfernt worden. Die Einsprecher verlangen deshalb eine unabhängige Einschätzung des Sachverhalts in der Hoffnung, dass sich daraus ein Argumentarium ableiten lasse, «wie man zukünftig denkmalwerte Gebäude oder Anlagen von gesellschaftlichem Interesse ... vor dem Vorgehen wie in diesem Fall schützen kann.» 

Zusätzlich reichte die SP eine Motion ein (vgl.Kasten), die von der Stadt die Inventarisierung erhaltens- und schützenswerter Objekte und ihre grundeigentümerverbindliche Sicherung verlangt. Und mit dem Seitenblick auf die Villa sogar den Begriff «Moratorium» braucht.
Die Familie Vidal ist konsterniert über die Vorwürfe. «Wir haben das Haus nie als Spekulationsobjekt gesehen, sondern wollten es bewohnen.»

Sie hat deshalb – inzwischen sind immense Planung-, Sanierungs- und Gutachtenskosten aufgelaufen – zwei Anwaltsbüros eingeschaltet. Dabei geht es dem Ehepaar auch um seinen Ruf – allenfalls wollen sie gegen die Einsprecher auch rechtliche Schritte unternehmen. Denn für Nadine Vidal steht nach zweieinhalb sehr belastenden Jahren fest: «Das Ganze ist für uns eine einzige Familientragödie.»