Solothurn

Eine Stadtführung der etwas anderen Art – hier erzählen nämlich die Teilnehmer

An der Monatsführung «Geschichten unterwegs – hören Sie zu und erzählen Sie selbst» wurde für einmal der Rollentausch getestet.

Es ist bissig kalt – auch vor dem Baseltor, wo sich rund zehn Personen verschiedener Altersgruppen um Claudia Sollberger versammelt haben. Die Blicke schweifen vorerst zur Schanze und dann zum Weissenstein. «Auch Mauern haben ihre Geschichten», sagt die Stadtführerin und schaut in die Runde.

«In meiner Kindheit haben wir oft auf dem Vorbau der St. Ursen Bastion gespielt und dabei einen geheimen Gang entdeckt», nimmt Hanspeter Mathys das Thema auf. Halbwegs im Nebel liegt der Solothurner Hausberg.

Dazu weiss Ernst Bracher etwas zu erzählen: «Früher bin ich dort Ski gefahren und schlitteln gegangen.» Die Jugendzeit liegt einige Jahre zurück, aber dem Berg ist der Wasserämter treu geblieben: «An die fünfzig Mal im Jahr treffen ich und meine Frau dort oben Freunde zum gemeinsamen Frühstück.»

Über den Mut des Bauern Hans Roth

Nachdem fast alle «zum Berg» etwas erzählen konnten, wendet sich Claudia Sollberger dem Baseltor zu und erzählt die Geschichte von Hans Roth, dem einfachen Bauern aus dem bernischen Rumisberg, der dank seinem Mut rechtzeitig einen Überfall auf die Stadt verhindern konnte. Weiter geht’s danach zum Zeughaus, wo der grösste Adventskalender der Schweiz Schaulustige anlockt.

«Geschichten unterwegs – hören Sie zu und erzählen Sie selbst». So lautet der Titel einer Stadtführung der besonderen Art. Das Besondere an der Monatsführung: Claudia Sollberger, die auch ein Erzählcafé betreibt und in Altersheimen wirkt, spaziert mit ihren Gästen durch die Solothurner Altstadt und spornt diese mit ihrem eigenen historischen Wissen an, Geschichten aus dem eigenen Leben zu erzählen.

Die Solothurner Altstadt ist an diesem späten Nachmittag belebt, die Adventsbeleuchtung verleiht den Gassen einen besonderen Charme – wohl auch dank dem Chlausemäret und dem Abendverkauf. «Die Adventszeit ist eine schöne, aber für viele auch eine schwierige Zeit», weiss Claudia Sollberger.

Eine Zeit auch, in der man mehr als sonst bereit sei, gute Taten zu tun. So wie im 16. Jahrhundert die kinderlose Patriziertochter Barbara von Roll, die sich intensiv der Pflege und Heilung Kranker und werdender Mütter gewidmet habe. Nach einem kurzen Aufenthalt auf der St. Ursentreppe und dem Marktplatz macht das Grüppchen unten an der Aare und später in der St. Peterskapelle halt, wo Urs und Viktor allgegenwärtig sein werden.

«Der Blick auf die Stadt aus anderer Perspektive»

Inzwischen haben sich die Teilnehmenden noch etwas wärmer eingepackt. Definitiv kein Tag, um durch die Stadt zu schlendern und stehen zu bleiben – schon gar nicht an der Aare. «Der Fluss, der durch Solothurn fliesst ist zu jeder Tages- und Jahreszeit ein stimmungsvoller Ort», weiss Sollberger trotz Kälte.

Die Zuhörenden nicken. «Meine erste Fahrt auf dem Öufi-Boot war sehr eindrücklich. Der Blick auf die Stadt aus einer anderen Perspektive hat mich fasziniert», erinnert sich ein Teilnehmer an einen vergangenen Sommertag.

Die «Stadtführung der besonderen Art» – an und für sich eine gute Idee. Noch interessanter und passender wäre es allerdings, wenn alle Teilnehmenden angehalten würden, Geschichten zu erzählen, die einen direkten Bezug zur Stadt Solothurn haben.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1