Wie sieht die Stadt Solothurn im Jahr 2030 aus? Das hängt weitgehend davon ab, was in den nächsten 15 Jahren geschieht. «Welche Stadt wollen wir?», fragt sich auch Stadtplaner Daniel Laubscher, und lädt deshalb am kommenden Samstag zu einem «Stadttag» ins Alte Spital. «Alle können kommen, auch Leute aus Zuchwil», blickt er über die eigentlichen Gemeindegrenzen hinaus.

Denn der Blickwinkel am vierstündigen Treffen soll weit gesteckt sein, auch Agglomerationsthemen werden beleuchtet. «Die mögliche Fusion steht aber nicht im Mittelpunkt, dafür sind andere Gremien an der Arbeit. Wir wollen Leitsätze für eine möglichst positive Stadtentwicklung erarbeiten. Dazu besteht die Möglichkeit einer offenen Diskussion.

Wir wollen Resultate, die wir weiterverwenden können», meint Laubscher im Hinblick auf das zu erarbeitende Stadtentwicklungskonzept, das bis Ende Jahr im Gemeinderat verabschiedet werden soll.

Was bisher geschah

Bereits fünfmal hat das sogenannte Forum 2030 getagt. Es erarbeitete Leitsatzentwürfe zu den übergeordneten Rahmenbedingungen, zu Wohnen und Freizeitentwicklung, zu Kultur und Freizeit, Natur und Umwelt, der Mobilität und Versorgung, Bildung, Soziales sowie Gesundheit. «Dabei geht es nicht nur um Städtebau, Architektur oder Grünanlagen», betont Daniel Laubscher. So wurde auch ein Wirtschaftsforum im März mit Wirtschaftsorganisationen und -Vertretern durchgeführt, das ebenfalls zur angestrebten «Gesamtschau der Handlungsfelder» beitragen sollte.

Denn die Herausforderungen sind vielfältig: Die demografische Entwicklung, Themen wie die Energiewende, die 2000-Watt-Gesellschaft, aber auch eine drohende Finanzknappheit und die steigende Mobilität beschäftigen die Stadtplanung. Dazu kommen die Gestaltung und Nutzung des öffentlichen Raums. «Beispielsweise machen wir uns Gedanken um die Altstadt. Sie soll leben und funktionieren, andererseits müssen wir uns mit den Auswirkungen wie dem Lärm bei der Nutzung in der Freizeit beschäftigen», sieht Laubscher im Kern von Solothurn Handlungsbedarf.

Knacknuss Verkehr

Ein wichtiges und sicher auch polarisierendes Thema dürfte der Verkehr sein. Förderung des Langsamverkehrs wie öffentlichen Verkehrs, die Plafonierung des motorisierten Individualverkehrs durch eine Angebotsfokussierung (Westumfahrung) sind bereits vorhandene Kernthesen, die in die Diskussion eingeflossen sind.

«Doch geht es nicht darum, den Autoverkehr zu verteufeln», weiss der Stadtplaner auch, wie wichtig eine gute Erschliessung für eine funktionierende Stadt ist. Vieles sei beim Thema Verkehr auch von aussen vorgegeben, verweist er auf die gesetzliche Pflicht, pro Wohnung einen Parkplatz zu erstellen.

Ob autofreie Wohnzonen eine Zukunft haben werden, müsse sich weisen, jedenfalls liessen sich diese aus Laubschers Sicht nicht einfach gesetzlich verordnen. «Wir riskieren damit Planungleichen», meint er pointiert. Doch seien Strategien zu entwickeln, wie Wohnquartiere besser gegen den Verkehr geschützt werden können.

Auch den Verzicht auf publikumsintensive Anlagen entlang der Westumfahrung, die Mehrverkehr generieren, zählt der Planer in diesem Zusammenhang auf.

Ist die Stadt gebaut?

Oft ist zu hören: «Solothurn ist gebaut.» Mitnichten, findet Daniel Laubscher, auch wenn dereinst das stadteigene «Weitblick»-Areal im Westen Solothurns überbaut sein sollte. «Eine Stadt ist nie fertig gebaut.» Die Kernfrage laute vielmehr: «Brauchen wir den Boden noch richtig?» Womit das grosse aktuelle Thema im Zuge des neuen Raumplanungsgesetzes angeschnitten ist: Verdichten nach innen.

Auch dazu gibts eine klare These des Stadtplaners auf die kommende Ortsplanungsrevision hin: «Es nützt nichts, wenn wir in einer Einfamilienhauszone die Ausnützungsziffer erhöhen. Damit wird es kaum einen Bewohner mehr im Quartier geben.» Für spannenden Diskussionsstoff ist am Samstag jedenfalls gesorgt.

Das Programm: Ab 10 Uhr Begrüssung im Alten Spital durch Stadtpräsident Kurt Fluri. Infos zum bisherigen Vorgehen, danach freie Diskussion. Wo gibt es Ablehnung, wo Zustimmung? Podium zu den Fokusthemen. Das weitere Vorgehen, Apéro und Schluss gegen 14 Uhr.