Räumliches Leitbild
Eine Stadt grübelt über ihr «Savoir-vivre»

Die Ortsplanungsrevision von Solothurn geht mit einem weiteren Planungsschritt in ihre letzte Etappe über.

Andreas Kaufmann
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Das räumliche Leitbild definiert das «Weitblick»-Gebiet als prioritäres Entwicklungsgebiet, um den urbanen Lebensstil in Solothurn zu stärken.

Das räumliche Leitbild definiert das «Weitblick»-Gebiet als prioritäres Entwicklungsgebiet, um den urbanen Lebensstil in Solothurn zu stärken.

Wolfgang Wagmann

Die Ortsplanungsrevision der Stadt Solothurn steht kurz vor dem Übergang in ihre dritte und letzte Phase: Am kommenden Dienstag soll der Gemeinderat zuhanden der Gemeindeversammlung das räumliche Leitbild verabschieden. Anschliessend nämlich wird die Zonen- und Erschliessungsplanung an die Hand genommen. Ebenso werden das Bau- und Zonenreglement sowie das Parkplatzreglement angepasst. Die dafür nötigen, orientierenden Grundlagen sind im räumlichen Leitbild enthalten, das nach einer entsprechenden Mitwirkungsphase nun in seiner Schlussfassung vorliegt und vor allem eines tut: Es skizziert in Leitsätzen, wie sich die Lebensqualität in der Stadt Solothurn über die kommenden Jahrzehnte für Einheimische aber auch für Besucher weiter verbessern lässt.

Solothurn soll als regionales Zentrum mit historischem Erbe, eigenen Quartieridentitäten, mit einer funktionierenden Verkehrsinfrastruktur für alle und mit seinen Frei- und Grünräumen, sowie seinen Wohn- und Wirtschaftsräumen gestärkt werden, und dies als zusammenhängendes «stimmiges Ganzes», wie das Leitbild beschreibt. Diese Ziele fasst es in sechs Leitsätzen zusammen:

«Austausch macht uns stärker»: Die Ausstrahlung von Solothurn als regionales Zentrum mit Offenheit gilt als erster Schwerpunkt des Leitbilds. Der motorisierte Individualverkehr und der öffentliche Verkehr, sowie ein zusammenhängendes Fussgänger- und Velonetz sollen gestärkt und in Zusammenarbeit mit umliegenden Gemeinden koordiniert werden. Zudem soll die Stadt der Zukunft noch mehr durch ein reichhaltiges Freizeit- und Bildungsangebot sowie durch ein attraktives Wohn- und Arbeitsplatzangebot geprägt sein.

«Kulturelles Erbe bedeutet Heimat»: Die geschichtsträchtigen und kulturellen Orte definiert das Leitbild als Ankerpunkte mit Ausstrahlung über die Stadtgrenzen hinaus. Deshalb sollen diese erhalten, untereinander vernetzt und besser zugänglich gemacht werden. Auch sollen neue Ankerpunkte in Form von Frei- und Grünräumen geschaffen werden. Konkret hat das Leitbild dafür die Allmend und den Segetzhain im Entwicklungsgebiet Weitblick im Sinn.

«Quartierlandschaft als Abbild der Lebensqualität»: Damit sollen die identitätsstiftenden Eigenheiten der einzelnen Quartiere erhalten, gestärkt und weiterentwickelt werden. Ebenso sollen in jedem Quartier die für die Lebensqualität wichtigen Infrastrukturen gewährleistet sein. Auch will das Leitbild die einzelnen Stadtgebiete untereinander noch besser vernetzen. Währenddem weiter ein bestimmtes Mass an Innenentwicklung angestrebt wird, soll aber in den Quartieren keine Verdichtung stattfinden.

«Zugänge zum urbanen Leben»: Auf der Pendenzenliste für die städtische Siedlungsentwicklung stehen der Haupt- und der Westbahnhof sowie das «Weitblick»-Gebiet zuoberst. Vor allem sie seien gemäss Leitbild geeignet, Zugänge zu einem urbanen zukunftsgerichteten Lebensstil zu schaffen und zudem die Flächenbedürfnisse für Wohnen und Gewerbe für die kommenden Jahrzehnte abzudecken. Diese Entwicklung soll mit dem aktuellen Bestand an Bauzonen möglich sein.

«Öffnen, verbinden, Freiräume erschliessen»: Grünflächen und Freiräume sollen erhalten und allenfalls aufgewertet werden. Dazu zählen nicht nur Parkanlagen, sondern beispielsweise auch ungenutzten Klosteranlagen. Wo möglich, sollen auch neue Freiräume entstehen – für Einheimische und Gäste, aber auch als Lebensraum für Flora und Fauna. Weiter sollen gemäss Leitbild auch Zugänge zur Aare verbessert werden.

«Gleiche Chancen in der Mobilität»: «Aktiv, angebotsorientiert und stadtverträglich» soll die Mobilität sein. Auch wenn die Koexistenz des motorisierten Individualverkehrs und des öffentlichen Verkehrs betont wird, heisst es im Leitbild: «Die Erschliessungsbedürfnisse werden vermehrt auf den Fuss- und Veloverkehr gelenkt.» Ebenfalls das autoreduzierte Wohnen und Arbeiten werden im Leitbild hervorgehoben. Konkret angestrebt wird ausserdem eine verbesserte Nord-Süd-Querung beim Hauptbahnhof.