Solothurn

Eine spielerische Installation in der Freitagsgalerie mit Geschirr und Dessous

Manu Wurch und Angela Lyn zeigen in der Freitagsgalerie ihre drei Jahre dauernde Kommunikation und wie sich durch diese künstlerisch inspirierten. bar

Manu Wurch und Angela Lyn zeigen in der Freitagsgalerie ihre drei Jahre dauernde Kommunikation und wie sich durch diese künstlerisch inspirierten. bar

Manu Wurch und Angela Lyn verbindet nicht nur eine Künstlerfreundschaft. Sie haben sich auch für die Installation «Thursday» in der Freitagsgalerie in Solothurn zusammengetan.

Im Dezember 2010 begegneten sich Manu Wurch und Angela Lyn zum ersten Mal. Das war der Beginn einer besonderen Künstlerfreundschaft. Sie beschlossen, sich fortan donnerstags von 10 bis 12.30 Uhr in einem virtuellen Raum zu treffen. Das heisst, sich per E-Mail, SMS, Skype, Smartphone, Videoclips und postalisch auszutauschen, ihre künstlerischen Ideen, Erlebtes und Alltägliches zu teilen – egal, wo man sich geografisch gerade befand. Ein Ritual, das sich über drei Jahre erstreckte, morgens damit begann, dass man Lippenstift auftrug, Tee zubereitete, bevor man sich virtuell traf – stets mit der Frage startend: «Are you there?».

Mitteilungen, Gespräche, künstlerische Projekte und Ergebnisse wurden ausgetauscht, initiiert, erweitert. Wie in guten Gesprächen führte eins zum anderen, Banalem wurde eine künstlerische Idee eingehaucht, Erlebtes fand sich im Bild wieder, Reflektiertes transformierte zum künstlerischen Objekt, ein Alltagsding wurde ironisch weiterentwickelt, Diskutiertes fand als kreative Form neue Werte. Der virtuelle Raum dieses ritualisierten Austausches entpuppte sich als ebenso ergiebiger wie assoziationsreicher Kreativraum, der Nähe und Freiraum, gemeinsame und individuelle Geschichten verknüpfte, die eigenen Bildsprachen bestätigte und sich in neuen gemeinsamen Erkenntnissen auslebte.

Es wurde gehäkelt, gemalt, genäht, gefilmt, gedruckt, geformt, gestaltet, Geschirr mit poetisch-absurden Texten beschriftet, Skizzenbücher geführt. Dessous wurden installativ modifiziert, alltägliche Geschehnisse, einfache Gebrauchsgegenstände und gesellschaftliche Aspekte der Frage unterworfen, was ist ab wann und warum Kunst.

Ein scheinbares Potpourri an künstlerischen und spielerischen Fragestellungen und Experimenten ist dabei entstanden, das dennoch einem inneren roten Faden folgt: Wie aus dem Ritual einer virtuellen Begegnung zweier künstlerisch eigenständiger Kräfte auf einer kreativen wie auch persiflierenden Gratwanderung neue, wenn auch subjektiv geprägte Erfahrungswerte gedeihen.

Auf der objektiven Ebene des Betrachters dann versucht man in der Freitagsgalerie dem donnerstäglichen Ritual zu folgen und sich mit allen Sinnen auf dieses spielerisch-theatralisch inszenierte Kabinett der absurden, seltsamen, aber auch kunstvollen und geheimnisvollen Bilder und Objekte einzulassen. Und sich der Frage zu stellen, was Kunst ist und was nicht, und wo es Grenzen gibt, wenn es denn welche gibt.

Man begegnet den unverkennbaren Bildern von Manu Wurch und Angela Lyn, findet gemeinsame Geschichten, folgt dem Video, studiert die Skizzenbücher, öffnet sich den Texten, entdeckt Lippenstiftspuren auf dem Geschirr, weicht den von der Decke schwebenden textilen Objekten aus, erkennt die Rituale, staunt und stellt fest: Die Welt der Kunst ist einfallsreich, selbstironisch und hat ein grosses Herz.

Bis 21. Februar. Geöffnet: Freitags 16 bis 20 Uhr. Die Künstlerinnen sind am 31. Januar und 21. Februar anwesend.

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