Theater Solothurn
Eine Sommernacht, in der ein One-Night-Stand alles verändert

Mit der Schweizer Erstaufführung von «Eine Sommernacht» gelingt dem Theater Biel Solothurn ein Masterpiece. Die Komödie handelt von einer Anwältin und einem Kleinkriminellen, die sich nach einem One-Night-Stand unerwartet wiederbegegnen.

Fränzi Rütti-Saner
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Musiker Nick Porsche
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Theater Biel Solothurn

Musiker Nick Porsche

Ilja Mess

Der Umbau des Theaters Solothurn führt Publikum und Theaterschaffende dieses Jahr in unterschiedlichste Lokalitäten. Nach der Freilichtaufführung von Shakespeares «Viel Lärm um nichts» auf dem Solothurner Zeughausplatz, trifft man sich für die zweite Produktion dieser Schauspielsaison im Saal der Genossenschaftsbeiz Kreuz in Solothurn.

Bestuhlt ums Eck, ohne Bühnenaufbau und Vorhang: das ergibt es ein intimeres Theater, als man das im roten Plüschsessel gewohnt war. Mit «Eine Sommernacht» wird David Greig und Gordon McIntyre's «Thirtysomething»-Komödie als Schweizer Erstaufführung geboten. Nur gerade drei Protagonisten agieren auf der Bühne. Ein Musiker Nick Porsche, die äussert sportliche Maya Alban Zapata als Helena und der Charmebolzen Nico Link als Bob.

Und die Geschichte geht so: In einer teuren Bar in Edinburgh lädt Helena, eine erfolgreiche Scheidungsanwältin, die soeben von ihrem verheirateten Lover versetzt worden ist, den Kleinkriminellen Bob zu einer Flasche Weisswein ein. Um - vordergründig - sich völlig betrunken hemmungslosem Sex mit einem Unbekannten hinzugeben. Hintergründig: Um der Einsamkeit zu entfliehen, und nicht an die persönlichen Probleme, die einem seit Jahren belasten, nachdenken zu müssen.

Beide stürzen sich in den spontanen One-Night-Stand, der dann - wie meist - gar nicht so gut herauskommt, wie man sich das gewünscht hätte und zum Ende heissts: «Ich glaube, du solltest jetzt gehen.» Das könnte das Ende der Geschichte sein, wenn die beiden sich nicht am nächsten Tag zufällig wiederbegegnen würden. Sie im völlig lädierten Brautjungfernkleid, das sie schon zum sechsten Mal trägt, er mit 15000 Pfund Diebesgut in einer lädierten Plastiktasche, die ihm nicht gehört, und die er nicht mehr rechtzeitig zur Bank bringen konnte.

Diese skurrilen Tatsachen sind der Beginn eines Wochenendes, von dem die beiden Mitt-Dreissiger noch ihren Nachkommen erzählen wollen. Es soll ein Wendepunkt in ihrem Leben markieren. Doch so einfach ist es nicht, antrainierte Verhaltensmuster, Zuneigung und Liebe, Angst vor Zurückweisung, die tobende Schwester und den Kleinkriminellen, dem man das Geld gestohlen hat, hinter sich zu bringen. Doch mit Mut, guter Fitness und einigem Glück sind solche Hindernisse weggesteckt und der Weg frei, das grosse Glück zu finden. Wenigstens für eine Zeit lang.

Regisseur Dominik von Gunten lässt seine beiden Protagonisten ein hohes Tempo anschlagen. Bob und Helena agieren nicht nur als Hauptpersonen des Stückes, sondern auch als Erzähler. Für die Schauspieler Maya Alban Zapata und Nico Link eine intensive Herausforderung, zwischen Rolle und Erzähler hin und her zu switchen, körperliche Höchstleistungen auf kleinster Bühnenplattform zu vollbringen.

Die Szenerie wechselt oft sprunghaft, auch wenn der Ort immer noch der gleiche ist. Es ist wie in einem Film: Vor- und Rückblenden, die Personen sprechen und denken fast gleichzeitig darüber nach.

Aufführungen

Nächste Aufführungen: 17., 18., 19., 20., 21., 24., 25., 26.9. jeweils 20 Uhr im Kreuz.
Premiere in Biel: 28.9. 19 Uhr. Weitere Aufführungen Biel: 4.und 17. 10., 6. und 19. 11. jeweils 19.30 Uhr.

Es ist sicher den beiden charismatischen Darstellern zu verdanken, dass man als Zuschauer dem Geschehen atemlos folgt und den Faden nie verliert. Ideenreich dazu ist das Bühnenbild von Gabriela Neubauer; poetisch und kraftvoll die Songs, die Nick Porsche zusammen mit den Darstellern spielt und singt.